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21.06.2007 
Konzernumbau

Bei der Telekom fängt das Sparen erst an

von Sandra Louven

Telekom-Chef René Obermann hat eine Schlacht mit der Gewerkschaft durchgestanden – aber der Krieg in der Branche ist noch längst nicht gewonnen. Er hat durch die Einigung auf mehr Arbeit bei weniger Geld zwar die schwächste Flanke des Konzerns gefestigt. Um den Konzern zu alter Stärke zurückzuführen, muss er aber noch eine ganze Reihe von Problemen lösen.

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DÜSSELDORF. Vorstandschef Obermann kann mit dem größten Umbau in der Geschichte der Deutschen Telekom beginnen. Nach wochenlangem Streik einigten sich die Telekom und die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi am Mittwoch darauf, 50 000 Mitarbeiter der Festnetzsparte zum 1. Juli in neue Servicegesellschaften auszugliedern. Die Beschäftigten erhalten 6,5 Prozent weniger Grundgehalt; die Arbeitszeit steigt von 34 auf 38 Stunden. „Wir sind sehr zufrieden“, sagte Telekom-Personalvorstand Thomas Sattelberger dem Handelsblatt.

Doch der Kampf gegen die Kosten geht weiter. Die geplanten Einsparungen von 500 bis 900 Mill. Euro, die Obermann mit dem Personalumbau erreichen will, sind nur ein kleiner Teil eines umfassenden Sparpakets. Insgesamt will die Deutsche Telekom ab dem Jahr 2010 ihre Kosten um 4,2 bis 4,7 Mrd. Euro senken.

Das ist dringend nötig, weil dem Konzern im Inland der Umsatz wegbricht. Größtes Problem dabei ist die Massenflucht von Kunden. Im vergangenen Jahr haben gut zwei Millionen Menschen ihren Telekom-Anschluss gekündigt.

Auf dem boomenden DSL-Markt hat die Telekom Anfang des Jahres zwar wieder Boden gewonnen. Dort herrscht aber ein harter Preiskampf: Die Margen sind längst nicht so hoch wie im traditionellen Telefongeschäft. Auch im deutschen Mobilfunk – der lange Zeit ein Wachstumsgarant für die Telekom war – purzeln die Preise.

„Kostensenkungen sind mit Abstand die größte Baustelle des Konzerns“, sagt Frank Rothauge von der Privatbank Sal. Oppenheim. Je stärker die Umsätze sinken, umso schneller muss der Konzern die Kosten killen, um seine Gewinnziele zu erreichen.

Rothauge hält es sogar für möglich, dass die Telekom ihr Gewinnziel für dieses Jahr verfehlt. „Ich bin mir im Moment nicht sicher, ob die Telekom das schafft“, sagt der Analyst. Dann müsse die Telekom die eigenen Prognosen zum dritten Mal nach unten revidieren. Bei seinen Sparplänen rechne der Konzern die Reaktionen der Wettbewerber nicht mit ein und habe deshalb in der Vergangenheit seine Kostensenkungsziele schon einmal verfehlt, meint Rothauge.

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Mitarbeiter bekommen Ausgleichszahlungen

Telekom-Chef Obermann hat noch viel Arbeit vor sich. Foto: dpaLupe

Telekom-Chef Obermann hat noch viel Arbeit vor sich. Foto: dpa

Auch im laufenden Jahr ist noch nicht klar, wie die Telekom ihr Sparziel erreichen will. Bislang hat sie erst konkrete Aktionen beschlossen, die 1,1 Mrd. Euro bringen sollen. Geplant sind aber zwei Mrd. Euro. Die Einigung mit Verdi, die vorsieht, dass in den kommenden 18 Monaten weiterhin das volle Gehalt gezahlt wird, macht die Sache nicht leichter.

Gewerkschaft und Telekom hatten zusätzlich vereinbart, dass der Konzern insgesamt dreieinhalb Jahre lang Ausgleichszahlungen für die gekürzten Gehälter leistet. 18 Monate lang sind diese Zahlungen genauso hoch wie die Kürzungen. Danach zahlt die Telekom ein Jahr lang nur noch zwei Drittel und das letzte Jahr ein Drittel der Differenz. Das bedeutet: Wenn Verdi 2009 und 2010 eine Tariferhöhung um jeweils gut 2 Prozent durchsetzt, bleiben die Gehälter der Beschäftigten stabil.

Personalchef Thomas Sattelberger verspricht allerdings, dass 2008 durch die verabredete Nullrunde bei den Gehältern erhebliche Beträge eingespart würden. Einig sind sich Experten darin, dass die Telekom ihre Ausgaben an zahlreichen Stellen senken kann. „Es gibt bei der Telekom noch erhebliches Sparpotenzial – etwa bei der Werbung, dem Vertrieb oder der Vereinheitlichung der IT“, sagt Jochen Reichert vom Analysehaus SES Research. So erschweren unterschiedliche IT-Systeme den Service-Mitarbeitern die Arbeit und drücken damit deren Produktivität.

Das Gros der Einsparungen will die Telekom aber im Vertrieb und durch die Umstellung der Netze auf neue Technik erreichen. Bisher basieren Festnetz und Mobilfunknetz der Telekom auf zwei unterschiedlichen Standards. Der Konzern plant jetzt, seine Netze komplett auf das Internet-Protokoll (IP) umzustellen. Diese Netzwerke der nächsten Generation sind für den Mobilfunk und das Festnetz ähnlich. Durch die Vereinheitlichung sinken die Kosten für die Instandhaltung, außerdem lassen sich Rabatte beim Einkauf der Hardware herausschlagen.

Lesen Sie weiter auf Seite 3: Telekom kreiert Zweitmarke.

Bei der Werbung hat Obermann bereits den Rotstift angesetzt und den Marken-Dschungel gelichtet. Künftig bewerben die Bonner nur noch die drei Kernmarken Deutsche Telekom, T-Home für Festnetz und Breitbandprodukte und T-Mobile für den Mobilfunk. Dadurch will Obermann einen dreistelligen Millionenbetrag sparen.

Auch intern haben die Kostensenkungen Priorität: Im Konzern heißt es, das Sparprogramm stehe auf einer Liste von 14 Initiativen der Telekom an erster Stelle. Ebenfalls in der Aufzählung steht die Partnersuche für den IT-Bereich der Geschäftskundensparte T-Systems. Für Thomas Friedrich von der Hypo-Vereinsbank liegt hier das nächste Problem, das Obermann lösen muss. Aus dem Umfeld der Telekom heißt es jedoch, die Suche gestalte sich wegen der schlechten Zahlen der Sparte schwierig. Deshalb erwäge die Telekom inzwischen, mit einem Finanzinvestor zu paktieren, statt wie ursprünglich geplant nur mit strategischen Partnern zu verhandeln.

Schon bald kommt hingegen eine Zweitmarke, mit der die Telekom preisbewusste Jugendliche ansprechen will. Die Marke soll im Sommer an den Start gehen. Damit wildert Obermann im Segment der Billiganbieter.

All diese Initiativen sollen Umsätze und Gewinne auf dem Heimatmarkt stabilisieren. Was dem Konzern fehlt, ist jedoch eine Wachstumsgeschichte. „Die Telekom überlegt zu wenig, wie sie wieder Phantasie in den eigenen Kurs und damit auch den Wert der Aktie bringen kann“, kritisiert ein Berater.

Schlimmer noch: Erst vor einigen Tagen hat Obermann im Gespräch mit dem Handelsblatt erklärt, dass er in den kommenden Jahren nicht in wachstumsstarken Schwellenländern investieren will. Stattdessen will er die Kapazitäten des Konzerns auf den Heimatmarkt konzentrieren und wie sein Vorgänger Kai-Uwe Ricke im Ausland nur dort zukaufen, wo die Telekom bereits präsent ist, oder in benachbarten Staaten. Im Vergleich zu den nach vorn stürmenden Wettbewerbern wie der spanischen Telefónica, Vodafone und France Télécom, die in Wachstumsmärkten investieren, führt die Telekom damit einen reinen Stellungskrieg.

Lesen Sie weiter auf Seite 4: Was Telekom-Mitarbeiter verdienen

Die Mitarbeiter kommen die Telekom teurer als die Konkurrenz. Grafik: HandelsblattLupe

Die Mitarbeiter kommen die Telekom teurer als die Konkurrenz. Grafik: Handelsblatt

Was Telekom-Mitarbeiter verdienen

Spitzenposition: Personalausgaben machen bei der Deutschen Telekom mehr als 20 Prozent des Umsatzes aus. Damit gibt der Bonner Konzern einen deutlich höheren Anteil seiner Erlöse für Löhne und Gehälter aus als seine europäischen Wettbewerber. Dabei hat die Telekom diese Quote bereits gesenkt. Noch vor drei Jahren lag der Anteil der Personalausgaben bei 25 Prozent. Jetzt gliedert sie Mitarbeiter in Call-Centern, im Kundendienst und bei der Infrastruktur aus.

Call-Center: Telekom-Mitarbeiter im Call-Center kommen nach Unternehmensangaben mit drei Jahren Berufserfahrung und einer Wochenarbeitszeit von 34 Stunden derzeit auf ein jährliches Bruttogehalt von knapp 39 000 Euro. Der Call-Center-Betreiber Walter Services zahlt für eine vergleichbare Leistung 19 000 Euro.

Kundendienst: Telekom-Monteure mit Berufserfahrung, die derzeit noch 34 Stunden in der Woche arbeiten, verdienen bislang fast 35 000 Euro brutto. Bei Konkurrenzunternehmen bekommen Monteure 19 000 bis gut 30 000 Euro – bei einer Wochenarbeitszeit von bis zu 40 Stunden.

Infrastruktur: Mitarbeiter der Telekom, die Kabel verlegen und installieren sowie das Netz warten, erhalten knapp 35 000 Euro brutto im Jahr und arbeiten 34 Stunden pro Woche. Konkurrenten beauftragen unter anderem die Firma Westmontage mit solchen Arbeiten. Dort verdient ein solcher Mitarbeiter 22 000 Euro brutto im Jahr.

Wettbewerber: Der Branchenzweite Arcor hat hingegen einen Tarifvertrag mit der Gewerkschaft Transnet. Für seine eigenen Mitarbeiter in Technik und Call-Centern kommt der Telekom-Angreifer damit auf ähnliche Kosten wie die Telekom nach der gestrigen Tarifeinigung.

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