Bei einigen der renommiertesten Zeitungen häuften sich zuletzt die Skandale
Pulitzer-Preisverleihung verdeckt Probleme im US-Journalismus

Einmal im Jahr knallen in Amerikas Zeitungsredaktionen die Champagnerkorken. Die Vergabe der Pulitzer-Preise, der höchsten Auszeichnung für Journalisten in den USA, ist für die Presse Anlass, sich selbst auf die Schulter zu klopfen. In diesem Jahr jedoch schmeckt der Champagner ein wenig bitter. Befindet sich Amerikas Zeitungsbranche doch in einer Vertrauenskrise, die mit einer schleichenden wirtschaftlichen Krise einhergeht.

NEW YORK. Grund sind die jüngsten Skandale bei einigen der renommiertesten Zeitungen des Landes. Im vergangenen Jahr wurde die „New York Times“ davon erschüttert, dass ihr Reporter Jayson Blair jahrelang seine Geschichten gefälscht hatte. Anfang 2004 enthüllte Auflagenführer „USA Today“, dass ihr Auslandskorrespondent Jack Kelley Teile seiner Geschichten erfunden hatte. Das ist jedoch nur die Spitze des Eisbergs. Von Chicago bis nach Orlando reichen die Meldungen über journalistische Verfehlungen. Vergangene Woche kam auch das „Wall Street Journal“ in die Kritik, weil es zusammen mit der Boulevardzeitung „New York Post“ den Namen eines Geschworenen im Gerichtsverfahren gegen Manager des Mischkonzerns Tyco veröffentlichte. Der Prozess wurde vom Richter ohne Urteil abgebrochen. Seine Begründung: der öffentliche Druck auf die Geschworenen.

„Wir sind alle getrieben davon, die Dinge etwas interessanter, lebendiger und pulsierender darzustellen“, sagte Lee Wilkins, Journalistiklehrer an der University Missouri, kürzlich der Tageszeitung „The Baltimore Sun“. Viele Journalisten würden dazu in die Trickkiste greifen, statt sorgfältig zu recherchieren. Für Wilkins ist das Betrug am Leser mit dem Risiko, spektakuläre Fehler zu machen. Die unrühmliche Berichterstattung der britischen BBC während des Irak-Krieges zeigt, dass dieses Problem nicht auf Amerika begrenzt ist.

Experten wie Wilkins machen den immer härter werdenden Wettbewerb zwischen den Medien für die steigende Zahl von Verfehlungen verantwortlich. Das Nachrichtengeschäft befinde sich in einer „epochalen Veränderung, vergleichbar mit der Erfindung des Telegraphen oder des Fernsehens“, beschreibt ein 500 Seiten dicker Report der Forschungsgruppe Project for Excellence in Journalism den Zustand des Gewerbes.

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