Belastung durch Qimonda
Infineon enttäuscht die Börse

Infinieon hat sich bei der Beteiligung am Specherchiphersteller Qimonda verkalkuliert. Die Aktien verloren fast ein Viertel ihres Wertes, aber das Dax-Unternehmen wird das Paket nicht so schnell los – dabei belasten die Anteile Infineon so sehr, dass nun auch die Börse reagierte.

jojo MÜNCHEN. Der Halbleiterhersteller Infineon wird seine Qimonda-Aktien länger halten, als viele Investoren bisher gehofft haben. In einer Mitteilung ließen die Münchener gestern durchblicken, dass sich das Unternehmen vermutlich erst Anfang 2009 von den letzten Qimonda-Aktien trennen wird. Bislang hatte die Börse damit gerechnet, dass Infineon seine Beteiligung von knapp 86 Prozent an dem hoch defizitären Speicherchiphersteller schneller abbauen würde.

Die Infineon-Aktie ging nach der Ankündigung gestern Morgen in die Knie. Mit einem Minus von knapp vier Prozent auf etwa 11,03 Euro war das Papier in einem richtungslosen Markt der schwächste Wert im Dax. Erschwerend kam hinzu, dass das Unternehmen seinen Finanzvorstand ausgewechselt hat.

Infineon hat sich gestern zum ersten Mal dazu geäußert, wann Qimonda-Aktien abgestoßen werden sollen. Demnach wird das Unternehmen die Beteiligung ab sofort „durch Abverkäufe und andere Kapitalmarktmaßnahmen“ abbauen. Die Einnahmen daraus will Infineon verwenden, um Firmen zu erwerben und Aktien zurückzukaufen.

Was dann noch an Qimonda-Aktien übrig bleibt, will Infineon an seine Eigentümer verteilen. „Dies wäre nach einem entsprechenden Beschluss der Hauptversammlung 2009 möglich“, heißt es in der Mitteilung. Das bedeutet: Im Februar in zwei Jahren wird Infineon vermutlich seine letzten Qimonda-Anteile hergeben. „Der jetzt verabschiedete Plan erhöht unsere Flexibilität mit Blick auf die Geschwindigkeit der Trennung“, sagte Infineon-Chef Wolfgang Ziebart.

Dass die Anleger dennoch enttäuscht sind, hat einen Grund: Qimonda ist eine Belastung für Infineon. Im zweiten Quartal dieses Jahres musste Infineon, der zweitgrößte europäische Halbleiterkonzern, einen Verlust von fast 200 Mill. Euro verkraften. Zum Vergleich: Im Vorquartal erzielte die frühere Siemens-Tochter noch ein nahezu ausgeglichenes Ergebnis.

Auslöser des Absturzes ist die Beteiligung an Qimonda, dem ehemaligen Speicherbereich des Unternehmens. Das Geschäft von Qimonda ist zwischen April und Juni eingebrochen. Für jeden Euro Umsatz musste Qimonda einen operativen Verlust von rund 40 Cent hinnehmen. Deshalb würden es die Aktionäre gerne sehen, wenn sich Infineon so schnell wie möglich von Qimonda trennt.

Es ist kein Zufall, dass Infineon gerade jetzt mit den Plänen an die Öffentlichkeit geht. Am Donnerstag ist es genau ein Jahr her, dass die Qimonda-Aktien zum ersten Mal an der Börse in New York gehandelt wurden. Mit Ablauf der zwölf Monate fallen für Infineon rechtliche Hürden beim Verkauf von Qimonda-Aktien weg, sagte ein Unternehmenssprecher.

Nach Ansicht der Analysten von Unicredit ist es durchaus positiv zu bewerten, dass Infineon einen Teil der Qimonda-Aktien an seine Anteilseigner abgeben möchte. Sorgen macht den Experten dagegen der niedrige Kurs der Qimonda-Aktien. Denn damit würden bei einem Verkauf der Papiere die Einnahmen von Infineon niedriger ausfallen, als bislang prognostiziert. Seit dem Höchststand im Herbst hat der Kurs von Qimonda rund ein Viertel nachgegeben. Derzeit notiert das Papier an der Wall Street mit rund 14,10 Dollar. Infineon hatte die erste Tranche der Qimonda-Aktien vergangenen August für 13 Dollar abgegeben.

Infineon will sich durch die Trennung von Qimonda vom stark schwankenden Geschäft mit Speicherchips, so genannten Drams, unabhängig machen. Stattdessen konzentriert sich das Unternehmen jetzt auf Halbleiter für Autohersteller, für die Produzenten von Investitionsgütern und die Telekommunikationsbranche.

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