Ben Verwaayen
„Der CEO als Gott im Unternehmen ist tot“

Derzeit tauschen Top-Manager und Ökonomen beim Weltwirtschaftsforum im chinesischen Dalian ihre Ideen. Mit dabei ist auch Ben Verwaayen, Chef des Telekomausrüsters Alcatel-Lucent. Im Interview äußert er sich über über die Lehren aus der Krise, die neue „Welt AG“ und den Klimawandel.

Was ist für Sie die wichtigste Lehre aus der Krise?

Dass wir mehr Transparenz brauchen, denn die Menschen müssen die Entscheidungen einfach besser verstehen. Das ist eine wichtige Debatte, die nun von Wirtschaft und Politik geführt werden muss. Darum finde ich dieses Treffen hier in China wirklich gut, denn es ist die erste Konferenz seit zwölf Monaten, an der ich teilnehmen, wo es nicht darum geht, den Schuldigen für die Krise zu finden. Hier wird gefragt, was wir anders machen müssen.

Und was muss geschehen?

Erstens müssen die Firmen wieder Vertrauen herstellen - zu den Kunden, zu den Mitarbeitern und zu den Aktionären. Zweitens müssen wir gerade jetzt Innovationen vorantreiben. Man kann den Kampf um morgen nicht mit Produkten von gestern gewinnen. Und drittens ist dazu eben viel mehr Transparenz nötig.

Die Krise zwingt aber zum radikalen Sparkurs. Kommen da nicht Innovation und Transparenz eher zu kurz?

Das wäre absolut falsch und eine Katastrophe. Transparenz ist die Basis für Innovation und nur Transparenz schafft Vertrauen. Das wird zum neuen der Test für Führungsqualität.

Brauchen wir also eine neue Generation an Managern?

In einer wurde Diskussion gesagt, der CEO als der König der Firma, als der absolute Gott im Unternehmen ist tot. Gott sei dank, kann ich da nur sagen. Der CEO der Zukunft muss wie ein Nachbar sein, wie ein Kollege. Zugleich muss er wieder Risiko übernehmen.

Sie fordern mehr Risiko in so unsicheren Zeiten?

Das größte Risiko der Krise ist, dass der Begriff Risiko einen schlechten Ruf bekommt. Es gibt keinen Fortschritt ohne Risiko. Man muss allerdings das Risiko kennen und darüber sprechen können. Eine Gesellschaft ohne Risikobereitschaft gibt es nicht.

Wie sieht ihre Welt AG nach der Krise aus?

Ganz anders, völlig anders als heute. Die Regeln werden von der G-20-Gruppe geschrieben, nicht mehr von G-7. Ich sage voraus, dass wir in fünf Jahren globale Marken haben werden, die nicht mehr nur aus dem Westen kommen. Und ich glaube auch, dass wir sehr viel besser informierte Verbraucher haben, die uns vorschreiben, welche Produkte sie zum fairen Preis haben wollen.

Besteht nicht die Gefahr, dass durch die Krise nun wichtige globale Probleme wie der Klimawandel in den Hintergrund geraten?

Ich bin fest davon überzeugt, dass wir im Kampf gegen den Klimawandel aktiv werden müssen. Und das wird in Kopenhagen passieren. Denn die Kunden der Zukunft werden viel stärker umweltfreundliche Produkte verlangen. Das bedeutet, dass wir auch in der Produktion viel transparenter werden müssen. Zudem wäre politisch ein Scheitern in Kopenhagen völlig unakzeptabel. Wir brauchen klare Umweltziele, die uns zwingen, das richtige zu tun. Grüne Politik ist der richtige Weg - und die beste Medizin gegen diese Krise.

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