Ben Verwaayen im Interview
BT-Chef gegen Telekom-Fusionen in Europa

Ehen zwischen den großen europäischen Telekom-Konzernen ergeben nach Ansicht des Chefs von British Telecom (BT), Ben Verwaayen, keinen Sinn. Dass der britische Ex-Monopolist auf den Wachstumspfad zurückgefunden hat, sieht er in der fehlenden Mobilfunktochter begründet. Die Diskussion um „Triple-Play“-Angebote aus Festnetz, Fernsehen und Internet kritisiert Verwaayen im Interview mit dem Handelsblatt als „Marketing-Gerede".

Handelsblatt: Herr Verwaayen, die Telekombranche wächst mit der Medienbranche zusammen. Unter dem Schlagwort Triple Play bieten Konkurrenten Bündel aus Internet, TV und Telefon an, als Quadruple Play sogar noch in Kombination mit Mobilfunk. Wie reagieren Sie darauf?

Verwaayen: Das ist doch alles Marketing-Gerede. Die meisten Leute wissen ja nicht mal, was damit gemeint ist. Nein, das ist nicht der nächste heilige Gral. Manche Kunden werden Bündel wollen, andere nicht. Unsere Strategie ist, uns in eine Software-Firma zu verwandeln. Wir bauen unsere Netze so um, dass wir bei Ihnen nicht mehr an die Tür klopfen müssen, um einen neuen Service zu installieren, sondern einfach im Netz Software aktualisieren. Wir wollen eine ganz andere Telekomfirma werden, so wie die Low-Cost-Airlines in der Luftfahrt.

Wenn der Kuchen größer wird, werden Sie also auch von einem kleineren Anteil satt?

Sie sollten sich keine Sorgen um mehr Wettbewerb machen, wir tun es jedenfalls nicht. Es wäre doch langweilig im Wirtschaftsleben, wenn immer alle schön auf ihrem Platz blieben. Es gibt gute Geschäftsmodelle für diese neue Welt. Man muss halt schnell und beweglich sein.

Welches waren Ihre wichtigsten Entscheidungen, seit Sie vor fünf Jahren bei BT angetreten sind?

Ich glaube, es gab drei Wendepunkte. Erstens haben wir kompromisslos die Chancen der Breitband-Technologie ergriffen und einen Markt mit lebhaftem Wettbewerb geschaffen. Es war sinnlos, das alte Festnetz-Geschäft zu verteidigen. Zweitens war es richtig, die damals verlustreiche Geschäftskundensparte Global Services auszubauen. Heute ist sie unser Wachstumsmotor. Drittens haben wir aufgehört, die Regulierungsbehörde zu bekämpfen.

Hätten Sie damals gewünscht, dass ihre Vorgänger die Mobilfunktochter O2 behalten hätten?

Nein, durchaus nicht. Die Mobilfunktöchter haben den integrierten Telekommunikationskonzernen auf dem Kontinent zwar fantastische Wachstumsraten und Cash-flows gebracht, aber sie waren auch eine Ablenkung. Wir mussten uns dagegen frühzeitig auf unsere Innovationskraft besinnen. Darum haben wir manche Medizin schon geschluckt, die unsere Kollegen in Europa nun erst nehmen.

Eine Rückkehr ins Mobilfunkgeschäft ist also kein Thema?

Es ist ja nicht so, dass wir keines hätten. In Global Services managen wir für Unternehmen hunderttausende von Mobiltelefonen. Außerdem nutzen wir mit unserem Konvergenz-Produkt BT Fusion, das Festnetz- und Mobiltelefonie in einem Gerät vereint, die Wifi-Technologie und arbeiten mit Vodafone zusammen.

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