DÜSSELDORF. Der Börsenverein selbst zeigt an seinem Stand (Halle 4.0 Stand D 1339) fünf verschiedene Typen von E-Readers. Das Interesse in der Branche ist riesengroß. Denn die meisten Verlage, darunter auch das Gros der Publikumsverlage, sehen in dem handflächengroßen Bildschirm mit dem großen Speicher eine neue Vertriebschance. "E-Books sind für die Buchbranche eine hoch willkommene Bereicherung", sagt Börsenvereinschef Gottfried Honnefelder zum Start der Frankfurter Buchmesse. "Es ist für die Verlage eine Chance, denn durch elektronische Lesegeräte vergrößert sich der Markt", sagt der frühere DuMont-Buchverlagschef.
Die Verlage forcieren mit Hochdruck ihr Angebot mit elektronischen Büchern. So startet die Freiburger Verlagsgruppe Herder zur heutigen Eröffnung der weltgrößten Buchmesse ein Billigangebot. Auf der Homepage des badischen Familienunternehmens können Bücher als PDF-Datei bereits zwischen 1,19 und 9,95 Euro herunter geladen werden. Unter den preiswerten Titeln sind beispielsweise Sachbücher wie "Al Gore - Mission Klima" von Stefan Kornelius oder "Keine Demokratie?" von Hans Maier.
Einen Kannibalismus zwischen Buch und E-Book sieht Verleger Manuel Herder nicht. "Der Kunde will beides, das Buch und das herkömmliche Buch. Das ist wie mit der Kerze und den elektrischen Licht", sagte der Chef des traditionsreichen Familienunternehmens dem Handelsblatt. Nach Unternehmensangaben will Herder künftig fast 200 Bücher online anbieten, die mit allen elektronischen Lesegeräten kompatibel sind. Auch andere Verlagsgruppen sind offen für das elektronische Publizieren. Die vom Börsenverein initiierte Branchenplattform Libreka soll in Deutschland künftig Buchinhalte im Internet machen. Das Vertriebsportal ermöglicht vor allem auch kleineren Marktteilnehmern die Vermarktung ihrer Bücher in digitaler Form.
Die wirtschaftliche Bedeutung von E-Books ist aber derzeit noch ausgesprochen klein. Daran wird sich offenbar auch in den nächsten Jahren wenig ändern. "E-Books sind sowohl im Moment als auch noch nächstes Jahr nur von geringer Marktbedeutung", sagt der Berliner Verlagsberater Lothar Menne. In den USA schätzt der frühere Ullstein-Verlagsleiter den Marktanteil der elektronischen Bücher auf gerade 0,1 Prozent. Nach einer Umfrage der Frankfurter Buchmesse wird das elektronische Publizieren auch in Deutschland mittelfristig nur eine geringe Rolle spielen.
Die Schätzungen von Verlagen, die bisher noch keine E-Books angeboten haben, reichen bis 2013 zwischen zwei und sieben Prozent. Fast zwei Drittel der befragten Brancheexperten sind davon überzeugt, dass der Markt auch in fünf Jahren von klassischen Büchern beherrscht wird - und eben nicht von E-Book und E-Reader. "Wir verlassen nicht die Gutenberg-Galaxis", sagt Börsenvereins-Chef Honnefelder.
Mit Spannung erwarten die Verlage dennoch die Markteinführung des elektronischen Lesegeräts Kindle des Internetbuchhändlers Amazon. Doch noch will der Gigant des Online-Handels das Gerät nicht auf den deutschen Markt anbieten. Amazon hat bislang keinerlei Ankündigungen gemacht, wann der Kindle in anderen Ländern außerhalb der USA angeboten wird. In den Vereinigten Staaten ist Kindle bereits seit November 2007 im Verkauf.
Dass Kindle auch nach Deutschland kommen wird, daran lässt Ralf Kleber, Deutschlandchef von Amazon keine Zweifel. Der Internet-Buchhändler ist voller Zuversicht. "Die Vorteile von Kindle sind für den Kunden greifbar. Der Leser hat jederzeit und weltweit einen Zugriff auf seine Bibliothek", sagt Kleber, der bereits seit sechs Jahr auf den Chefsessel von Amazon Deutschland sitzt.
Die Buchbranche fürchtet unterdessen einen Preisverfall durch elektronische Bücher. Nach Ansicht des Börsenvereins fallen elektronische Bücher unter die Buchpreisbindung, auch wenn im Gesetz E-Books nicht ausdrücklich aufgeführt sind. "Feste Preise sind vom Buchpreisbindungsgesetz abgedeckt", beteuert Börsenvereinschef Honnefelder. Auch Verlage sehen das so: "Wir gehen beim E-Book davon aus, dass es preisgebunden bleibt", heißt es bei Lübbe in Bergisch Gladbach.
Andere Marktteilnehmer haben da aber ihre Zweifel. "Wir werden es erst endgültig wissen, wenn die Preisbindung für E-Books von höchster Instanz gerichtlich geklärt ist", sagt ein Buchmanager, der lieber ungenannt bleiben möchte. Noch gibt es aber offenbar keine Klage gegen feste Preise für E-Books. Die Verlage verlangen derzeit für das elektronische Buch derzeit 70 Prozent des Ladenpreises des gedruckten Buches. Mit fixen Preisen wollen sie ein ähnliches Schicksal wie in der Musikindustrie vermeiden. Dort haben der Rückgang im CD-Geschäft und der Verfall der Preise im digitalen Handel die Branche an den Rande des Abgrunds gebracht.