Berlinale
Wenn die Filmbranche mit der Staatsministerin fremdelt

Am ersten Tag der Berlinale sind Film- und Fernsehproduzenten in Feierlaune – vernachlässigen dabei trotzdem die Lobbyarbeit in eigener Sache nicht. Sie ringen mit Politikern vor allem um eine Sache: mehr Fördergeld.

BerlinEs war ihr Tag. Eingerahmt von der Schauspielerin Iris Berben und Alexander Thies, dem Vorsitzenden des Branchenverbandes Produzentenallianz, stand Kulturstaatsministerin Monika Grütters hinter dem Rednerpult und sagte: „Mutige Filme brauchen nicht nur mutige Filmemacher, sondern auch mutige Filmförderer und mutige Filmförderentscheidungen.“ Die anwesenden Film- und Fernsehproduzenten wussten, dass die Ministerin sich da gerade kräftig selbst lobte. Dennoch spendeten sie kräftig Applaus.

Am Eröffnungstag der Berlinale ist der von der Produzentenallianz ausgerichtete Deutsche Produzententag der erste Höhepunkt. Dass Grütters diesmal umjubelter Ehrengast der Veranstaltung war, wäre vor Jahresfrist kaum vorstellbar gewesen. Damals fremdelte die Branche noch mit der Staatsministerin. Sie hatte auf Druck von Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble den Deutschen Filmförderfonds (DFFF) um zehn Millionen Euro gekürzt. Den Produzenten, die Grütters‘ Vorgänger, dem bekennenden Cineasten Bernd Neumann, nachtrauerten, galt sie als durchsetzungsschwach.

Das war ein Irrtum. Die Christdemokratin erwies sich als Glücksfall für den deutschen Film. Sie erhöhte die kulturelle Filmförderung nicht nur von 13 auf 28 Millionen Euro. Die Pragmatikerin zapfte auch den DFFF-Etat für 2016 an, weil die Mittel des Vorjahres – wie erwartet – schnell erschöpft waren, weshalb mehrere Großproduktionen zu scheitern drohten. Schließlich hat sie noch eine Novelle des Filmförderungsgesetzes auf den Weg gebracht, die ganz im Sinne der Produzenten ist. Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel legte zudem noch im Dezember den German Motion Picture Fund auf, der mit zehn Millionen Euro ausgestattet ist und die Innovationskraft der deutschen Filmwirtschaft stärken soll.

Gemessen an den Wohltaten, die ihr die Politik in den vergangen zwölf Monaten hat angedeihen lassen, ist die Produzentenallianz wohl einer der erfolgreichsten deutschen Lobbyverbände. Die Interessenvertretung agierte nicht nur geschickt auf dem politischen Parkett. Mit der ARD handelte sie erst kürzlich ein Eckpunktepapier aus, das den Produzenten deutlich verbesserte Konditionen und mehr Rechte an ihren Filmen garantiert und das Erste 50 Millionen Euro pro Jahr kosten wird. Dafür ließ sich Verbandschef Thies zu Beginn des Produzententages gebührend feiern. Das Eckpunktepapier sei ein „Meilenstein“, eine „Zäsur“ jubelte Thies. „Wir haben endlich Augenhöhe erreicht.“ Die ARD-Vorsitzende Karola Wille trug die wichtigsten Punkte der Vereinbarung vor. Im vergangenen Jahr hatte sie sich an gleicher Stelle noch die Wünsche der Produzenten anhören müssen.

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