Berliner Nachrichtenagentur meldet Insolvenz an
AFP zeigt Interesse an Teilen von Nachrichtenagentur ddp

Die Nachrichtenagentur Deutscher Depeschen Dienst (ddp) in Berlin ist pleite. Der 1971 aus der US-Agentur UPI hervorgegangene Nachrichtendienst hat gestern beim zuständigen Amtsgericht die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Davon ausgenommen ist die ddp.vwd Wirtschaftsnachrichten GmbH.

HAMBURG. Zum Insolvenzverwalter wurde Christian Köhler-Ma berufen. Deren Kanzlei ist unter anderem für die insolvente Senator Entertainment AG zuständig. Als Grund für die Zahlungsunfähigkeit wurde der Ausfall eines bereits zugesagten Darlehens genannt.

Ein Interessent für Teile der Nachrichtenagentur steht bereits bereit. „Wir würden den Fotodienst von ddp übernehmen und weiterführen, wenn der Insolvenzverwalter dies zur Disposition stellt“, erklärt Clemens Wortmann, Geschäftsführer von AFP, dem Handelsblatt. Die französische Nachrichtenagentur kooperiert bereits seit Mai 2003 im Fotobereich mit ddp. Ob der Insolvenzverwalter Teile oder das ganze Unternehmen verkaufen will, wollte ein Sprecher des Insolvenzverwalters nicht kommentieren. Der Insolvenzverwalter bemühe sich den Geschäftsbetrieb in vollem Umfang fortzusetzen und die Nachrichtenagentur in den nächsten Monaten in eine Auffanggesellschaft zu übertragen.

Seit mehr als einem Jahr hat sich der Wettbewerb auf dem deutschen Nachrichtenmarkt angesichts der verschlechterten wirtschaftlichen Lage der Verlagshäuser erheblich verschärft. So haben viele Nachrichtenagenturen den Medienhäusern großzügige Rabatte gewährt, um diese nicht als Kunden zu verlieren. Dazu gehört beispielsweise die Deutsche Presseagentur (dpa). So hat die 1949 gegründete Nachrichtenagentur großen Tageszeitungen mit einer Auflage von mehr als 500 000 Exemplaren Preisnachlässe im deutlich zweistelligen Prozentbereich eingeräumt, die dpa nur teilweise durch Kostenersparnisse auffangen kann. Die Nachrichtenagentur rechnet deshalb damit, dass die Muttergesellschaft für 2004 ein negatives Betriebsergebnis erwirtschaftet, aber spätestens 2006 wieder ausgeglichenes Ergebnis erzielen wird, erklärte kürzlich dpa-Geschäftsführer Walter Richtberg.

Die Zukunft von ddp stand bereits seit Monaten auf wackligen Beinen: So hatten sich die beiden ddp-Geschäftsführer Lutz Schumacher und Wilfried Hub um einen Geldgeber bemüht, um der finanziell angeschlagenen Agentur das weitere Überleben zu sichern. Dafür hatten sie zuletzt den Privatmann Franz Thiel aus dem rheinland-pfälzischen Beilingen gewonnen. Der war im Mai als Gesellschafter bei ddp eingetreten und hatte der Firma zwar ein Kredit gewährt. Doch seiner Zahlungsverpflichtung sei Thiel bis heute nicht nachgekommen, erklärt die ddp-Geschäftsführung. Zuvor hatte bereits der österreichische Investor Peter Kölbel ein zugesagtes Finanzengagement von 2,5 Mill. Euro an die Nachrichtenagentur nicht wie vereinbart erfüllt.

Mit dem frischem Kapital wollten die beiden ddp-Geschäftsführer vor allem den geplanten Verlust für 2004 überbrücken, teilt ddp mit. Über die Höhe des Fehlbetrags machten die Geschäftsführer keine Angaben. Der Umsatz der Nachrichtenagentur war von 2000 bis 2003 kontinuierlich von zunächst 3,6 auf 10,7 Mill. Euro geklettert. ddp verfügt über rund 300 Kunden.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%