Bertelsmann-Chef
„Börsengang hätte unserem Wachstum geschadet“

Bertelsmann hat alles versucht, um den Börsengang abzuwenden – mit Erfolg. In einem im Intranet des Konzerns veröffentlichten Interview hat Vorstandschef Gunter Thielen nun die Gründe erläutert.

HB FRANKFURT. Unter anderem die Furcht vor hohen Dividenden und dem daraus folgenden Mittelabfluss hat den Medienkonzern Bertelsmann zur Abwehr des drohenden Börsengangs bewogen.

Der Gang an die Börse wäre „nicht gerade billig geworden“, rechtfertigte Thielen den 4,5 Milliarden Euro teuren Aktienrückkauf. „Uns wären daraus keinerlei Mittel zugeflossen, aber wir hätten eine börsenübliche Dividende auszahlen müssen, die vermutlich dreimal so hoch gewesen wäre wie das, was wir dank der zurückhaltenden Dividendenpolitik unserer jetzigen Gesellschafter zukünftig auszahlen.“

Damit blieben dem Konzern mehr Finanzmittel als bei einem Börsengang, um das Wachstum zu finanzieren. Minderheitseigner Albert Frere hatte angekündigt, den 25-Prozent-Anteil seiner Investmentholding GBL an die Börse zu bringen, die Beteiligung aber stattdessen an die Bertelsmann-Eignerfamilie Mohn verkauft. Der Mehrheitseigentümer hatte auf den Rückkauf gedrängt, um den unerwünschten Börsengang zu vermeiden. Thielen bekräftigte, Bertelsmann werde den Aktienrückkauf, den er als „eine der größten Entscheidungen, die je zu treffen waren“ bezeichnete, meistern. „Hätten wir noch ein Jahr gewartet, wäre es teurer geworden“, ergänzte Finanzvorstand Thomas Rabe.

Um die Milliardensumme zu stemmen, verkauft Bertelsmann den Musikverlag BMG Music Publishing. Der Erlös sei „ein Eckpfeiler für die Finanzierung“, sagte Rabe. Die Gespräche hätten bereits begonnen. Finanzkreisen zufolge könnte der Verlag bis zu 1,3 Milliarden Euro einbringen. Der Rest des für die 4,5 Milliarden Euro aufgenommenen Zwischenkredits solle langfristig über den Kapitalmarkt refinanziert werden, sagte Rabe.

Die Zeitung „Wall Street Journal“ berichtete unter Berufung auf unternehmensnahe Kreise, Bertelsmann überlege gemeinsam mit Sony, seinem Partner im Musikgeschäft, auf die gemeinsame Plattenfirma Sony BMG Schulden aufzunehmen, um so liquide Mittel zu gewinnen. Bertelsmann und Sony hatten 2004 ihre Musiksparten fusioniert.

Der nun zum Verkauf stehende Musikverlag war jedoch nicht Bestandteil der Verschmelzung. Bertelsmann hatte bereits vor Tagen erklärt, es gebe Gespräche mit Sony zur „Optimierung der Finanzstruktur“. Ein Verkauf des 50-Prozent-Anteils an der vom früheren Bertelsmann-Vorstand Rolf Schmidt-Holtz geführten Plattenfirma sei jedoch nicht geplant.

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