Bertelsmann kauft Anteile zurück
Milliarden-Deal bewahrt Mohns vor IPO

Bertelsmann ist bald wieder vollständig im Besitz der Familie Mohn und der eigenen Stiftung. Der Gütersloher Konzern verhindert mit einem Milliarden schweren Anteilsrückkauf den Gang auf das Börsenparkett. Dafür wird künftig allerdings etwas weniger Musik im Geschäft des Medienriesen sein.

HB FRANKFURT. Der Gütersloher Medienkonzern kauft den Minderheitsanteil des belgischen Investors GBL für 4,5 Mrd. Euro zurück. Nach fünf Jahren gehört das Unternehmen künftig wieder vollständig der Familie Mohn und der Bertelsmann Stiftung. Man habe sich mit der von dem Investor Albert Frere kontrollierten Investmentgesellschaft Groupe Bruxelles Lambert (GBL) geeinigt, deren 25,1-prozentigen Anteil zum 1. Juli zurückzukaufen, teilte der Medienkonzern am Donnerstag überraschend mit.

Günstiger werde ein Rückkauf „ganz bestimmt nicht mehr“, sagte Vorstandschef Gunter Thielen. „Der Vorstand war einhellig der Meinung, dass dies der richtige Schritt zur richtigen Zeit ist.“ Für die Unabhängigkeit zahlt er einen hohen Preis: Bertelsmann trennt sich vom Musikverlag BMG Music Publishing, der Experten zufolge bis zu 1,3 Mrd. Euro einbringen könnte, und muss sich zumindest vorübergehend höher verschulden.

Frere hätte Börsengang erzwingen können

Frere, der mit dem Verkauf seines RTL-Anteils an den Medienkonzern vor fünf Jahren bei Bertelsmann eingestiegen war, hätte vertragsgemäß einen Börsengang erzwingen können - und das auch angekündigt. Doch die Argumente der Familie - wohl auch die finanziellen - überzeugten ihn vom Gegenteil. „Wir haben den besten Weg für die Gruppe gewählt“, sagte ein GBL-Sprecher. „Wir haben die Position der Mohn-Familie verstanden. Sie wollen, dass Bertelsmann ein privates Unternehmen bleibt.“

Familie behält das Sagen

Familien-Sprecherin Liz Mohn, der Frau des greisen Reinhard Mohn, war stets eine ablehnende Haltung zur Öffnung des Konzerns für Kleinaktionäre nachgesagt worden. Der Rückkauf „sichert dem Vorstand größtmöglichen Handlungsspielraum bei der Führung der Geschäfte“, sagte sie. Vor wenigen Tagen hatte sie sich zu dem Thema gelassen gegeben. Wichtig sei allein, dass Familie und Stiftung drei Viertel der Stimmrechte hielten. Die Börsennotiz sei „von untergeordneter Bedeutung“.

„Wir sichern die Unternehmenskultur des Hauses und damit die Basis für langfristige Kontinuität“, pflichtete Thielen ihr bei. Der Vorstand hatte zu Wochenbeginn offiziell die Möglichkeit ins Spiel gebracht, GBL den Anteil abzukaufen.

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