Bertelsmann kauft Gruner+Jahr auf Nur der Name bleibt

Bertelsmann übernimmt den Verlag Gruner+Jahr komplett. Der Medienkonzern kauft den Erben des Mitgründers John Jahr die Anteile ab – und kann jetzt bei Magazinen wie dem „Stern“ durchregieren.
Update: 06.10.2014 - 10:00 Uhr 2 Kommentare
Das Magazin „Stern“: Der Verlag Gruner+Jahr gehört bald ganz zu Bertelsmann. Quelle: dpa

Das Magazin „Stern“: Der Verlag Gruner+Jahr gehört bald ganz zu Bertelsmann.

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HamburgBertelsmann kann bei Gruner + Jahr (G+J) durchregieren: Der Medienkonzern kauft der Familie Jahr ihre Beteiligung von 25,1 Prozent ab und übernimmt so den kriselnden Zeitschriftenverlag mit Magazinen wie „Stern“, „Capital“ und „Geo“ vollständig. Der Aufsichtsrat habe den Kauf der verbliebenen Anteile genehmigt, teilte Bertelsmann am Montag mit. Die Übernahme werde zum 1. November wirksam. Bertelsmann zahlt den Kaufpreis in bar, zur Höhe äußerte sich der Konzern nicht.

„Wir unterstützen die vom Gruner + Jahr-Vorstand auf den Weg gebrachte Transformation von Gruner + Jahr uneingeschränkt und werden auch in Zukunft die dafür erforderlichen Mittel zur Verfügung stellen“, erklärte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe. Mit der neuen Eigentümerstruktur könne man künftig noch schneller auf digitale Marktveränderungen reagieren. Angesichts schrumpfender Zeitschriftengeschäfte hat Gruner + Jahr einen Ausbau der Internetaktivitäten und einen Stellenabbau angekündigt.

„Die vollständige Übernahme von Gruner + Jahr ist ein strategischer Meilenstein zur Stärkung unserer Kerngeschäfte“, erklärte Bertelsmann-Chef Rabe. Zum Konzern gehören auch die Fernsehkette RTL Group, der weltgrößte Buchverlag Penguin Random House und das Musikrechte-Unternehmen BMG. „Diesen klaren Bekenntnissen zu den Bereichen Fernsehen, Buch und Musik folgt nun ein weiteres klares Bekenntnis zum Journalismus“, so Rabe.

1965 gründeten die Verleger John Jahr und Gerd Bucerius sowie der Druckereibesitzer Richard Gruner den Verlag, 1969 übernahm Bertelsmann dessen Anteile. Der Gütersloher Konzern stockte seinen Anteil in den folgenden Jahren auf 74,9 Prozent auf, die restlichen Anteile verblieben bis zuletzt bei der Familie Jahr. „Wir sind sehr froh, bei der Entwicklung von Gruner + Jahr zu einem der führenden Zeitschriftenverlage Europas mit der Familie Jahr einen verlässlichen Partner an unserer Seite gehabt zu haben“, sagte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe nach der Ankündigung. Die Partnerschaft sei „weit über eine reine Geschäftsbeziehung“ hinausgegangen.

Der Verlag ist mit Zeitschriften wie „Stern“, „Brigitte“, „Geo“ oder „Essen & Trinken“ bekannt geworden, er hält zudem eine Sperrminorität am Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Das Geschäft leidet aber seit Jahren unter Auflagenverlusten. Verlagschefin Julia Jäkel fährt deswegen einen rigiden Sparkurs. 400 Stellen sollen gestrichen werden. An der Henri-Nannen-Schule, die der Verlag gemeinsam mit „Spiegel“ und „Zeit“ betreibt, wird der im Januar beginnende Jahrgang reduziert. Auch die Verleihung des renommierten Henri-Nannenpreises entfällt in diesem Jahr.

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2 Kommentare zu "Bertelsmann kauft Gruner+Jahr auf: Nur der Name bleibt"

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  • ist politisch ohnehin zu vieles medialer Einheitsbrei.

    Zum Glück haben wir das grenzenlose Internet.

    Ich beziehe seit Jahren keine Tageszeitung und weiß nicht einmal, wann zuletzt ich eine Zeitschrift gekauft habe.
    Lesen, und in den Müll werfen. So sieht's doch letztlich aus. Und unsere Papiertonne ist ohnehin stets randgefüllt von der Dauerbeflutung der Werbung. Davon wanderten 80% von der Druckpresse nahtlos ins Altpapier.

  • "...beim Stern durchregieren"
    ___________________

    Bertelsmann glänzt bereits seit Jahren mit ausgesprochener Phantasielosigkeit beim Entwerfen zukunftsbefähigender wie wettbewerbsfähiger Kommunikationskonzepte und hat zb Google längst klaglos das Feld überlassen dabei.

    Leichenhallen kaufen macht noch keinen Kommunikationskonzern.
    Mehr, aber auch nicht weniger können Betriebswirtschaftler.

    Und so wird weiterhin Google tonangebend sein auf einem Markt, auf dem Bertelsmann wirken muss, wie ein Rentnerladen, der zusammen mit der Springer Gruppe das Klagelied anstimmt über verpasste Marktchancen, in dem Google längst den Ton angibt.

    Wenn solche Klamottenzukäufe alles sein sollten, was Bertelsmann zu bieten haben will bei der Bildung zukunftsfähiger Märkte: Prost Mahlzeit Europa.

    Ist eben nur Gütersloh: ein Provinznest mit großen Ambitionen.

    Die Spielfelder sind längst anderswo definiert: und da beisst keine Maus einen Faden ab: Bertelsmann hats auch verpennt.

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