Bertelsmann: Medienkonzern plant Milliardendeal im Buchgeschäft

Bertelsmann
Medienkonzern plant Milliardendeal im Buchgeschäft

Bertelsmann hat den höchsten Gewinn seit neun Jahren eingefahren. Der Überschuss betrug erstmals seit 2006 mehr als eine Milliarde Euro. Für den Buchverlag Random House sucht der Medienkonzern nach einem Partner.

Berlin Beflügelt durch den höchsten Gewinn seit neun Jahren bereitet sich der Medienkonzern Bertelsmann auf den nächsten großen Zukauf vor. Der Anteil am weltgrößten Buchverlag Penguin Random House solle von einer knappen Mehrheit auf bis zu 75 Prozent aufgestockt werden, kündigte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe am Dienstag zur Bilanzvorlage in Berlin an. Für die übrigen Anteile, die der britische Medienkonzern Pearson als bisheriger Miteigentümer ebenfalls abgeben könnte, suche Bertelsmann einen Partner. In der Branche wird der Wert der 47-prozentigen Beteiligung von Pearson an dem Verlagskonzern auf mehr als zwei Milliarden Euro geschätzt.

Mit Beststellern wie der Erotikromanreihe „Fifty Shades“ und dem Krimi „Girl on the Train“ trug Penguin Random House im vergangenen Jahr dazu bei, dass Bertelsmann den Überschuss auf 1,1 Milliarden Euro verdoppelte und damit erstmals seit 2006 die Milliardenschwelle überschritt. Im Jahr 2014 hatten Sonderlasten den Gewinn gedrückt. Die Verlagsgruppe ist bereits komplett in die Konzernbilanz einbezogen und erwirtschaftete dort mehr als ein Fünftel der Erlöse von insgesamt 17,1 Milliarden Euro. Mit einem Anstieg des Betriebergebnisses um 23 Prozent 557 Euro war Penguin Random House erneut der zweitgrößte Gewinnbringer nach der Fernsehtochter RTL.

Pearson hat bereits die Wirtschaftszeitung „Financial Times“ und seinen Anteil am Magazin „Economist“ verkauft, um sich stärker auf das Bildungsgeschäft zu konzentrieren. Den Traditionsverlag Penguin brachten die Briten vor drei Jahren in ein Gemeinschaftsunternehmen unter der Führung von Bertelsmann ein. Die beiden Firmenteile mit insgesamt 250 Verlagen weltweit seien nun vollständig integriert und profitierten vom gemeinsamen Einkauf und Vertrieb, sagte Spartenchef Markus Dohle.

Pearson bekräftigte am Dienstag in London, der Konzern werde eine Verringerung oder einen Verkauf der Beteiligung prüfen, voraussichtlich aber eher im kommenden als im laufenden Jahr. „Pearson wird frühestens 2017 aussteigen, das sieht unsere Vereinbarung vor“, erläuterte Bertelsmann-Chef Rabe in Berlin. „Wir haben das alles gedanklich schonmal durchgespielt.“

Bertelsmann habe ein Vorkaufsrecht und könne damit auch über einen neuen Partner entscheiden, sagte Rabe. Er wünsche sich einen langfristig orientierten Investor, der dem Unternehmen beim Einstieg keine Schulden aufbürde, wie es Finanzinvestoren oft tun. „Ein Private-Equity-Investor wäre schwierig, ich würde es aber nicht ausschließen“, sagte Rabe zu Reuters. Verschiedene Interessenten hätten Bertelsmann bereits angesprochen.

Die größte Ertragsperle von Bertelsmann war im vergangenen Jahr erneut die RTL-Gruppe, die Fernsehsender, TV-Produktionsgesellschaften und boomende Online-Videoaktivitäten in Europa und Nordamerika vereint. Vor allem sprudelnde TV-Werbeeinnahmen in Deutschland trieben Umsatz und Betriebsgewinn auf Rekordhöhen, wie RTL bereits vor knapp zwei Wochen mitgeteilt hatte. Die Fernsehtochter liefert mehr als ein Drittel der Erlöse und mehr als die Hälfte des Gewinns von Bertelsmann.

Um diese Abhängigkeit von den größtenteils werbefinanzierten Geschäften von RTL zu verringern, treibt Rabe die Stärkung anderer Sparten voran. Das zum Hoffnungsträger erklärte Bildungsgeschäft, das bereits im September zu einer eigenen Einheit gebündelt wurde, wird nun zur gleichberechtigten Sparte erhoben - obwohl die Umsätze erst im niedrigen dreistelligen Millionenbereich liegen. Genaue Zahlen veröffentlicht Bertelsmann noch nicht. Geplant sei mittelfristig eine Milliarde Euro, bekräftigte Rabe. Dafür sollten weitere Zukäufe sorgen.

Das Bildungsgeschäft steht damit gleichberechtigt neben den Medienunternehmen RTL, Penguin Random House, Gruner + Jahr und dem ebenfalls in diese Riege beförderten Musikrechteanbieter BMG sowie den Dienstleistern Arvato (Callcenter, Logistik, Finanzdienste) und Bertelsmann Printing Group, dem größtem Druckereiverbund Europas.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%