Bertelsmann RTL-Fernsehen füllt die Kassen

Der Medienkonzern Bertelsmann hat den Gewinn im ersten Halbjahr um ein Fünftel gesteigert. Vor allem die Sendergruppe RTL schnitt besser ab als erwartet. Aber auch andere Bereiche der Gütersloher laufen stark.
Update: 31.08.2016 - 11:54 Uhr
Die Sendergruppe schnitt dank guter Werbemärkte quer durch Europa besser ab als erwartet. Quelle: dpa
Bertelsmann-Tochter RTL

Die Sendergruppe schnitt dank guter Werbemärkte quer durch Europa besser ab als erwartet.

(Foto: dpa)

MünchenDer Medienkonzern Bertelsmann verdient weiter kräftig mit seinem RTL-Fernsehgeschäft und seiner Dienstleistungstochter Arvato. Trotz der Konkurrenz durch die Fußball-EM und Olympia, die bei der Konkurrenz liefen, habe die Sendergruppe von ausgabefreudigen Werbekunden quer durch Europa profitiert, teilte das Traditionsunternehmen am Mittwoch mit. Daneben verzeichnete das Dienstleistungssegment, die zweitgrößte Sparte der Westfalen, deutliche Renditezuwächse. Vor allem das Outsourcing-Geschäft mit Kunden wie Microsoft, Apple, Facebook und Amazon brumme, erklärte Vorstandschef Thomas Rabe. „Wir sind Dienstleister für praktisch alle großen IT-Konzerne der USA.“

Im ersten Halbjahr erwirtschafteten die Gütersloher bei einem stagnierenden Umsatz von acht Milliarden Euro ein Fünftel mehr Gewinn. Das Konzernergebnis kletterte auf 482 Millionen Euro. „Wir sind mit der positiven Entwicklung in den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres, an der alle Unternehmensbereiche ihren Anteil haben, sehr zufrieden", lobte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe. Für 2016 sagte er einen Milliardengewinn auf Rekordniveau voraus. „Wir sehen eine positive Geschäftsentwicklung über den Sommer bis in den Herbst hinein“, erklärte er. Mittelfristig werde sein Haus die Einnahmen auf 20 Milliarden Euro steigern.

Beim Überschuss spielt Bertelsmann die anhaltende Niedrigzinsphase in die Karten, für seine 6,3 Milliarden Euro Schulden muss der Konzern immer weniger Zinsen zahlen. „Wir lösen weiterhin teure Kredite durch billigere ab“, sagte Rabe im Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. „Wir finanzieren uns durch ausgesprochen gute Konditionen.“ Das sei auch ein wesentlicher Grund für die gute Entwicklung des Konzerngewinns in jüngster Zeit. Rabe kündigte an, eine ausstehende Firmenanleihe im September abzulösen. Statt bisher vier Prozent Zinsen zahlen die Gütersloher dann nur noch gut ein Prozent auf das geliehene Kapital.

Das steckt im Medienriesen aus Gütersloh
Die Geschichte
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1835 gründete Carl Bertelsmann das Unternehmen in Gütersloh als Buchverlag – den C. Bertelsmann Verlag. Die ersten 100 Jahre des Unternehmens stehen programmatisch im Zeichen der christlichen-protestantischen Tradition. 1928 öffnete sich der Verlag für Belletristik. Während des zweiten Weltkrieges gab der Verlag völkisch-nationale, teilweise auch antisemitische Literatur heraus. In der Wiederaufbauzeit wandelte sich Bertelsmann vom mittelständischen Unternehmen zu einem globalen Medienkonzern. Wachstumstreiber war über Jahrzehnte der Lesering, der 2015 endgültig eingestellt wurde.

Bertelsmann heute
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2016 hat Bertelsmann hat einen Rekordgewinn eingefahren. Das Betriebsergebnis kletterte im vergangenen Jahr um 3,3 Prozent auf 2,6 Milliarden Euro. Zum Konzernverbund gehören die Fernsehgruppe RTL Group, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr, das Musikunternehmen BMG, der Dienstleister Arvato, die Bertelsmann Printing Group, die Bertelsmann Education Group sowie das internationale Fonds-Netzwerk Bertelsmann Investments.

RTL Group
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Die RTL Group ist mit 53 Fernseh- und 28 Radiosendern Europas größter Betreiber von werbefinanziertem Privatfernsehen und Privatradio. Die Mediengruppe, die von Anke Schäferkordt und Guillaume de Posch geführt wird, gehört mehrheitlich (rund 75 Prozent) zu Bertelsmann.

Penguin Random House
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Random House fungiert als Dachgesellschaft für alle Bertelsmann-Verlage. 2013 fusionierte Random House mit Penguin Books, einem Verlag im Besitz der Mediengruppe Pearson, zum weltgrößten Publikumsverlag Penguin Random House. An dem Verlag hält Bertelsmann 53 Prozent und Pearson 47 Prozent der Anteile. Die eigenständige deutsche Sparte von Random House gehört Bertelsmann. Dazu gehören Verlage wie Goldmann, Blessing Verlag oder auch die Deutsche Verlags-Anstalt (DVA).

Gruner + Jahr
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Gruner + Jahr (G+J) ist Europas größtes Druck- und Verlagshaus. Zu den Publikationen gehören Magazine wie „Stern“, „Capital“ und „Brigitte“, aber auch Beteiligungen am „Spiegel“, an Chefkoch.de und an der Henri-Nannen-Schule. Seit 2014 ist Bertelsmann der alleinige Eigentümer von Gruner + Jahr. Die Vorsitzende der Geschäftsführung ist Julia Jäkel.

BMG
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Mit BMG gründete Bertelsmann 2008 ein Musikunternehmen mit neuem Geschäftsmodell, das den Herausforderungen der digitalen Revolution auf dem Musikmarkt gerecht werden soll. Anders als sonst üblich werden Veröffentlichungs- und Aufnahmerechte aus einer Hand über eine gemeinsame Plattform international vertreten. BMG ist der viertgrößte Musikverlag der Welt. Zu den BMG-Künstlern gehört unter anderem Andreas Bourani.

Arvato
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Arvato ist ein international tätiger Outsourcing-Dienstleister. Das Unternehmen mit Sitz in Gütersloh ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Bertelsmann. Arvato beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 70.000 Mitarbeitern in über 40 Ländern. Das Unternehmen gliedert sich in sieben sogenannten Solution Groups, die Geschäftsbereiche wie Call-Center, Adresshandel, Direktmarketing, Finanzdienstleistungen oder auch Cloud Computing umfassen.

Selbst im strukturell lahmenden Druckgeschäft verbuchte Bertelsmann zuletzt Erfolge. „Wir haben eine sehr gute Entwicklung im Offset-Druck und im Buchdruck, vor allem in den USA“, sagte Rabe. Der teure Tiefdruck sei derzeit vor allem in Großbritannien gefragt.

Im zukunftsträchtigen Geschäft mit Bildungsangeboten schnitten die Gütersloher zuletzt allerdings schlechter ab. Der operative Verlust des Bereiches weitete sich trotz steigender Umsätze auf 13 Millionen Euro aus. Im Startup-Segment Bertelsmann Investments zahlten sich Verkäufe aus Beteiligungen aus, wie der Konzern erklärte. Operativ (Ebitda) kommt die Sparte in den ersten sechs Monaten auf einen Gewinn von zwei Millionen Euro. Rückläufig entwickelte sich das klassische Verlagsgeschäft. Sowohl der Buchriese Penguin Random House als auch der Zeitschriftenverlag Gruner & Jahr verzeichneten im ersten Halbjahr Einbußen bei Umsatz und Betriebsergebnis.

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