Bertelsmann-Stiftung
Gütersloher Gemeinnützigkeiten

Die Bertelsmann-Stiftung steckt in einer Krise. Sie sei zum Steigbügelhalter des Konzerns verkommen, kritisieren Wissenschaftler, Gewerkschafter wenden sich ab. Jetzt muss auch noch der vielleicht wichtigste Kopf der Denkfabrik gehen.

GÜTERSLOH. Liz Mohn liebt den großen Auftritt. Viele bei Bertelsmann erinnern sich beispielsweise an einen kalten Februartag vor vier Jahren, als die Ehefrau des hochbetagten Firmenpatriarchen Reinhard Mohn in die hellen Räume der hauseigenen Stiftung geladen hatte. Brav sitzt die Konzernprominenz vom New Yorker Random-House-Chef Peter Olson bis hin zu RTL-Chef Gerhard Zeiler und BMG-Chef Rolf Schmidt-Holtz in dem Saal mit den großen Glasfronten, der von der Wintersonne durchflutet wird. Reinhard Mohn stellt sein Buch „Die gesellschaftliche Verantwortung des Unternehmers“ vor. Doch das ist nur Nebensache. Bei dieser Veranstaltung geht es um Liz Mohn und ihren Weg an die Spitze.

Seither hält die First Lady von Europas größtem Medienkonzern in Gütersloh fest die Zügel in der Hand. Ganz besonders aber ist die Stiftung mit einem Etat von jährlich 60 Millionen Euro zu ihrem Anliegen geworden. Liz Mohn amtiert operativ als Vize-Vorstandschefin der Stiftung, gehört gleichzeitig aber auch noch ihrem Kuratorium an – also quasi dem Aufsichtsrat. Niemand sonst spielt eine vergleichbare Rolle in einer der wichtigsten Denkfabriken Deutschlands, ja ganz Europas.

Was der Bertelsmann-Miteigentümerin lange Zeit viel Spaß machte, sorgt in letzter Zeit jedoch für zunehmenden Verdruss: Die wissenschaftliche Arbeit der Stiftung gerät ins Zwielicht, linke Kritiker aus dem früher eng verbundenen Gewerkschaftsumfeld machen gegen sie mobil. Und im Inneren der Stiftung mangelt es nicht an Intrigen. Am schlimmsten aber für Liz Mohn: Der Politikwissenschaftler Werner Weidenfeld, der vielleicht wichtigste Kopf der Denkfabrik, stolperte über eine dubiose Spesenaffäre. Jetzt muss er gehen, das bestätigte die Stiftung am Dienstag.

Der 60-jährige Weidenfeld, der seit fünfzehn Jahren dem Leitungsgremium der größten deutschen Unternehmensstiftung angehört, war seit Monaten Ermittlungen der Staatsanwaltschaft ausgesetzt. Am Montag wurde das Verfahren gegen Zahlung von 10 000 Euro eingestellt. Weidenfeld sieht sich selbst als Opfer einer Schmutzkampagne. Die anonyme Anzeige kam offenbar aus den Reihen der Stiftung. Der Informant der Staatsanwaltschaft habe über „genaue Zahlenkenntnisse aus entwendeten Akten der Stiftung“ verfügt, sagt Weidenfelds Anwalt Hartmut Wächtler.

Für Liz Mohn ist das Ende der Ära Weidenfeld schmerzvoll. Lange schätzte sie den ehrgeizigen Politologen, der mit den Großen in der Politik wie zum Beispiel Helmut Kohl so weltläufig umgehen konnte. In der Stiftung hingegen herrscht Erleichterung, dass die schmutzige Wäsche zu Ende gewaschen ist. Denn auch ohne den Spesenskandal steht die Bertelsmann-Stiftung unter Druck.

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