Bertelsmann-Tochter
Fremantle greift in Asien an

Der größte Fernsehproduzent außerhalb Hollywoods, Fremantle Media nimmt den asiatischen Fernsehmarkt ins Visier. Besonderes Augenmerk legt die Tochter des Medienkonzerns Bertelsmann dabei auf Länder wie Japan und Vietnam. Die Expansion markiert eine strategische Kehrtwende.

LOS ANGELES. „Wir wollen dort expandieren“ sagte Vorstandschef Tony Cohen dem Handelsblatt. „Indien steht auf Platz Nummer eins unserer Liste, obwohl der Markt hart umkämpft ist.“ Fremantle treibt die Expansion besonders in Ländern wie Japan und Vietnam voran. „Hier sehen wir noch große Wachstumschancen“, sagte Cohen. Auch in China sei man in Gesprächen. „Wir wollen dort mit Shows in den Markt gehen, die nicht einfach zu kopieren sind“, kündigte der britische Fernsehmanager an. Piraterie ist ein wichtiges Thema für die Film- und Fernsehproduzenten. Sie werfen den Regierungen in Asien vor, zu wenig für den Schutz von Urheberrechten zu tun.

Die Expansion in Asien ist eine strategische Kehrtwende. Denn bisher hat sich Fremantle vor allem auf die großen Fernsehmärkte in Europa und Nordamerika konzentriert. Insbesondere von Deutschland erwartet sich der Branchenprimus aber keinen großen Wachstumsschub mehr. „Dort sind wir mit unserer Tochter Ufa bereits Marktführer. Mehr können wir nicht werden“, sagte Cohen.

Bisher spielt in Asien nur eine bescheidene Nebenrolle, obwohl Fremantle dort bereits seit anderthalb Jahrzehnten präsent ist. Den größten Erfolg fuhr der Fernsehproduzent zuletzt in Singapur ein. Dort erreichte die Musiktalentshow „Idol“ nach Unternehmensangaben eine Zuschauerquote von 48 Prozent.

In den europäischen Fernsehmärkten hat der Konkurrenzdruck Folgen: Die Marktbereinigung verschärft sich. „Größe ist in diesem Geschäft sehr wichtig“, sagt der frühere Zeitungsjournalist Cohen. Erst vor zwei Wochen übernahm der italienische Medienkonzern Mediaset des früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi den Fernsehproduktionskonzern Endemol für 2,63 Mrd. Euro. Der spanische Telefonkonzern Telefónica wollte den Fremantle-Wettbewerber seit langer Zeit verkaufen. Zuvor hatte der Finanzinvestor Permira, Miteigentümer der Sendergruppe Pro Sieben Sat 1, den Berliner Fernsehproduzenten MME erworben.

Der Eigentümerwechsel beim Konkurrenten Endemol lässt Fremantle aber kalt. „Die noch offene Frage ist, ob Mediaset seine neue Inhaltetochter vertikal integriert oder nicht“, sagt der Fremantle-CEO. Branchenkenner gehen davon aus, dass insbesondere die Beteiligung von Konzerngründer John de Mol bei der Übernahme eine Garantie für die Unabhängigkeit von der Mailänder Mediaset-Zentrale ist. „Den Wert des Konzerns bilden die Kreativen. Es ist die Frage, ob es den Italienern gelingt, sie künftig bei der Stange zu halten“, sagt ein altgedienter Produzent.

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