Bertelsmann-Umsatz soll auf 30 Milliarden steigen
Ostrowski als gehemmter Wachstumstreiber

Mit Investitionen in schnell wachsende Märkte will der neue Bertelsmann-Vorstandschef Hartmut Ostrowski den Konzern in neue Umsatz- und Gewinnsphären führen. Bis 2015 soll das operative Ergebnis von derzeit 2 auf 3 Milliarden Euro gesteigert werden. Der Umsatz soll im gleichen Zeitraum von 20 auf 30 Milliarden Euro klettern.

BERLIN. Die Aufregung war Hartmut Ostrowski anzumerken, obwohl er vorher für seinen großen Auftritt in Berlin fleißig geübt hat. Der gebürtige Bielefelder ist kein großer Redner und sein Englisch eher bescheiden. Er weiß und versucht es mit westfälischer Nüchternheit. „Ich brauche nicht einmal einen Satz. Ein Wort genügt: Wachstum. Weil Wachstum die Basis für alles ist“, sagt der 49-Jährige vor über 600 Spitzenmanagern in Berlin am späten Donnerstagnachmittag. Der bullige Manager, der mit offenem hellblauen Hemd auftrat. hat seine Rolle gefunden. Er präsentiert sich als Wachstumsmacher.

Spektakuläre Selbstinszenierung wie einst der ehemalige Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff liebt der neue Konzernchef Ostrowski nicht. Und dennoch: Er muss die Führungsmannschaf von Europas größten Medienkonzern überzeugen. Die Messlatte hat der künftige Konzernchef am Donnnerstag für seine Kollegen hoch gehängt. Die Bertelsmann-Manager sollen den Umsatz bis 2015 weltweit auf mehr als 30 Milliarden Euro steigen, kündigte Ostrowski an. Derzeit erzielt der Branchenprimus aus der ostwestfälischen Provinz kaum mehr als 19 Milliarden Euro. Der operative Gewinn (Operating Ebit) soll 1,9 Milliarden Euro soll in den acht Jahren auf über drei Milliarden Euro steigen. Wie bereits sein von ihm verehrter Vorgänger Thielen will auch Ostrowski die Umsatzrendite nachhaltig auf zehn Prozent steigen. Zuletzt lag sie bei neun Prozent.

Bertelsmann braucht nach dem Ende der Ära von Ostrowskis Ziehvaters Gunter Thielen mehr unternehmerischen Mut, um den Anschluss an die Champions League der Medienkonzern nicht zu verlieren. Ostrowski, seit 23 Jahren bei Bertelsmann, will nun das Gaspedal durchdrücken. „Wir brauchen Mut“, sagte er gestern zu sich und zum Publikum. Für seine Managerkollegen hatte der oberste Bertels-Mann sogar ein paar Bonmots auf Lager. „Inhalt ist der König. Der Kunde ist der Kaiser“. Dafür heimste er ein paar Lacher ein.

Seit Tagen trommelte die Gütersloher Konzernzentrale für die Strategierede von Ostrowski, der am 1. Januar Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann wird. Doch die hohen Erwartungen konnte der gelernte Diplom-Kaufmann gestern aber nur schwer erfüllen. Natürlich sprach der Manager mit starker Stimme viel von Wachstum. Doch er blieb vorsichtig. Wie kommt der langjährige Kronprinz bei seinem Managementkollegen an, die das Geld verdienen müssen? „Die meisten Kollegen sind unsicher und zurückhaltend. Denn jeder weiß, dass sich Ostrowski nicht in die Karten gucken lässt“, sagt ein RTL-Manager, der neuen Konzernchef seit Jahren kennt. Seine fast einstündige Rede wurde nur selten von Ovationen unterbrochen.

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