Bertelsmann unterliegt
Buchclubs dürfen weiterleben – doch wie?

Bertelsmann muss seine Buchclubs wohl über das Jahresende hinaus am Leben halten. Das haben die Vertriebspartner nun vor Gericht durchgesetzt. In einem anderen Punkt wurden die Kläger allerdings enttäuscht.

HamburgMitunter gibt es Gerichtsurteile, mit denen keine der streitenden Parteien etwas anfangen kann. Die Entscheidung, die das Landgericht Düsseldorf am Dienstag gefällt hat, gehört ganz offenbar dazu.

Die Vertriebspartner der Bertelsmann-Buchklubs hatten dagegen geklagt, dass der Medienkonzern aus Gütersloh ihre Verträge zum Jahresende gekündigt hat. Dann will das Unternehmen sein unrentables Buchklubgeschäft endgültig aufgeben. Seine Geschäftspartner hatten auf einen 30 Jahre währenden Kündigungsverzicht gepocht, den ihnen Bertelsmann einst eingeräumt hatte. Er läuft erst in zwölf Jahren aus. Garniert hatten sie ihre Ansprüche mit einer Schadensersatzforderung sowie dem Wunsch, die Gütersloher mögen doch bitte die Schließung ihrer Klubfilialen rückgängig machen.

Das Gericht hat nun entschieden, dass die Kündigungen tatsächlich unwirksam sind. Prozessbeobachter werten das als einen „Teilerfolg“ der Buchklubpartner. Allerdings ist das für die Kläger kein Grund zur Freude. Denn die Richter wiesen ihre Schadensersatzforderung ebenso zurück wie den Antrag, das Gericht möge Bertelsmann dazu verpflichten, die Klubfilialen weiterzuführen. Dass sie so und nicht anders entscheiden würden, hatten die Richter bereits in der mündlichen Verhandlung im August deutlich gemacht.

Was ihr Urteil für die streitenden Parteien bedeutet, ist jedoch höchst unklar. Wie sollen die Vertriebler ohne Klubfilialen in den kommenden zwölf Jahren neue Mitglieder für den westfälischen Lesezirkel gewinnen? Und wie soll das Angebot aussehen, dass Bertelsmann vorhalten muss, damit die Geschäftspartner des Konzerns zumindest rein theoretisch neue Klubmitglieder werben können?

Entsprechend wortkarg waren beide Parteien nach der Urteilsverkündung. Von den Buchklubpartnern gab es noch keine Stellungnahme. Ein Bertelsmann-Sprecher verwies darauf, man könne sich erst äußern, wenn die schriftliche Urteilsbegründung vorliege. Er betonte aber auch, dass der Prozessgegner sich nur in einem Punkt - bei den Kündigungen - habe durchsetzen können.

Womöglich hatten die Vertriebspartner auf einen Vergleich vor oder während des Prozesses gehofft. Dazu ist es nicht gekommen. Dass eine, möglicherweise sogar beide Parteien in Berufung gehen werden, ist nicht unwahrscheinlich. So oder so: Das Geschäftsfeld, das einst an der Wiege des Aufstiegs eines kleinen westfälischen Verlagshauses zum weltumspannenden Medienkonzern stand, wird es noch etwas länger geben, als geplant.

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