Bertelsmann will Anteil der Essener Zeitungsgruppe an Europas größtem Fernsehkonzern für rund 550 Millionen Euro kaufen
WAZ steigt bei der RTL Group aus

Die WAZ-Gruppe steht vor dem Verkauf ihres Anteils bei Europas größtem Fernseh- und Radiokonzern RTL Group (RTL, Vox, M 6, Five). Der Medienkonzern Bertelsmann will die 7,4 Prozent große Beteiligung an der Luxemburger Holding für rund 550 Mill. Euro erwerben, bestätigten Unternehmenskreise.

KÖLN. „Für uns war es eine reine Finanzbeteiligung“, sagte ein WAZ-Sprecher gestern. „Es wird seit Monaten gesprochen. Es gibt aber noch kein Ergebnis.“ In Verhandlungskreisen wird allerdings von einem Vertragsschluss im Laufe des Juli ausgegangen. Bertelsmann wollte zum Stand der Gespräche nicht Stellung nehmen.

Innerhalb der WAZ hatte zuletzt die Funke-Gruppe noch Bedenken gegen einen Verkauf des lukrativen Investments. Nach einem Erwerb würde Bertelsmann einen Anteil von 90,4 Prozent an der RTL Group halten. Der Rest entfällt auf freie Aktionäre. Ein Verkauf des RTL-Anteils wäre seit dem Einstieg einer Investorengruppen um den Hollywood-Medienmilliardär Haim Saban beim Fernsehkonzern Pro Sieben Sat 1 der größten TV-Deals der letzten Jahre. Das Motiv der WAZ ist unklar. Denn die RTL Group erwirtschaftet trotz des schlechten Fernsehgeschäfts in Deutschland satte Gewinne. Im vergangenen Jahr erzielte der Luxemburger Konzern bei knapp 4,88 Mrd. Euro Umsatz ein Ebita von 711 Mill. Euro. Das entspricht einer Steigerung von mehr als 20 Prozent. Bei der WAZ hieß es gestern zur Begründung des Deals nur: „Wir wollen weder auf Beutezug gehen, noch stehen wir finanziell unter Druck.“ Vor allem Bertelsmann habe Interesse an einem Zukauf gehabt.

Mit der Veräußerung des Anteils zieht sich die WAZ-Gruppe endgültig aus dem Fernsehgeschäft zurück. Bereits vor zwei Jahren verkauften die Essener ihre 30-prozentige Beteiligung am glücklosen Regionalfernsehen TV NRW. Die WAZ-Gruppe verlegt mehr als 500 Print-Titel und ist mit einem Umsatz von rund zwei Milliarden Euro einer der größten Medienkonzerne Deutschlands. Die Geschäfte verlaufen derzeit aber höchst unterschiedlich. Während die WAZ in Nordrhein-Westfalen und Thüringen mit einem schwachen Anzeigen- und Lesermarkt kämpft, fahren die Töchter im Ausland satte Gewinne ein, berichten Insider. Genaue Zahlen zur Geschäftsentwicklung veröffentlicht die verschwiegene Zeitungsgruppe traditionell nicht. Die WAZ steht derzeit intern vor einem Umbau. Geschäftsführer Lutz Glandt wird das Unternehmen Ende September überraschend verlassen. Gründe für die Nichtverlängerung des Vertrages des 49-Jährigen wurden nicht genannt. Intern gilt sein Geschäftsführer-Kollegen Bodo Hombach als starke Mann.

Der einstige EU-Balkan-Beauftragte vertritt zusammen mit Erich Schumann die Brost-Seite, die für eine Trennung von den RTL-Anteilen plädiert. Glandt und sein Kollege Detlef Haaks vertreten die Funke-Seite. Die Gesellschafterstämme um die WAZ-Gründer Jakob Funke und Erich Brost können je zwei Geschäftsführer bestimmen.

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