Beschwerde bei Verbraucherschutzbehörde
Datenschutz-Verletzung hat Nachspiel für AOL

Dem amerikanischen Internet-Portal AOL droht Ungemach von den Behörden, nachdem es angeblich aus Versehen Suchdaten von über 600 000 US-Kunden freigegeben und offen ins Netz gestellt hatte. Zwei Angestellte hatten diese Daten „für akademische Forschungszwecke“ verfügbar gemacht.

PORTLAND. Die Interessengemeinschaft Electronic Frontier Foundation beantragte bei der Verbraucherschutzbehörde Federal Trade Commission eine Überprüfung der Datenschutz-Praktiken von AOL. Kevin Bankston, einer der Anwälte der Gemeinschaft, fordert schärfere Sanktionen: „Ein paar Entlassungen reichen nicht. Die Probleme gehen weit über AOL hinaus. Die Öffentlichkeit weiß viel zu wenig darüber, welche Daten Internet-Firmen, vor allem die Suchmaschinen, sammeln und wie lange sie gespeichert werden". Eventuell sei eine Verschärfung der Datenschutz-Gesetze nötig.

Laut AOL stellte ein Angestellter nach einer Anfrage aus Universitätskreisen Details aus 19 Mill. Suchanfragen von über 600 000 Kunden zur Verfügung. Diesen Mitarbeiter und seinen unmittelbaren Vorgesetzten hat AOL schon kurz nach dem Bekanntwerden der Affäre entlassen. Auch Cheftechnologin Maureen Govern, die erst vor knapp einem Jahr von AOL anheuert wurde, musste im Rahmen der Affäre ihren Hut nehmen.

In dem Datenfundus sind zwar die Namen von Kunden durch Nummern anonymisiert, aber die Daten waren so umfangreich und detailliert, dass Blogger keine Mühe hatten, den Nummern wieder Namen zuzuordnen. Weil viele Nutzer nach ihrem eigenen Namen im Netz suchen, um zu sehen, welche Informationen öffentlich über sie zugänglich sind, können Datenexperten aus Suchprotokollen eine Verbindung zwischen Namen und unter anderem Bankdaten, Social Security Nummern und medizinischen Informationen rekonstruieren. Dem Identitätsdiebstahl für finanzielle Betrügereien wird damit Tür und Tor geöffnet. Überdies lassen sich peinliche Suchen auf Porno-Sites ebenso herausdestillieren wie Drogenkäufe.

Der Programmierer und Antizensur-Aktivist Seth Finkelstein schreibt in einem Blog: „AOL hat uns gerade das größte reale Experiment der Welt dafür geliefert, wie man über Suchdaten im Internet in die Privatsphäre von Personen eindringen kann. Bisher gab es nur Spekulationen darüber, was man aus einer solchen Masse Daten herausholen könnte. Jetzt wissen wir es.“

„Das war ein schwerer Fehler und wir entschuldigen uns dafür“, heißt es in einer Stellungnahme von AOL. Der „Versuch, Daten für akademische Forschungszwecke verfügbar zu machen“, sei von den Verantwortlichen nicht mit ihren Vorgesetzten abgeklärt worden. „Wir prüfen, wie das passieren konnte und werden sicherstellen, dass sich ein solcher Fehler nicht wiederholt“.

In einer internen Mail gab AOL-Chef Jon Miller den Rücktritt von Cheftechnologin Govern bekannt, deren Position vorerst wieder ihr Vorgänger John McKinley einnehmen wird. Gegenüber der Öffentlichkeit erklärte Miller, dass AOL nach der Affäre einen Ausschuss aus leitenden Angestellten eingesetzt habe, um die Datenschutz-Praktiken des Unternehmens zu durchleuchten. Außerdem sollen Datensammlungen des Portals intern besser gegen den Zugriff nicht autorisierter Personen gesichert werden. AOL rangiert unter den Internet-Suchdiensten an vierter Stelle hinter Google, Yahoo und Microsofts MSN.

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