Bessere Konditionen
Telekom pokert um Übernahme von MetroPCS

Die Telekom will die MetroPCS-Anleger durch bessere Konditionen doch noch von der Übernahme überzeugen. Die Aktionärsberater hatten zunächst dagegen gestimmt. Die Telekom überlegt nun offenbar, einen Aufschlag zu zahlen.
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FrankfurtIm Übernahme-Hickhack mit widerspenstigen Aktionären um den US-Mobilfunkanbieter MetroPCS hat die Deutsche Telekom noch einen Trumpf in der Hinterhand. Der Bonner Konzern erwägt, die MetroPCS-Eigner mit einem Aufschlag zu den bisherigen Konditionen auf seine Seite zu ziehen, wie Reuters von zwei mit der Situation vertraute Personen erfuhr. „Sie haben eine Woche für eine Entscheidung und arbeiten derzeit daran“, sagte eine dritte Person. Die Stellungnahme der Telekom dazu änderte sich: Zunächst dementierte ein Unternehmenssprecher und betonte, dass die Telekom keine Pläne für Verbesserung des Angebots hege. Später ruderte der Dax-Konzern zurück: Angesichts der Gerüchte über eine verbesserte Offerte wolle man klarstellen, dass die Telekom keine Stellungnahme dazu abgebe.

Das 230.000 Mitarbeiter starke Unternehmen kündigt vor einem halben Jahr an, seine Krisentochter T-Mobile USA mit den fünftgrößten Anbieter MetroPCS zusammenlegen zu wollen. Die Metro-Eigner stimmen am 12. April über die Fusion ab. Nach Aussagen einer mit dem Ablauf vertrauten Person vom Freitag können die Bonner ihr Angebot „bis zur letzten Minute“ noch aufbessern – das Aktionärstreffen müsste dann um ein bis zwei Wochen verschoben werden.

Nach dem Willen der Deutschen erhalten die Aktionäre des Unternehmens aus Texas in Zuge der Fusion 1,5 Milliarden Dollar in bar – also 4,09 Dollar je Anteilsschein. Zudem werden sie mit 26 Prozent an dem neuen Unternehmen beteiligt – die restlichen 74 Prozent gehen an die Telekom. Gleichzeitig werden der neuen Firma Schulden von 21 Milliarden Dollar aufgeladen.

Nach Ansicht von einigen Großinvestoren und den Aktionärsberatern Institutional Shareholder Services (ISS) und Glass Lewis werden die Metro-Eigner benachteiligt. Insbesondere letztere haben Einfluss: Nach ihrem Rat richten sich die Manager großer Fonds in den USA und stimmen dementsprechend ab. Nach dem negativen Votum der Aktionärsberater sei kaum noch damit zu rechnen, dass die Eigner dem Deal auf der Hauptversammlung zustimmen, sagte ein Telekom-Großaktionär zuvor zu Reuters. Deshalb müssten die Bonner mehr auf den Tisch legen. „Die Telekom wird jetzt mit MetroPCS-Aktionären sprechen, um ein Gefühl dafür zu bekommen, ab welchem Level sie zustimmen könnten“, sagte Analyst Wolfgang Sprecht vom Bankhaus Lampe.

Interaktive Infografik

Deutsche Telekom: EBITDA (bereinigt um Sondereinflüsse)

Volumen in Mrd. Euro

Nach dem geplatzten Verkauf von T-Mobile an den Branchenriesen AT&T kann sich die Telekom einen zweiten Reinfall nicht erlauben. „MetroPCS ist zwar eine Notlösung, aber immer noch besser als ein Alleingang von T-Mobile USA.“ Die Strategie der US-Telekom-Tochter sei bereits voll auf ein gemeinsames Unternehmen ausgerichtet. „Die neue Produktpipeline von T-Mobile USA mit vielen Smartphones erfordert Bandbreite, und die soll von MetroPCS kommen“, führte Branchenexperte Specht aus.

Der Telekom-Vorstand will T-Mobile USA eine kritische Größe verleihen und längerfristig den Weg für einen Ausstieg ebnen. MetroPCS und T-Mobile USA kämen zusammen auf etwa 42 Millionen Handy-Kunden. Damit könnten beide besser mit den Marktschwergewichten Verizon Wireless, AT&T und Sprint Nextel mithalten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur

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