Bestechungsaffäre
Neuer Verdacht gegen Telekom-Chef Obermann

Die Schmiergeldaffäre in Mazedonien droht für die Manager der Telekom und Konzernchef René Obermann an Brisanz zu gewinnen. Einem Medienbericht nach, sollen sie eine Art Geheimabkommen mit der Regierung verhandelt haben. Die Telekom wies den Verdacht zurück.
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HB HAMBURG. Die Bestechungsaffäre beim mazedonischen Telekom-Ableger MakTel könnte für die Telekom-Manager und Konzern-Chef René Obermann einem Magazinbericht zufolge möglicherweise brisanter werden als bislang vermutet. Wie der "Spiegel" am Samstag vorab meldete, wirft die Bonner Staatsanwaltschaft Telekom-Managern vor, eine Art Geheimabkommen mit der mazedonischen Regierung verhandelt zu haben. Das gehe aus einem streng vertraulichen Schriftsatz der US-Kanzlei Debevoise Plimpton hervor, die von der Deutschen Telekom als Rechtsberaterin verpflichtet worden sei. In dem Geheimvertrag sollen laut Bericht offenbar millionenschwere Zahlungen an die Regierung mit der Nicht-Vergabe einer dritten Mobilfunklizenz in Mazedonien verknüpft worden sein. Die Vereinbarung sei später auf diversen Computern gelöscht worden.

Als Beleg für ihren Verdacht hätten die Bonner Ermittler der Telekom offenbar E-Mails präsentiert, so der "Spiegel", in denen auch Obermann über Verhandlungen mit der mazedonischen Regierung und über den Stand der Geheimvereinbarung unterrichtet worden sein könnte. Bislang war gegen Obermann lediglich angeführt worden, dass er in einem Gespräch mit dem Chef der mazedonischen Telefongesellschaft Dividendenzahlungen von einer möglichst langsamen Freigabe des Telefonmarkts abhängig gemacht habe.

Wie die Juristen der US-Kanzlei in dem neunseitigen Schriftsatz laut "Spiegel" ausführen, lieferten die E-Mails allerdings "keine Beweise" dafür, dass Obermann in die Erstellung einer solchen Vereinbarung eingebunden gewesen sei oder auch nur davon gewusst habe. Die vermeintlichen Fundstellen seien allesamt anders zu verstehen. Auch die Vereinbarung selbst, so die Kanzlei laut Magazin, sei juristisch nicht zu beanstanden und den ebenfalls ermittelnden US-Behörden bekannt.

Die Telekom wollte sich dem Bericht zufolge zum Inhalt des Schreibens nicht äußern. Die US-Kanzlei sei bereits vor einigen Jahren als Beraterin in der Affäre eingestellt worden, habe es geheißen. Der Schriftsatz diene als Vorbereitung für die deutschen Anwälte des Telekom-Chefs und sei das "Herzstück" einer möglichen künftigen Verteidigung.

Die Telekom hat den neuen Verdacht zurückgewiesen. Ein Unternehmenssprecher sagte am Samstag, es gebe keine Hinweise darauf, dass Obermann von einer Art Geheimabkommen mit der mazedonischen Regierung gewusst habe, geschweige denn an diesem mitgewirkt habe.

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