Besucherrückgang
Der deutsche Film zweifelt an sich selbst

Auf der Berlinale im Februar waren die deutschen Filmproduzenten angesichts hoher Zuschauerzahlen noch in Feierlaune. Ein paar Monate später sieht es anders aus: 2010 konnten bislang nur zwei deutsche Produktionen mehr als eine Million Zuschauer in die Kinos locken.
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CANNES. Die meisten deutschen Filme laufen in halbleeren Kinosälen – das alarmiert die Branche. „Ich sorge mich um den deutschen Film. Er ist nach wie vor zu wenig am Markt orientiert. Allein in den ersten sechs Monaten verzeichneten wir ein Viertel weniger Besucher bei deutschen Filmen. Das ist ein Alarmzeichen“, sagte Thomas Peter Friedl, Chef der Ufa Cinema, dem Handelsblatt.

Auf der Berlinale im Februar waren die deutschen Filmproduzenten noch in Feierlaune: Der Marktanteil von 27,4 Prozent einheimischer Filme in den deutschen Kinos im vergangenen Jahr hatte die Branche in Euphorie versetzt. Ein paar Monate später sieht es anders aus. Der Anteil ging im ersten Halbjahr 2010 um mehr als fünf Prozent auf 20,3 Prozent zurück.

Ein Grund: Dieses Jahr produzieren deutsche Regisseure weitgehend am Massengeschmack vorbei. Nur die Komödie „Friendship“ mit Matthias Schweighöfer und Fatih Akins Streifen „Soul Kitchen“ konnten die Millionen-Besucher-Grenze überspringen. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr waren unter den 43 Filmen mit mehr als einer Million Besuchern 14 deutsche Produktionen. Das war ein Rekord.

Angesichts der wenigen Erfolge wachsen die Selbstzweifel der Produzenten. „Wir machen in Deutschland zu wenig kommerzielle Filme. Das muss sich ändern“, forderte Friedl. Um den Anteil deutschsprachiger Filme im Kinomarkt zu erhöhen, verlangt der Filmproduzent, Fördergelder in Deutschland nicht länger mit der Gießkanne zu verteilen, sondern populäre Filme gezielt zu fördern.

Hinter den Kulissen wird in Berlin bereits eifrig diskutiert, wie der deutsche Film besser gefördert werden kann. „Die Politik hat erkannt, dass sie das System weiterentwickeln muss, um eine starke deutsche Filmindustrie zu bekommen“, sagte Friedl. Laut der Filmstiftung NRW fließen jährlich rund 200 Mio. Euro in die Förderung deutscher Produktionen.

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