Betriebsgewinn von 31 Millionen Euro
Mobilcom schafft auch im Mobilfunk Ertragswende

Die im vergangenen Jahr knapp der Pleite entgangene Mobilcom AG hat im Kerngeschäft als Anbieter von Diensten anderer Mobilfunkunternehmen die Ertragswende geschafft.

Reuters HAMBURG. Der Kurs der im TecDax notierten Aktie legte daraufhin gut fünf Prozent auf knapp zehn Euro zu. Bei der Suche nach einem Käufer für die über kurz oder lang freiwerdenden Mobilcom-Anteile von insgesamt knapp 70 Prozent in Händen der beiden Großaktionäre Gerhard Schmid und France Télécom zeichnet sich nach Worten von Vorstandschef Thorsten Grenz reges Interesse ab. Wegen des anhaltend hohen Aktienkurses seiner Internettochter Freenet hofft Mobilcom, seine Beteiligung weitgehend behalten und durch einen Teilverkauf gleichzeitig seine Bankschulden tilgen zu können.

Unterdessen bestätigte die Kieler Staatsanwaltschaft den Eingang einer Strafanzeige der Firma Millennium, über die Schmids Ehefrau Sybille Anteile an Mobilcom hält. „Die Anzeige wegen des Verdachts der Untreue richtet sich gegen den Vorstandsvorsitzenden Grenz“, sagte Oberstaatsanwalt Uwe Wick. Hintergrund ist ein von Schmid in seiner Zeit als Vorstandschef von Mobilcom aufgelegtes Aktienoptionsprogramm über 70 Millionen Euro. Deshalb ermittelt die Staatsanwaltschaft bereits seit geraumer Zeit gegen Schmid ebenfalls wegen Untreue.

Mobilcom erwartet stabile Kundenzahl zum Jahresende

„Wir haben die Ertragswende geschafft. Jetzt geht es darum, erste Schritte für eine neue Positionierung am Markt zu unternehmen“, sagte Grenz am Dienstag vor Journalisten. Der Mobilcom-Konzern erzielte im zweiten Quartal einen Betriebsgewinn von 31,1 Millionen Euro, nachdem im gleichen Zeitraum des Vorjahres noch ein Verlust von 18,8 Millionen ausgewiesen wurde. Dabei schrieb der Konzern im so genannten Service-Providing-Geschäft einen Betriebsgewinn von 13,5 Millionen Euro nach 21,5 Millionen Euro Verlust im Vorjahr. Trotz eines deutlichen Rückgangs der Kundenzahl im Mobilfunk um 600 000 auf 4,2 Millionen im Vergleich zum Stand zu Jahresanfang erhöhte sich der Umsatz leicht auf 329 Millionen Euro von 321 Millionen im vorangegangenen ersten Quartal.

Für das dritte Quartal stellte Grenz ein Ergebnis in der Größenordnung des zweiten Quartals in Aussicht. Zugleich machte er deutlich, dass wegen erwarteter Kosten für die Kundengewinnung im vierten Quartal das Service-Proding-Geschäft im Schlussquartal voraussichtlich einen Verlust ausweisen werde. Für den Gesamtkonzern bekräftigte Grenz allerdings die Prognose eines Betriebsgewinns. Für die zweite Jahreshälfte rechnet er mit dem Verlust von weiteren 500 000 Mobilfunkkunden. Mit einer zehn Millionen Euro teuren Werbekampane soll die Kundenzahl jedoch zum Jahresende stabil gehalten werden, bei gleichzeitig höherem Umsatz je Kunden.

Bei der Suche nach Großinvestoren für die knapp 70 Prozent über kurz oder lang zur Disposition stehenden Anteile registriert Mobilcom Grenz zufolge Interesse von mehreren Seiten. Das Spektrum reiche von Unternehmen aus der Telekommunikationsbranche über Finanzinvestoren bis hin zu Privatinvestoren. „Das Interesse aus der Branche erstreckt sich auch auf Teile an Freenet und das Service-Providing-Geschäft von Mobilcom“, sagte Grenz.

Ein Streit der beiden Hauptaktionäre Gerhard Schmid und France Télécom über die Investitionen beim Ausbau des UMTS-Mobilfunks hatte mobilcom im vergangenen Jahr an den Rand der Zahlungsunfähigkeit gebracht. Die Pleite wurde mit Hilfe eines Sanierungskredits mehrerer Banken und der France Telecom abgewendet, den mobilcom bis kommenden Mai zurückzahlen soll.

Als Teil der Verträge mit einem Bankenkonsortium hat sich Mobilcom verpflichtet, seine profitable Internet- und Festnetztochter Freenet zu verkaufen. Derzeit sucht Mobilcom aber nach Wegen, an der Beteiligung mehrheitlich festzuhalten und die Kredite trotzdem zu bedienen.

Mobilcom-Sprecher: Schmids Anzeige unbegründet

Ein Mobilcom-Sprecher wies die in der Anzeige gegen Grenz von Schmid erhobenen Vorwürfe als unbegründet zurück. „Gerhard Schmid hat das Geschäft unter Täuschung seiner Vorstandskollegen sowie des Aufsichtsrates patriarchisch veranlasst und realisiert.“ Er verwies darauf, dass die Hauptversammlung Grenz entlastet habe während sie Schmid dies verweigert habe. Millennium schulde mobilcom rund 70 Millionen Euro.

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