Betriebsverlust ausgeweitet
Lycos Europe dank Verkauf erstmals mit Gewinn

Der Internetportal-Betreiber Lycos Europe ist im dritten Quartal operativ weiter in die roten Zahlen gerutscht. Ein schwaches Anzeigengeschäft habe die Bilanz getrübt, hieß es am Dienstag. Unter dem Strich stand dennoch ein Plus.

HB GÜTERSLOH. Der Internet-Dienstleister hat dank des Verkaufs einer Beteiligung in Schweden erstmals einen Gewinn erzielt. In den ersten neun Monaten des Jahres sei ein Überschuss von 6,9 Mill. Euro verbucht worden, sagte der Vorstandsvorsitzende Christoph Mohn am Dienstag in Gütersloh. Der Verkauf des schwedischen Portalgeschäfts Spray hatte 14,8 Mill. Euro in die Kassen gespült. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Minus von 18,5 Mill. Euro angelaufen.

Der Betriebsverlust belief sich zwischen Januar und Ende September allerdings auf 7,9 Mill. Euro. Mohn machte dafür eine schwache Sommersaison verantwortlich. Europas viertgrößtes Internetportal erwirtschaftete in den ersten neun Monaten 2006 einen Umsatz von 59 Mill. Euro (plus 1 Prozent).

Von Juli bis September steig der Betriebsverlust auf 4,9 Mill. Euro von 1,5 Mill. Euro im Vorjahreszeitraum, wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte. Unter anderem wegen der Fußball-Weltmeisterschaft sei der Online-Anzeigenmarkt im Sommer sehr schwach gewesen, sagte Vorstandschef Christoph Mohn. Besonders starke Einbrüche habe es in Frankreich gegeben.

Mit dem Verkauf in Schweden wurde der operative Verlust im dritten Quartal überkompensiert und ein Überschuss von 9,1 Mill. Euro erzielt. Vorstandschef Christoph Mohn, Sohn von Bertelsmann-Firmenpatriarch Reinhard Mohn, hatte wiederholt angekündigt, im Jahr 2006 soll das Unternehmen nach vielen Verlustjahren die Gewinnzone erreichen. Bertelsmann ist einer der Hauptaktionäre von Lycos Europe (Haarlem/Gütersloh).

Mit einem Anteil von 40 Prozent am Gesamtumsatz stellte der Bereich kostenpflichtige Dienste und Shopping die größte Umsatzsäule dar, gefolgt von Werbeerlösen. Lycos Europe ist in zehn europäischen Ländern tätig und hat 660 Mitarbeiter.

Für das Gesamtjahr erwartet Lycos Europe einen Nettogewinn von fünf bis sieben Mill. Euro. Der Betriebsverlust solle auf etwa zehn Mill. Euro halbiert werden, sagte Mohn. Der Umsatz werde sich wegen der Trennung vom schwedischen Geschäft auf rund 80 Mill. Euro verringern. Neben dem Portal Spray will der Konzern auch das gleichnamige Internetzugangsgeschäft abgeben.

Lycos Europe plant die Übernahme des Karlsruher Spezialsoftware-Anbieters Mentasys für bis zu 30 Mill. Euro in bar. Damit will das Unternehmen sein Engagement im Online-Handel ausbauen.

Der Lizenzrechtestreit mit dem Namensvetter und früheren Mutterkonzern Lycos Inc. zieht sich weiter in die Länge. Wegen eines Wechsels im Management des US-Unternehmens seien die Gespräche zeitweilig ausgesetzt gewesen, sagte Mohn. Lycos Europe halte die Geldforderungen von Lycos Inc. für angebliche Lizenzverstöße für unberechtigt. Das US-Unternehmen hält die weltweiten Rechte an dem Namen und an bestimmten Technologien.

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