Bewegung im Internet
WAZ will vier neue Online-Angebote starten

Im Internet-Verlagsgeschäft ist Bewegung: „Süddeutsche.de“ spricht von schwarzen Zahlen, die WAZ setzt auf Regionalzeitungsportale und Burda sieht in Bezahlangeboten keine Zukunft.
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MünchenIm Netz tut sich etwas: Der WAZ-Verlag wird voraussichtlich zum Jahresbeginn mit vier Regionalzeitungsportalen im Netz starten, kündigte Ulrich Reitz, Chefredakteur der „Westdeutschen Allgemeinen Zeitung“, am Donnerstag auf den Münchner Medientagen an. Auf der gleichen Veranstaltung, dem sogenannten Publishinggipfel, sagte Stefan Plöchinger, Chef von „Süddeutsche.de“, sein Portal schreibe schwarze Zahlen. 

Reitz sagte, die Zeitungen „Westdeutsche Allgemeine Zeitung“, „Westfalenpost“, „Neue Ruhr Zeitung“ und „Westfälische Rundschau“ bekämen eine eigenständige Internetpräsenz, nachdem der Verlag vor vier Jahren alle Online-Aktivitäten unter der Marke „DerWesten.de“ gebündelt hatte. „Weit über die Hälfte unserer Leser erreicht unser bestehendes Portal „Der Westen“ über die Suche nach diesen Marken im Netz, auch über Google, aber die wenigsten über die Marke „Der Westen““, sagte Reitz. 

Wenig Hoffnung hatten die Diskussionsteilnehmer bei Bezahlangeboten im Netz. Er glaube nicht an die Zukunft von „paid content“, sagte Philipp Welte, Vorstand Verlage, Vermarktung, Vertrieb in der Hubert Burda Media. „Das ist, als wollten wir die Zahnpasta zurück in die Tube drücken. Eine Art künstliche Verknappung. So wird es nicht funktionieren.“ 

Auch Peter Hogenkamp, Leiter Digitale Medien bei der NZZ Gruppe in der Schweiz, sagte, der Verkauf von Apps sei schwierig. Er habe zwei Leserschaften. Die einen wollten die Zeitung als gedrucktes PDF-Exemplar mit der Anwendung für Tablet-Computer haben, die anderen forderten neue Lösungen. Und wie soll man die unter einen Hut bringen? 

Aus den USA kam am Donnerstag hingegen eine gegenläufige Meldung: Die „New York Times“ berichtete, sie habe binnen drei Monaten 43.000 zahlende Abonnenten für ihren Onlineauftritt hinzugewonnen. Die renommierte Zeitung kam damit Ende September auf insgesamt 324.000 Leser, die bereit sind, für Inhalte im Internet in die Tasche zu greifen. „Wir haben deutliche Fortschritte bei unseren Bemühungen gemacht, einen robusten Umsatz aus unserem Onlinegeschäft zu generieren“, sagte Firmenchefin Janet Robinson in New York. Allerdings sank wegen sinkender Werbeeinnahmen bei der Zeitung der Umsatz der gesamten New-York-Times-Gruppe im dritten Quartal um drei Prozent auf 537 Millionen Dollar (390 Millionen Euro). Dennoch konnte ein Gewinn von 16 Millionen Dollar eingestrichen werden. 

Für die Printerzeugnisse sieht der Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger (BDZV) aber auch eine Zukunft. Er schließe Neugründungen zwar aus, sagte der BDZV-Vorsitzende Helmut Heinen in München, aber die Weiterentwicklung der gedruckten Zeitung gehe weiter. „Die Zeitung hat den Charakter einer Wundertüte, von der der Leser erwartet, dass er in ihr etwas findet, was er nicht erwartet.“ Und das sei der grundsätzliche Unterschied zum Netz.

Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

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  • Bezahlinhalte können nicht klappen, solange gegen die Mehrheit der Leserschaft angeschrieben wird - wie in der Euroklamotte zum Beispiel. Das guckt man sich vielleicht gratis an, dafür will man aber nicht auch noch bezahlen.
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    Der Burda-Focus zeigt das klar: Wenn political correctness zurRichtschnur der Fakten"würdigung" (vorsichtig ausgedrückt) gemacht wird, kann man die Mehrheit der Leserschaft nicht auch noch zum Zahlen veranlassen.

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