Bezahlfernsehen allein ist nicht genug
Premiere sucht neue Einnahmequellen

Premiere verlässt sich künftig nicht mehr allein auf das Bezahlfernsehen. Der neue Chef des Pay-TV-Senders, Michael Börnicke, will verstärkt zusätzliche Einnahmequellen erschließen. Im Interview nimmt er auch Stellung zum Preis für das Angebot.

Handelsblatt: Herr Börnicke, Ende des Jahres startet die Ausschreibung für die neuen Bundesliga-Rechte. Wie wollen Sie ein Debakel wie beim letzten Mal vermeiden, als der Konkurrent Arena zum Zug kam?

Börnicke: Derzeit ist noch unklar, wie die Ausschreibung überhaupt aussehen wird. Unabhängig davon haben wir allerdings klare Vorstellungen, was wir wollen. Am wichtigsten für uns ist, dass der Fußball im frei empfangbaren Fernsehen möglichst spät gezeigt wird. Wir bevorzugen 22 Uhr.

Das wäre dreieinhalb Stunden später als bisher. Ist das wirklich realistisch?

Das müssen wir sehen. Wir wissen, dass wir damit zwischen 500 000 und eine Million Abonnenten gewinnen könnten. Damit wären wir auch in der Lage, mehr für die Rechte zu bezahlen. Die Klubs sollten sich klar sein, dass sich das vor allem langfristig lohnen würde. Denn die Erfahrung aus anderen Ländern zeigt, dass sich solche Exklusivität nach fünf bis sechs Jahren voll auszahlt, weil dann wirklich alle Interessenten ein Abo haben.

Wie viel wollen Sie denn auf den Tisch legen?

Das lässt sich jetzt noch nicht sagen, weil die Bedingungen noch nicht klar sind. Aber wir werden an unsere Leistungsgrenzen gehen.

In der letzten Ausschreibung wurden die Rechte je nach Übertragungsweg aufgeteilt. Was halten Sie davon?

Die Deutsche Fußball Liga hat damit ein Fehler gemacht, wie sich jetzt zeigt. Um die Rechte gut vermarkten zu können, müssen sie alles aus einer Hand anbieten, egal ob die Spiele nun übers Internet, per Satellit oder Kabel übertragen werden. Wir wollen auch sämtliche Rechte haben.

Das letzte Mal hat ihnen der Kabelkonzern Unitymedia mit seinem neuen Sender Arena die Live-Rechte weg geschnappt. Rechnen Sie erneut mit Konkurrenz?

Die Rechte sind in jedem Fall heiß begehrt. Aber wir haben schon beim letzten Mal gesagt, dass ein Modell wie Arena schwer funktionieren kann: mit null Kunden anzufangen und dann nur auf Sport zu setzen. 80 Prozent unserer Kunden zum Beispiel wohnen in Mehrpersonen-Haushalten. Die wollen nicht nur Fußball, sondern auch andere Inhalte. Deshalb wundert es mich nicht, dass Arena gescheitert ist.

Bei Premiere ist die Bundesliga deutlich teurer als auf Arena. Warum nehmen Sie die Kunden aus?

Wir finden, dass 20 Euro ein fairer Preis für ein Premiumprodukt sind. Die Bundesliga sollte man nicht für zehn Euro verramschen wie das Arena anfänglich getan hat. Das schadet allen Beteiligten.

Das Gespräch führten Joachim Hofer und H.-P. Siebenhaar.

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