Bezahlfernsehen
Murdoch steckt erneut Geld in Sky

Sky fährt 155 Millionen Euro Verlust ein, deutlich weniger als zuletzt. Rupert Murdoch will dennoch frisches Geld in den Bezahlsender pumpen - obwohl Sky zuletzt noch von einer stabilen Finanzierung gesprochen hatte.
  • 8

Frankfurt/MünchenDer Bezahlsender Sky Deutschland hat im vergangenen Jahr erstmals die Marke von drei Millionen Abonnenten geknackt und peilt nun für 2013 den lange erhofften Sprung in die operativ schwarzen Zahlen an. „Wir haben im Jahr 2011 eine Reihe von wichtigen Meilensteinen erreicht, die unser Unternehmen in eine profitable Zukunft führen werden“, teilte Brian Sullivan, Chef des Pay-TV-Senders, am Donnerstag in München mit.

Allerdings muss Sullivan für die Fortsetzung seines Aus- und Umbaus des dauerdefizitären Sorgenkinds im Medienimperium von Rupert Murdoch weiter investieren - und braucht dafür nochmal 300 Millionen Euro frisches Kapital, das komplett von Murdochs News Corp. gesichert wird. Murdoch hatte zuletzt bereits 448 Millionen Euro in das frühere Premiere gepumpt. Nun soll die Investition Früchte tragen. Dabei hatte Sky-Finanzvorstand Steven Tomsic noch im Juli 2011 erklärt, dass die Finanzierung „vollkommen bis zum Erreichen der Profitabilität“ reiche.

2011 blieben die Zahlen wie erwartet rot. Der Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen verringert sich verglichen mit 2010 allerdings deutlich von 269 auf 155 Millionen Euro. Der Umsatz wuchs um 17 Prozent auf 1,139 Milliarden Euro.

Am wichtigsten aber für den Sender: Die Kundenzahl kletterte zum Jahresende auf 3.012.000 Abonnenten. Unter dem Strich gewann Sky Deutschland damit im vergangenen Jahr 359.000 zahlende Kunden hinzu - der größte Zuwachs in der Firmengeschichte. 2010 lag das Plus noch bei 183.000. Damit verbesserte sich auch eine andere wichtige Kennzahl deutlich, der Arpu, also der Umsatz pro Kunde. Er wuchs um 1,77 Euro auf 30,46 Euro. Für schwarze Zahlen braucht Sky 3,0 bis 3,2 Millionen zahlende Zuschauer, wie Sullivan zuletzt erklärt hatte.

„Es gibt noch viel zu tun“

„Das ist ein fantastisches Ergebnis, aber es gibt noch viel zu tun“, sagte Sullivan. Er will das Angebot des Senders nun weiter ausbauen. Bereits im vergangenen Jahr hatte er zahlreiche Neuerungen umgesetzt, etwa die Nutzung von Sky-Angeboten auf mobilen Computern oder den hochauflösenden Sportnachrichtensender Sky Sports. Für den weiteren Ausbau braucht Sky eine weitere Kapitalspritze.

„Um die oben beschriebenen Pläne umsetzen zu können und die finanzielle Flexibilität des Unternehmens zu erhöhen, plant Sky Deutschland im Jahr 2012 die Aufnahme weiterer Finanzmittel in Höhe von 300 Millionen Euro“, heißt es in der Mitteilung. Die neue Finanzierung soll in zwei Schritten erfolgen: bis Ende März rechnet Sky mit Erlösen von mindestens 100 Millionen Euro entweder durch eine Kapitalerhöhung, eine Privatplatzierung, ein Gesellschafterdarlehen oder eine Kombination aus beiden Maßnahmen.

Die restlichen Mittel will der Konzern bis Ende September mit einer oder einer Kombination der genannten Maßnahmen erzielen. Auch sei die Platzierung einer Wandelanleihe möglich. Genaueres wollten Sky und News Corp zu „gegebener Zeit“ entscheiden. Mit dem Geld will der Pay-TV-Sender unter anderem seine Exklusivrechte und sein HD-Angebot ausbauen. Zudem soll in Technologie und Kundenservice investiert werden. Der Murdoch-News-Corp-Anteil soll die bisherigen 49,9 Prozent an Sky aber nicht überschreiten.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
dpa 
dpa Deutsche Presse-Agentur GmbH / Nachrichtenagentur

Kommentare zu " Bezahlfernsehen: Murdoch steckt erneut Geld in Sky"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • unsere ÖFFIS sind doch auch totale Propaganda! Wie sagt Georg Schramm so schön, die Pissrinne, bei der sich Lobbyisten und Politiker ihre geistige Notdurft verrichten. Kritischer Journalismus sähe anders aus. Also möchte ich liebe kostenlose Propaganda a la Italia, anstatt Zwangsgebühren, die nur die Propaganda zahlen!

  • wieso gibt es eigentlich immer wieder Visionäre, die glauben, dass Bezhalfernsehen rentabel wird? Selbst wenn alles zensiert werden würde, woran Murdoch und Co. durch ACTA zum Beipsiel arbeiten, dann bin ich der Letzte, der Geld fürs Fernsehen ausgeben würde! Premiere war schon ein Flop und Sky ist es auch!

  • Ja, ich kann durchaus verstehen, dass viele Zwangszahler den GEZ-Gebüren sehr kritisch gegenüber stehen. Doch bitte schauen Sie einmal bei Ihrem nächsten Urlaub z.B. in Italien dort frei empfangbares Fernsehen. Da haben sie dann ein Angebot auf dem Niveau von Dauerwerbeverkaufskanälen. Alles andere kostet. Das ist das Ergebnis des Fehlens eines leistungsfähigen öffentlich rechtlichen TVs. Sie brauchen dieses nicht lieben - nicht mal zu schauen, trotzdem hält es die Qualitätsstandards bei uns im gesamten Fernsehmarkt (relativ) hoch durch Konkurrenz und Vorbild. Mehr noch, unsere halbwegs gebildete Gesellschaft mit ihrer wirtschaftlich durchschlagkrägtigen Industrie ist z.T. Ergebnis dieser Medienpolitik, die Aufklärung und Information quasi zwangsverordnet. Wir lachen über US-Bürger, die kaum wissen, wo ihr eigenes Land auf einer Landkarte zu finden ist - das ist das Ergebnis von 50 Jahren FOX-Entertaiment. Wir sollte also froh sein - ich weiß, Sie werden widersprechen - aber schauen Sie Italo-TV! Sie werden sich gruseln ;-)

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%