
BERLIN. Der Verlag Axel Springer will mit einer neuen Strategie im Internet seine Umsätze im digitalen Geschäft massiv ausbauen. "Wir wollen in sieben Jahren die Hälfte unserer Umsätze im digitalen Bereich machen. Derzeit entwickelt sich alles so dynamisch, dass wir dieses Ziel schneller erreichen können. Vielleicht in fünf Jahren", sagt Mathias Döpfner, Chef von Europas größtem Zeitungsverlag dem Handelsblatt. Zurzeit macht Springer rund ein Viertel des Konzernumsatzes im Netz.
„Die Phase der kindlichen Begeisterung für die neue Technologie rund um das Internet geht erkennbar zu Ende“, sagte Döpfner, dem Handelsblatt. Eine neue Phase beginne, die an die Prinzipien der Vor-Internet-Welt anknüpfe: Gutes Geld für guten Journalismus. Döpfner spricht von der „Rückkehr zur Normalität.“
In Deutschland geht die Umsonst-Kultur zuende. Springer hat bereits 280 000 Apps von „Bild“ und „Welt“ verkauft. Angesichts der Tatsache, dass es hier zu Lande nur knapp zwei Millionen iPhones gibt, eine beachtliche Zahl. „Bild“ ist mittlerweile die meistverkaufte Nachrichten-App des Landes.
Neue Technologien machen die Trendwende möglich. Die Medienbranche profitiert vor allem von der Einführung des mobilen Internets, das mit iPhone und Blackberry, aber auch mit iPad und weiteren Tablet-Computern, neue und einfache Abrechnungssysteme hervorbrachte. Diese Endgeräte sind die Basis für so genannte Applikationen (Apps), mit deren Hilfe Inhalte von Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsendern zum Kunden transportiert werden. Für diese Apps gibt es – im App-Store des Steve Jobs – ein weltweit einheitliches Bezahlsystem.
Für den Journalismus prognostiziert Döpfner eine Renaissance. "Der Journalismus hat durch die neuen digitalen Vertriebskanäle glänzende Möglichkeiten. Wenn wir es richtig machen, können wir von diesen hoch attraktiven neuen Verbreitungsformen profitieren. Der Pessimismus ist falsch", sagt der 47-jährige Konzernlenker.