Bibliotheken geöffnet
Paris öffnet Google Tür und Tor

Im Kampf gegen die umstrittene Internet-Bibliothek von Google droht der Bundesregierung eine schwere Niederlage. Die EU-Kommission und die großen EU-Mitgliedstaaten unterstützen aktiv das digitale Buchprojekt des US-Konzerns. Zu den Befürwortern gehört neuerdings auch Frankreich.

BRÜSSEL/DÜSSELDORF. Die französische Nationalbibliothek verhandelt mit Google über eine Digitalisierung ihrer Bestände. Frankreich habe „nichts gegen die Idee“, Google einen Teil seiner Bücher anzuvertrauen, sagte die für digitale Wirtschaft zuständige Staatssekretärin, Nathalie Kosciusko-Morizet. Großbritannien und Spanien arbeiten schon seit längerer Zeit mit Google zusammen.

So steht Deutschland mit seinem Widerstand gegen den US-Giganten in der EU weitgehend allein da. Kulturstaatssekretär Bernd Neumann hält dennoch an seiner Position fest: „Es kann nicht angehen, dass der freie Zugang zu unserem kulturellen Erbe monopolisiert und den Kapitalinteressen einer einzigen Firma unterworfen wird.“ Bundeskanzlerin Angela Merkel teile diese Auffassung, hieß es in Regierungskreisen.

Google kommt mit seiner digitalen Bibliothek gleichwohl in großen Schritten voran. Nach eigenen Angaben hat der Konzern schon über zehn Mio. Bücher ins Netz gestellt. Google arbeitet weltweit mit 30 großen Bibliotheken zusammen, darunter mit den US-Elite-Hochschulen Harvard, Stanford und Princeton. Vorreiter in Europa war die renommierte Bodleian-Universitätsbibliothek von Oxford. In Deutschland schloss bisher nur die Bayerische Staatsbibliothek mit Google einen Vertrag.

Neben alten Büchern aus Bibliotheken und Archiven scannt der Internetgigant mit Einverständnis der Verlage auch aktuelle Bücher ein. Google kooperiert dafür nach eigenen Angaben bereits weltweit mit mehr als 20 000 Verlagen, darunter Töchter der Konzerne Bertelsmann und Bonnier sowie der Wissenschaftsverlag Springer Science + Business. „Wir bieten den Verlagen gratis eine Werbeplattform, und wir machen nur maximal ein Fünftel des Textes zugänglich“, sagt ein Google-Sprecher. So bleibe der Anreiz für die Konsumenten bestehen, das Buch zu kaufen.

Die EU-Kommission betrachtet den Vormarsch der Google-Bibliothek mit Wohlwollen. 90 Prozent aller weltweit archivierten Bücher würden nicht mehr gedruckt und seien daher öffentlich nicht mehr zugänglich, gibt EU-Medienkommissarin Viviane Reding zu bedenken. „Es ist gut, dass neue Geschäftsmodelle entstehen, die diese Inhalte wieder zu den Konsumenten bringen“, sagte Reding dem Handelsblatt. Das Einscannen von Büchern sei eine kostspielige „Herkules-Aufgabe“, die der Staat nicht allein bewältigen könne. „Dazu ist eine enge Zusammenarbeit zwischen Rechte-Inhabern und Internet-Unternehmen sowie zwischen dem öffentlichen und dem privaten Sektor nötig“, so Reding.

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