Bieterkampf erwartet
Inder ebnen Weg für mobiles Internet

Indien rüstet sich für mobile Datendienste. Nach langem Zögern hat die Regierung für den 7. Dezember eine Auktion von neuen Lizenzen angesetzt, die in Deutschland dem UMTS-Standard entsprechen. Damit können die Telekomkonzerne nicht nur mobiles Telefonieren sondern auch mobile Internetdienste anbieten.

NEU DELHI/DÜSSELDORF. Die IT-Nation Indien ist die einzige große Wirtschaftsmacht, in der es bisher praktisch keine mobilen Daten gab. Selbst in Afrika, wo Indiens Marktführer Bharti die Übernahme der südafrikanischen MTN vorbereitet, gibt es bereits mobilen Datenverkehr. Grund für den Rückstand Indiens ist ein Streit in der Regierung über den Preis und die Modalitäten der Versteigerung. Das Finanzministerium will möglichst hohe Einnahmen erzielen, das Telekommunikationsministerium den Wettbewerb stärken und dafür viele Anbieter gewinnen.

In dem Konflikt hat sich jetzt der Finanzminister durchgesetzt. Die Regierung hat das Mindestgebot für eine landesweite Lizenz auf umgerechnet 490 Mio. Euro festgesetzt. Damit ist der Preis fast doppelt so hoch, wie von Indiens Telekomregulierer Trai empfohlen. Indien ist wegen seines atemberaubenden Kundenwachstums ein begehrter Markt für ausländische Telekomanbieter. Sie wollen auf dem Subkontinent das stagnierende Geschäft auf den gesättigten Heimatmärkten kompensieren. Zu ihnen zählt die britische Vodafone, die japanische NTT DoCoMo und die norwegische Telenor. Experten gehen dennoch davon aus, dass die Auktion keine neuen Anbieter nach Indien lockt. Dafür ist der Wettbewerb bereits heute zu intensiv und die Frequenzen, die versteigert werden, zu beschränkt.

Der Mobilfunk in Indien ist in 23 Zirkel eingeteilt. Für jeden werden jetzt vier Lizenzen versteigert. Demgegenüber stehen aber vier bis fünf Netzbetreiber, die in jedem Zirkel bisher schon im Mobilfunkgeschäft aktiv sind. Also werden nicht alle mit neuen Frequenzen bedacht werden können. Die Regierung erwartet deswegen einen Bieterwettstreit und rechnet mit Einnahmen aus der Auktion von mindestens 3,5 Mrd. Euro. Verglichen mit der deutschen UMTS-Auktion, bei der im Internethype des Jahres 2000 rund 50 Mrd. Euro erzielt wurden, ist der Betrag bescheiden.

Die bereits existierenden Mobilfunknetzbetreiber können es sich aber kaum leisten, bei der Auktion nicht mitzubieten. Schließlich platzen die bestehenden Netze wegen des rasanten Kundenwachstums schon heute vielerorts aus allen Nähten. In indischen Unternehmenskreisen heißt es deshalb, ein Teil der neuen Daten-Frequenzen würde vermutlich gar nicht für neuartige Daten, sondern für mehr Gesprächsvolumen genutzt. „In vielen kleinen Zirkeln gibt es einfach kein Geschäftsmodell für Daten“, heißt es bei einem führenden indischen Wettbewerber. Viele Branchenkenner gehen deshalb davon aus, dass der mobile Datenverkehr in Indien auf absehbare Zeit vor allem auf Wirtschaftsmetropolen wie Bombay, Delhi und Bangalore beschränkt bleibt. Die staatlichen Telekomanbieter MTNL und BSNL, die von der Regierung bereits zu Jahresbeginn kostenfrei erste Daten-Lizenzen erhalten hatten, sind damit bisher wenig erfolgreich. Experten machen dafür auch das schwache Marketing der Staatsunternehmen verantwortlich.

Marktführer Bharti Airtel führt derzeit Fusionsgespräche mit dem südafrikanischen Anbieter MTN, der längst margenträchtige Datendienste in Afrika anbietet. Der geplante Zusammenschluss steht allerdings vor neuen Hürden. Südafrikas Regierung besteht darauf, dass das Kabinett den Deal freigeben muss.

MTN war 1994 mit Hilfe der Regierung Südafrikas gegründet worden und ist der einzige Mobilfunkbetreiber in südafrikanischen Händen. Größter Aktionär ist ein staatlicher Pensionsfonds. Am Kap herrscht die Sorge, dass die Überkreuzbeteiligung im Volumen von 24 Mrd. Dollar, die Bharti 49 Prozent an MTN und den Südafrikanern 36 Prozent an den Indern sichern würde, der Ausverkauf eines nationalen Champions sei. Südafrika verlangt deshalb, dass Bharti MTN an der Börse Johannesburg gelistet bleibt. Das indische Recht verbietet aber die gleichzeitige Notierung stimmberechtigter Aktien in Indien und einer Auslandsbörse. Beobachter gehen davon aus, dass die bis Ende September gesetzte Frist für den Zusammenschluss erneut verlängert wird.

Indien - der härteste Mobilfunkmarkt der Welt

Niedrige Preise

Ein einminütiges Handy-Gespräch kostet in Indien zwei Cent - nirgendwo sonst auf der Welt ist das so billig. Der Wettbewerb unter den Netzbetreibern ist deshalb enorm. Die niedrigen Umsätze pro Kunde machen sie mit einer Masse neuer Nutzern wett, die der Subkontinent bietet.

Hohes Wachstum

Ende Juli gab es 441 Mio. Handy-Nutzer in Indien - das sind 50 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Das Potenzial ist weiter gewaltig: Nur gut ein Drittel aller 1,2 Mrd. Einwohner in Indien hat bisher ein Handy.

Klares Vorbild

Indien dient internationalen Mobilfunketzbetreibern wie Vodafone und den Ausrüstern wie Nokia Siemens Networks als Testlabor für eine schlanke Kostenstruktur. Die Unternehmen entwickeln auf dem Markt mit den Mini-Preisen zahlreiche Sparmodelle. Dazu gehört etwa der gemeinsame Betrieb der Netze oder stromsparende Technik. Viele dieser Lösungen finden später ihren Weg in Industrienationen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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