Bilanz
Bertelsmann hat 2005 gut verdient

Europas größter Medienkonzern Bertelsmann hat im vergangenen Jahr bei Umsatz und operativen Gewinn zugelegt. Das dürfte den Wert des Unternehmens steigern. Ob das den Börsengang wahrscheinlicher macht, ist aber unbekannt. Auch Bertelsmann selbst hängt in der Luft.

HB BERLIN. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen (Operating Ebit) stieg um 12,7 Prozent auf den Rekordwert von 1,61 Mrd. Euro, teilte Vorstandsvorsitzender Gunter Thielen am Mittwoch bei der Bilanzvorlage in Berlin mit. An dem operativ guten Abschneiden hatte vor allem die RTL Group, aber auch die Drucktochter Arvato sowie das Verlagshaus Gruner + Jahr Anteil. Der Nettogewinn des Konzerns blieb mit 1,04 Mrd. Euro aber knapp unter der Vorjahreszahl in Höhe von 1,17 Mrd. Euro. Bertelsmann machte dafür Sondereffekte im Vorjahr verantwortlich, die den Überschüss stark in die Höhe getrieben hatten. So hatte Bertelsmann vom Verkauf von US-Immobilien und von der Gründung des Musik-Gemeinschaftsunternehmens Sony BMG profitiert.

An die Gesellschafter sollen insgesamt 287 Mill. Euro ausgeschüttet werden. Darin enthalten sind auch 120 Mill. Euro an Garantiedividende für den belgischen Minderheitsaktionär Groupe Bruxelles Lambert (GBL). GBL-Eigner Albert Frère hatte vor wenigen Wochen angekündigt, seinen 25,1-Prozent-Anteil im Falle günstiger Marktbedingungen an die Börse bringen zu wollen.

Für diesen Börsengang hält sich der Medienkonzern bereit. Bertelsmann respektiere die Ankündigung der GBL, sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Gunter Thielen, am Mittwoch in Berlin. „Mehr wissen wir nicht. Wir führen auch keine Gespräche mit ihnen“, sagte Thielen. Ein Börsengang gilt vor allem beim Mehrheitsgesellschafter, der Familie des Firmenpatriarchen Reinhard Mohn, als unbeliebt.

Bertelsmann hat nach Angaben von Finanzvorstand Thomas Rabe im vergangenen Jahr rund 2,5 Mrd. Euro investiert, davon brutto 1,7 Mrd. Euro in Zukäufe. Der Konzern habe in den nächsten drei Jahren einen Investitionsspielraum von weiteren rund 2 Mrd. Euro über das aktuelle Geschäft hinaus. Für das laufende Jahr erwartet der Konzern weiteres Wachstum bei Umsatz und Ertrag. Es werde jedoch vor allem aus den bereits 2005 getätigten Investitionen und aus sinkenden Restrukturierungskosten für das Buchclubgeschäft (Direct Group) sowie die Musiksparte Sony BMG kommen. Die operative Umsatzrendite soll 2007 auf 10 Prozent von erzielten 9 Prozent im Jahre 2005 steigen, sagte Rabe.

Der Umsatz erhöhte sich 2005 um 5,1 Prozent auf rund 17,9 Mrd. Euro. Dazu trugen zur Hälfte Akquisitionen beit. Lediglich die Musiktochter BMG musste auf Grund der Schwäche des Musikmarktes Umsatzeinbußen von 16,5 Prozent auf 2,1 Mrd. Euro hinnehmen, die durch das digitale Geschäft nicht ausgeglichen werden konnten. Die Zahl der Mitarbeiter im Konzern wuchs weltweit um rund 10 000 auf 88 000. In Deutschland seien 1 000 Stellen neu geschaffen worden.

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