Bilanz
Um Infineon steht's schlimmer als gedacht

Der Chipkonzern Infineon ist im abgelaufenen Geschäftsjahr 2004/2005 tief ins Minus gerutscht. Allerdings verhinderte gerade die Speicherchip-Sparte, die abgespalten werden soll, letztlich ein noch größeres Fiasko.

HB MÜNCHEN. Im abgelaufenen Geschäftsjahr, das am 30. September endete, sei ein Fehlbetrag von 312 Mill. Euro verbucht worden, teilte Infineon am Freitag in München mit. Im Jahr zuvor hatte Europas größter Chipkonzern noch 61 Mill. Euro Gewinn gemacht. Das Minus fiel größer aus als von vielen Analysten erwartet. Der Verlust vor Steuern und Zinsen (Ebit) betrug 183 Millionen Euro nach einem Gewinn von 256 Millionen Euro. Der Umsatz ging um 6 Prozent auf knapp 6,8 Mrd. Euro zurück.

Allerdings: Die Speicherchip-Sparte, die nun abgespalten werden soll, kehrte im Schlussquartal operativ in die schwarzen Zahlen zurück. Das Ebit lag bei 34 Mill. Euro nach einem Verlust von 125 Mill. Euro im dritten Quartal. Infineon begründete die positivie Entwicklung mit höheren Verkäufen und leicht gestiegenen Preisen. Im Geschäft mit Kommunikationschips verbuchte Infineon dagegen im Schlussquartal erneut einen operativen Verlust von 46 Mill. Euro nach einem Minus von 88 Mill. Euro im Quartal zuvor. Insgesamt lag Infineon im vierten Quartal operativ mit 43 Mill. Euro im Minus, immerhin weniger als die 234 Mill. Euro Verlust im dritten Quartal. Unterm Strich schrieb Infineon im Schlussquartal rote Zahlen von 100 Mill. Euro.

„Im Geschäftsjahr 2005 haben wir beträchtliche Fortschritte bei der Kostenreduktion sowie der Verschlankung des Unternehmens gemacht“, sagte Firmenchef Wolfgang Ziebart. Die Effekte dieser Maßnahmen seien durch den starken Preisdruck auf dem Chipmarkt und durch den Verlust von Marktanteilen bei Mobilfunkkunden aber mehr als aufgehoben worden.

Apple kauft den Speichermarkt leer: Infineon hat das Milliardengeschäft mit MP3-Playern und Co. verschlafen.

Die Zahlen kommen nur einen Tag nachdem der Infineon-Aufsichtsrat der Aufspaltung des Konzerns zugestimmt hat. Das schwankende Speichergeschäft wird von der Logiksparte getrennt. Die Speicher sollen als eigenes Unternehmen an die Börse kommen, teilte Infineon mit. Nach Angaben aus Unternehmenskreisen will Unternehmenschef Wolfgang Ziebart schon in den nächsten Tagen Investoren besuchen, um für seinen Kurs zu werben.

Infineon will nach dem geplanten Börsengang seiner Speichersparte zunächst die Mehrheit an dem neuen Unternehmen behalten. Eine Reihe von Lizenz- und Patenvereinbarungen sei nur gültig, solange Infineon die Mehrheit habe, sagte Ziebart am Freitag in München. Erst wenn diese Fragen geklärt seien, werde Infineon sich in eine Minderheitenposition zurückziehen oder sich von allen Anteilen trennen.

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