Bilanz zur Deutschen Telekom

So weit so gut

Die Telekom hat wieder gute Quartalszahlen vorlegt. Der Konzern wächst, nicht zuletzt wegen seiner US-Tochter. Jedoch braucht der Konzern auch eine Langfrist-Perspektive – und mehr Geschwindigkeit. Eine Analyse.
Telekom-Chef Timotheus Höttges braucht eine Langfrist-Strategie. Quelle: dpa
Deutsche Telekom

Telekom-Chef Timotheus Höttges braucht eine Langfrist-Strategie.

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Der Chef der Deutschen Telekom liebt klare, strukturierte Aussagen. Selbst wenn er auf Fragen antwortet oder bei spontanen Vorträgen nummeriert Timotheus Höttges seine Argumente gerne durch. An diesem Donnerstag etwa erklärt er bei seiner Rede zur Vorstellung der Bilanz des dritten Quartals, anhand von genau vier strategischen Stoßrichtungen wie der Konzern in der Umsetzung seiner Strategie vorangekommen sei, selbst wenn dies so nicht im Manuskript stand.

Diesem Wunsch nach Struktur Folge tragend, ist folgende Analyse der derzeitigen Lage der Deutschen Telekom auf vier Punkte fokussiert.

Erstens: Die Geschäftsentwicklung
Die Telekom hat wieder einmal gute Quartalszahlen vorgelegt – und das weiß man in Bonn auch. Der Konzern verdiente im dritten Quartal mit 809 Millionen Euro rund 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Bei fast allen wichtigsten Finanzkennzahlen sei man zweistellig gewachsen, erklärte Finanzvorstand Thomas Dannenfeldt bei der Präsentation der Zahlen, außer beim Umsatz, der um 9,3 Prozent auf rund 17,1 Milliarden Euro anstieg. „Das muss uns erst mal einer nachmachen“, erklärte er stolz. Man sei auf klarem Kurs zur Jahresprognose. Auch das operative Geschäfts habe sich „sehr erfreulich“ entwickelt.

Eine besondere Betonung legt Dannenfeldt dabei darauf, dass man trotz der um 15 Prozent gestiegenen Investitionen „genau auf Linie des vom Kapitalmarkt erwarteten Wachstums für den Free Cashflow in 2015 liege.“ Die Telekom hatte im Februar dieses Jahres angekündigt, dass diese Summe bis 2018 um durchschnittlich zehn Prozent im Jahr steigen soll. In den ersten drei Quartalen dieses Jahres lag der Free Cashflow mit 3,5 Milliarden Euro 12,4 Prozent über dem Vorjahreswert. Dabei investierte die Telekom im gleichen Zeitraum mit 7,8 Milliarden Euro 15,5 Prozent mehr als im Vorjahr.

„Diese immensen Investitionen gehen nicht zu Lasten anderer Stakeholder“, erklärte Konzernchef Höttges. Man habe die Aktionärsvergütung klar im Blick. 50 Cent pro Aktie Dividende will die Telekom ihren Anteilseigner laut Ankündigung von Jahresbeginn zahlen - mindestens. Trotz dieser Beteuerung und obwohl die Telekom mit ihren Zahlen die Erwartungen der Analysten traf, fiel zwischenzeitlich der Wert der Aktie um fast drei Prozent, weil viele Aktionäre sich die Gewinne der vergangenen Wochen sichern wollten. Der Preis der Aktie war innerhalb der vergangenen vier Wochen um zwölf Prozent gestiegen. Zum Amtsantritt von Timotheus Höttges am 1. Januar 2014 war das Papier rund 12 Euro Wert, heute sind es knapp 17 Euro.

Der Augenmerk von Höttges und Dannenfeldt auf die Zufriedenheit der Anteilseigner sehen jedoch einige Branchenbeobachter mit Besorgnis. Der Mann an der Spitze hätte in den vergangenen 21 Monaten vor allem das Portfolio bereinigt und den Konzern konsolidiert, was gut und nötig gewesen sei, allerdings mangele es an größeren Investitionen in zukunftsträchtige Geschäftsmodelle. Zwar gebe es einige Ansätze, diese würden aber wahrscheinlich bei weitem nichtausreichen.

2015 war das Rekord-Übernahmejahr
Marriott kauft Starwood
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Die Hotelkette Marriott International übernimmt den Konkurrenten Starwood Hotels & Resorts für umgerechnet gut 12 Milliarden Dollar. Gemeinsam wäre das neue Unternehmen mit über 5.500 Hotels mit 1,1 Million Zimmern der neue Branchenprimus. Es ist der größte Deal in der Hotellerie seit dem Kauf von Hilton durch den Finanzinvestor Blackstone 2007. Doch in diesem Jahr gab es noch einige dickere Geschäfte...

Air Liquide übernimmt Airgas
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Mit einer Milliarden-Übernahme will der französische Gase-Hersteller Air Liquide dem deutschen Konkurrenten Linde den globalen Spitzenplatz in der Branche streitig machen. Die Franzosen verständigten sich mit dem Management des US-Unternehmens Airgas auf einen Preis von 143 US-Dollar je Aktie. Der Deal hat inklusive der Schulden von Airgas ein Volumen von 13,4 Milliarden Dollar.

Vonovia will Deutsche Wohnen übernehmen
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Die größte deutsche Transaktion des Jahres fällt vergleichsweise bescheiden aus. Der Wohnungskonzern Vonovia bietet 15,6 Milliarden Dollar für Deutsche Wohnen.

Abbvie kauft Pharmacyclics
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In der US-Pharmabranche grassiert sichtbar die Konsolidierungswelle. Anfang März griff Abbvie bei Pharmacyclics zu, um die eigene Sparte Krebsforschung auszubauen. Im Mai wurde der Deal abgeschlossen: Das Geschäft ist 21 Milliarden Dollar schwer.

Quelle: Dealogic/Thomson Reuters/Handelsblatt Research Institute

Ace kauft Chubb
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Der Versicherer Ace mit Sitz in Zürich zeigte im Juli Interesse für den Wettbewerber Chubb aus den USA. Gemeinsam wollen die beiden Unternehmen zu einem globalen Schwergewicht in der Sachversicherung werden. Nach der Übernahme soll Ace 70 Prozent am fusionierten Konzern halten. Der Preis für den Deal beträgt rund 28 Milliarden Dollar.

Wells Fargo kauft Finanzsparte von General Electric
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Der Siemens-Konkurrent General Electric verkauft sein Spezial-Finanzportfolio an die US-Bank Wells Fargo – Vermögenswerte von rund 28 Milliarden Euro wechseln den Besitzer. Mit einem Kaufpreis von über 30 Milliarden Euro sei der Deal bislang die größte Transaktion für GE. Das Geschäft soll bis zum ersten Quartal 2016 abgeschlossen sein.

Shire bietet für Baxalta
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Shire will führender Spezialist für Medikamente gegen seltene Krankheiten werden. Deshalb will der in Irland ansässige Arzneimittelhersteller für etwa 30 Milliarden Dollar den US-Rivalen Baxalta schlucken. Das Vorhaben soll trotz Widerstands im Baxalta-Management vorangetrieben werden.

Zweitens: Die Infrastruktur

Es stehen weiter hohe Investitionen an. Zum einen will die Telekom bis 2018 ihr gesamtes Netz auf die All-IP-Technologie umstellen, alle Telefonate laufen dann digital über das Internetprototkoll. Diese Umstellung nehmen derzeit weltweit viele Telekommunikationsanbieter vor, wenn auch zum Teil mit weniger Zeitdruck, weil mit der neuen Technik neue Produkte schneller und einfach beim Kunden installiert werden können und die gesamte Infrastruktur kostengünstiger betrieben werden kann. Da die Telekom gleichzeitig auch alle ihre europäischen Töchter auf All-IP umstellt, können in Zukunft etwa Kunden in Griechenland einfach Serviceleistungen aus Bonn bekommen.

Derzeit hat die Telekom 37 Prozent der Anschlüsse umgestellt, alleine 860.000 in den vergangenen drei Monaten. Doch auch wenn dies beeindruckende Zahlen sind, noch sind die Bonner ein gutes Stück von ihrem Ziel entfernt. Es müssen etwa noch ein Großteil der Geschäftskunden auf die neue Technik umgestellt werden, dort ist der Prozess jedoch oftmals schwieriger, weil diese Kunden etwa auch Aufzüge oder Alarmanlagen über die Telefonanlage steuern. Konkurrent Vodafone buhlt bereits um diese Nutzer, in dem sie ihnen verspricht, sie nicht zwangsläufig bis 2018 umzustellen, während die Telekom ihren Kunden zur Not auch den Vertrag kündigt.

Gleichzeitig baut die Deutsche Telekom sowohl ihr mobiles Breitband, als auch das Festnetz aus. Laut Konzernchef Höttges erreichen Sie mit ihrem besonders schnellen LTE-Netz mittlerweile 87 Prozent der Bevölkerung. Für die gute Netzqualität räumen die Bonner immer wieder Preise ein. Das ist eines der wichtigsten Themen für den Vorstandsvorsitzenden: „Wir differenzieren uns über die Netzqualität“, sagte er.

Im Festnetz gilt es für die Deutsche Telekom jedoch noch einige Kämpfe zu gewinnen. Auf der einen Seite machen die Kabelanbieter den Bonnern zunehmend Marktanteile streitig. Sie können über ihre Netze hohe Downloadraten anbieten, mit denen die Telekom über ihr in großen Teilen noch vorhandenes Kupferkabelnetz nur schwer mithalten kann.

Deswegen setzt sie auf unter anderem auf eine Technik (Vectoring), die darüber höhere Bandbreiten ermöglicht. Diese kann aber immer nur ein Anbieter pro Schaltkasten einsetzen. Im Frühjahr hatte die Telekom bei der Bundesnetzagentur darum beantragt, gewisse Bereiche exklusiv ausbauen zu dürfen. Dafür hat sie eine Investitionssumme von einer Milliarde Euro zugesichert, sollte die Behörde ihren Antrag positiv bescheiden. Doch darum ist ein großer Streit entbrannt.

Bei der Regulierung hat Höttges derzeit Spielraum
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