Bilanzen wohl falsch
Apple schockt Aktionäre

Der US-Computerbauer Apple muss möglicherweise die Gewinne der zurückliegenden Jahre korrigieren – und wenn, dann nach unten. Aus diesem Grund hält das Unternehmen auch seine endgültige Quartalsbilanz zurück. Die Meldung traf die Börse wie ein Schlag; die Aktie brach ein.

HB/pos LOS ANGELES. Apple erklärte am frühen Freitagmorgen, man habe weitere Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung von Aktienoptionen entdeckt. Alle seit dem 29. September 2002 veröffentlichten Finanzberichte könnten betroffen sein. Wie hoch die finanziellen Auswirkungen seien, sei noch unklar. Wegen der neuen Unregelmäßigkeiten verschob das Unternehmen zudem die Vorlage endgültiger Ergebnisse für das am 1. Juli beendete dritte Geschäftsquartal; vorläufige Zahlen liegen bereits vor. Die zuletzt stark gestiegenen Apple-Aktien fielen nachbörslich um 6,6 Prozent.

Apple – bekannt für eine Mac-Computer und iPod-Musikspieler – hatte bereits Ende Juni mitgeteilt, es habe eine interne Untersuchung im Zusammenhang mit Unregelmäßigkeiten bei Aktienoptionen in den Jahren 1997 bis 2001 eingeleitet. Dabei gehe es auch um eine später zurückgenommene Zuteilung an Konzernlenker Steve Jobs, hatte es damals geheißen.E in unabhängiger Berater war angeheuert und die US-Börsenaufsicht informiert worden.

Für Publikumsliebling Apple ist der Schaden groß. Im Silicon Valley wird Computer-Legende und Apple-Chef Jobs gerne respektvoll der „One Dollar Man“ genannt. Seit Jahren arbeitet er für nur einen symbolischen Dollar und bezieht auch keine Boni. Und gerade erst hat der High-Tech-Milliardär mitgeteilt, dass er auf seine Vergütung als Mitglied im Verwaltungsrat des Disney-Konzerns verzichten wird. Seit er seine Pixar-Aktien in Disney-Anteile umgetauscht hat, ist er größter Aktionär des Micky-Maus-Imperiums. In dieses Bild würden manipulierte Optionspläne überhaupt nicht hinein passen. Apple teilte vorsorglich mit, dass ein Steve Jobs betreffender Plan im Untersuchungszeitraum schon vor langem annulliert worden sei und zu keinem finanziellen Vorteil geführt habe.

Apple verdiente glänzend

Ein Apple-Sprecher sagte dem „Wall Street Journal“ am Donnerstag, man werde keine weiteren Angaben bis zum Abschluss der Untersuchungen machen.

Apple hatte für das dritte Quartal Mitte Juli dank der ungebrochen starken Nachfrage nach dem iPod und besseren Mac-Verkäufen einen Gewinnsprung von 48 Prozent auf 472 Mill. Dollar gemeldet. Der Umsatz kletterte um 24 Prozent auf 4,37 Mrd. Dollar.

Vor allem wegen glänzender Geschäfte mit dem iPod hatte Apple in den vergangenen vier Jahren einen Nettogewinn von insgesamt 3,1 Mrd. Dollar (2,4 Mrd. Euro) ausgewiesen und den Wert seiner Aktien in dem Zeitraum fast verzehnfacht.

Apple ist nicht das einzige schwarze Schaf

Die US-Börsenaufsicht hat mittlerweile mehr als 80 Unternehmen identifiziert, die ihrer Ansicht nach Optionspläne manipuliert haben sollen. So sollen Anfangs- oder Endzeitpunkte nachträglich geändert oder die Volumina für besonders gute Zeiträume aufgestockt worden sein. Dabei sind Änderungen an Optionsplänen nicht grundsätzlich verboten, sie müssen jedoch von der SEC genehmigt werden. Viele der betroffenen Unternehmen sind unbekannte High-Tech-Firmen. Allerdings gehören mit dem Computerkonzern Apple nun auch bekannte Namen wie die Softwarefirmen Intuit und CA zu den Problemfällen.

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