„Bild“-Konzern verzichtet Kauf von Wirtschaftszeitung
Axel Springer macht Rückzieher in Polen

Der Medienkonzern Axel Springer hat bei seiner Expansion im Ausland einen Rückschlag erlitten. Nach Monaten des Prüfens hat der Berliner Printriese im letzten Moment auf ein Angebot für die Übernahme des polnischen Wirtschaftsblatts "Rzeczpospolita" verzichtet. Das bestätigte ein Sprecher des "Bild"-Konzerns dem Handelsblatt auf Anfrage.

DÜSSELDORF. Zu den Gründen machte Axel Springer keine Angaben. In Bieterkreisen ist die aber Rede davon, dass die Bilanz des verlustreichen Zeitungsverlags in Warschau schlechter als erwartet war. Offenbar wurden erst vor kurzem die Bücher genauer unter die Lupe genommen.

Der polnische Staat will seit langem seinen 85-prozentigen Anteil an dem defizitären Unternehmen PWR veräußern. PWR hält wiederum knapp 49 Prozent am Verlag Presspublica, in dem "Rzeczpospolita" und das Wirtschaftsmagazin "Parkie" erscheinen. Die restlichen 51 Prozent gehören dem angeschlagenen Medienkonzern Mecom des britischen Verlegers David Montgomery. Nach Angaben aus Branchenkreisen soll sich Springer auf für den Mehrheitsanteil von Montgomery - dem früheren Verleger der "Berliner Zeitung" - interessierst haben. Springer ist in Polen mit dem Boulevardblatt "Fakt" (Auflage 484 000 Exemplare) und der Qualitätszeitung "Dziennik" (Auflage 156 000 Exemplare) der führende ausländische Zeitungsverlag.

Erst in der vergangenen Woche hatte Springer-Chef Mathias Döpfner bei der Vorlage der Jahresbilanz der Expansion im Ausland und im Internet höchste Priorität eingeräumt. "Wir werden die vermutlich einmalige Chance nutzen, attraktive Assets zu sehr günstigen Bewertungen zu erwerben", sagte der langjährige Vertraute der Mehrheitsgesellschafterin Friede Springer. Er sprach bei entsprechenden Möglichkeiten von Zukäufen in Bereich von 300 bis 400 Mio. Euro. "Ich gehe davon aus, dass sich in den kommenden Monaten Gelegenheiten für antizyklische Investitionen ergeben werden", sagte Döpfner. An Geld mangelt es dem Konzern nicht. Springer hatte erst im Februar durch den Verkauf von Minderheitsbeteiligungen an einer Reihe von Regionalzeitungen 315 Mio. Euro eingenommen.

Döpfner hatte unterdessen gestern bekannt gegeben, dass sein Potsdamer Museum zum 20. Jahrestag des Mauerfalls im November seine Pforten öffnen werde. Sein Museum in der Villa Schöningen, der zur Zeit renoviert wird, soll auch die Geschichte der nahen Glienicker Brücke dokumentieren. Das Bauwerk wurde durch den Agentenaustausch im Kalten Krieg berühmt. Döpfner lebt seit elf Jahren in Potsdam.

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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