„Bild“ muss zahlen
Kachelmann erstreitet höchstes Schmerzensgeld aller Zeiten

Jörg Kachelmann triumphiert vor Gericht: Der Wettermoderator hat von der „Bild“-Zeitung 635.000 Euro Schmerzensgeld erstritten – die höchste in Deutschland jemals gezahlte Summe.

KölnDas Landgericht Köln hat heute über den Schmerzensgeldstreit zwischen Jörg Kachelmann und dem Medienhaus Axel Springer entschieden und wie erwartet zugunsten des Meteorologen entschieden. Allerdings fiel die Entschädigung mit 635.000 Euro wesentlich geringer aus als die von Kachelmann geforderte Rekordsumme in Höhe von 2,25 Millionen Euro – trotzdem ist sie die höchste, die jemals in Deutschland gezahlt wurde.

Diese höchste Schmerzensgeldforderung der Mediengeschichte verlangte Kachelmann von Bild und Bild.de als Ausgleich für unwahre und Persönlichkeitsrechte verletzende Berichterstattung im Rahmen des Mannheimer Strafprozesses gegen ihn. Kachelmann wurde der Vergewaltigung beschuldigt und 2011 freigesprochen.

Vergleichsgespräche zwischen Axel Springer-Vertretern und Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker sind mehrfach gescheitert. Beim ersten Gütetermin im März dieses Jahres entließen die Richter die Parteien mit dem Hinweis, dass es zwar ein Urteil pro Kachelmann geben würde, wiesen aber auch darauf hin, dass dieses nicht bis an die Forderungen des ehemaligen Wettermannes der ARD heranreichen wird. Letztlich ging es von den hunderten Beanstandungen um 26 Print- und 21 Onlinefälle, bei denen das Gericht schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzungen für möglich gehalten hatte. Immer noch eine „außergewöhnliche Dimension“, wie der Vorsitzende Richter Dirk Eßer damals betonte.

So außergewöhnlich ist auch die nun entstandene Geldentschädigung, die das Gericht ermittelt hat. Zwar liegt die Entschädigung in Höhe von 635.000 Euro unter Kachelmanns symbolträchtiger Forderung. Sie ist aber trotzdem die höchste Schmerzensgeldzahlung, die hierzulande jemals erstritten wurde – und zwar deutlich. Zum Vergleich: Die bis dahin höchste von einem deutschen Gericht zugesprochene Schmerzensgeldsumme wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen erstritt 2009 das schwedische Königshaus, vertreten durch den Hamburger Rechtsanwalt Matthias Prinz, und betrug 400.000 Euro. Das Oberlandesgericht Hamburg befand in seinem Urteil damals, dass der Klambt-Verlag, dessen Medien angeklagt wurden, die Persönlichkeitsrechte von Prinzessin Madeleine jahrelang rücksichtslos verletzte. Beanstandet wurden fast 90 Artikel.

Im Vorfeld der heutigen Urteilsverkündung, die in der Geschäftsstelle des Gerichts stattfand, verwies eine Springer-Sprecherin gegenüber der dpa darauf, dass das Gericht auch den Vorwurf verworfen habe, dass es sich bei der Berichterstattung um eine Kampagne gegen Kachelmann gehandelt hatte. Für Bild saß damals die Feministin Alice Schwarzer als Reporterin im Gerichtssaal. Auch erklärte Springer, dass man bereits ein Berufungsverfahren vorbereite, „da wir unsere umfassende Berichterstattung über das Strafverfahren gegen Jörg Kachelmann nicht auf diese Weise diskreditiert sehen möchten“. Das dürfte nun bedeuten, dass das heutige Urteil nicht rechtskräftig wird und sich die Parteien vor dem Oberlandesgericht wiedertreffen werden.

Beigelegt sind die Streitigkeiten zwischen Jörg Kachelmann und den Burda-Medien Bunte und Focus Online. Beide Parteien haben sich ohne Gütetermin außergerichtlich geeinigt und über die Höhe der Entschädigung Stillschweigen vereinbart. Kachelmann forderte damals von beiden Medien zusammen eine Million Euro.

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