„Bild“ muss zahlen

Kachelmann erstreitet höchstes Schmerzensgeld aller Zeiten

Jörg Kachelmann triumphiert vor Gericht: Der Wettermoderator hat von der „Bild“-Zeitung 635.000 Euro Schmerzensgeld erstritten – die höchste in Deutschland jemals gezahlte Summe.
Der Wettermoderator hatte vor Gericht Erfolg gegen den Springer-Verlag. Quelle: dpa
Jörg Kachelmann

Der Wettermoderator hatte vor Gericht Erfolg gegen den Springer-Verlag.

(Foto: dpa)

KölnDas Landgericht Köln hat heute über den Schmerzensgeldstreit zwischen Jörg Kachelmann und dem Medienhaus Axel Springer entschieden und wie erwartet zugunsten des Meteorologen entschieden. Allerdings fiel die Entschädigung mit 635.000 Euro wesentlich geringer aus als die von Kachelmann geforderte Rekordsumme in Höhe von 2,25 Millionen Euro – trotzdem ist sie die höchste, die jemals in Deutschland gezahlt wurde.

Diese höchste Schmerzensgeldforderung der Mediengeschichte verlangte Kachelmann von Bild und Bild.de als Ausgleich für unwahre und Persönlichkeitsrechte verletzende Berichterstattung im Rahmen des Mannheimer Strafprozesses gegen ihn. Kachelmann wurde der Vergewaltigung beschuldigt und 2011 freigesprochen.

Das sind die Giganten der Medienwelt
Gute Unterhaltung aus den USA?
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Fernsehsender, Zeitungen, Kinostudios – und zunehmend Online-Dienste: Medien sind ein Milliardengeschäft – im Foto eine Szene aus „The Late Show“ mit David Letterman (rechts) und US-Präsident Barack Obama (links) zu Gast. Auf Basis der Erlöse des Jahres 2014 hat das Berliner Institut für Medien- und Kommunikationspolitik unter Leitung des Medienwissenschaftlers Lutz Hachmeister ein Ranking der 100 größten Medienunternehmen der Welt erstellt. Wir zeigen die Top 10.

Platz 10: Apple
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Erstmals ist Apple in den Top Ten der weltgrößten Medienunternehmen. Möglich macht das eine Änderung der Systematik der Rangliste: Grundlage für die Einordnung in das Ranking waren ausschließlich die Erlöse der Abteilung iTunes, Software & Services, die bei 13,6 Milliarden Euro lagen. Bisher wurde Apple in der Liste nicht berücksichtigt.

Platz 9: Bertelsmann
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Einziges europäisches Medienunterhemen in den Top Ten ist Bertelsmann mit einem Umsatz von 16,7 Milliarden Euro. Wichtigste Erlösquelle ist die TV-Holding RTL Group. Aber den Konzern zieht es zunehmend in medienfremde Gefilde. So soll das Geschäft mit der Bildung zu einer neuen Unternehmenssäule ausgebaut werden.

Platz 8: Sony
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Mit einem Medienumsatz von 17,8 Milliarden Euro ist Sony abermals das größte nichtamerikanische Medienunternehmen der Welt. Im Gesamtkonzern des japanischen Unterhaltungselektronikriesen, zu dem das Hollywood-Studio Sony Pictures Entertainment, der Musik-Major Sony Music Entertainment sowie eine erfolgreiche Games-Sparte gehört, gewinnen Medienerlöse zunehmend an Gewicht.

Platz 7: Time Warner
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Time Warner, das einst größte Medienunternehmen der Welt, ist das Resultat mehrerer Fusionen. Zu ihm gehören das Hollywoodstudio Warner Bros. (Tom Hardy in Mad Max: Fury Road), das Verlagshaus Time Inc., die Filmproduktion New Line Cinema, der Pay-FV-Sender HBO und die TV-Holding Turner Broadcasting Systems. Das Medienhaus erlöste zuletzt 20,6 Milliarden Euro.

Platz 6: Viacom
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Viacom CBS, das auf einen Umsatz von 20,8 Milliarden Euro kommt, besteht aus zwei börsennotierten Gesellschaften, die beide von der Holding National Amusements Inc. des Firmenpatriarchen Sumner Redstone kontrolliert werden. Zu Viacom gehören die TV-Sender MTV und Nickelodeon sowie das Hollywoodstudio Paramount, zu CBS das Free-TV-Geschäft um das gleichnamige landesweite TV-Network, die TV-Produktion sowie Verlage und Außenwerbung.

Platz 5: DirecTV
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Mit einem Umsatz von 24,3 Milliarden Euro ist DirectTV der führende amerikanische Anbieter für Satelliten-Pay-TV. Das Telekommunikationsunternehmen AT&T will DirectTV für 48 Milliarden Dollar übernehmen. Dem Deal, gegen den die Video-Onlineplattform Netflix klagt, muss noch die amerikanische Kontrollbehörde FCC zustimmen.

Vergleichsgespräche zwischen Axel Springer-Vertretern und Kachelmanns Anwalt Ralf Höcker sind mehrfach gescheitert. Beim ersten Gütetermin im März dieses Jahres entließen die Richter die Parteien mit dem Hinweis, dass es zwar ein Urteil pro Kachelmann geben würde, wiesen aber auch darauf hin, dass dieses nicht bis an die Forderungen des ehemaligen Wettermannes der ARD heranreichen wird. Letztlich ging es von den hunderten Beanstandungen um 26 Print- und 21 Onlinefälle, bei denen das Gericht schwerwiegende Persönlichkeitsrechtsverletzungen für möglich gehalten hatte. Immer noch eine „außergewöhnliche Dimension“, wie der Vorsitzende Richter Dirk Eßer damals betonte.

So außergewöhnlich ist auch die nun entstandene Geldentschädigung, die das Gericht ermittelt hat. Zwar liegt die Entschädigung in Höhe von 635.000 Euro unter Kachelmanns symbolträchtiger Forderung. Sie ist aber trotzdem die höchste Schmerzensgeldzahlung, die hierzulande jemals erstritten wurde – und zwar deutlich. Zum Vergleich: Die bis dahin höchste von einem deutschen Gericht zugesprochene Schmerzensgeldsumme wegen Persönlichkeitsrechtsverletzungen erstritt 2009 das schwedische Königshaus, vertreten durch den Hamburger Rechtsanwalt Matthias Prinz, und betrug 400.000 Euro. Das Oberlandesgericht Hamburg befand in seinem Urteil damals, dass der Klambt-Verlag, dessen Medien angeklagt wurden, die Persönlichkeitsrechte von Prinzessin Madeleine jahrelang rücksichtslos verletzte. Beanstandet wurden fast 90 Artikel.

Im Vorfeld der heutigen Urteilsverkündung, die in der Geschäftsstelle des Gerichts stattfand, verwies eine Springer-Sprecherin gegenüber der dpa darauf, dass das Gericht auch den Vorwurf verworfen habe, dass es sich bei der Berichterstattung um eine Kampagne gegen Kachelmann gehandelt hatte. Für Bild saß damals die Feministin Alice Schwarzer als Reporterin im Gerichtssaal. Auch erklärte Springer, dass man bereits ein Berufungsverfahren vorbereite, „da wir unsere umfassende Berichterstattung über das Strafverfahren gegen Jörg Kachelmann nicht auf diese Weise diskreditiert sehen möchten“. Das dürfte nun bedeuten, dass das heutige Urteil nicht rechtskräftig wird und sich die Parteien vor dem Oberlandesgericht wiedertreffen werden.

Beigelegt sind die Streitigkeiten zwischen Jörg Kachelmann und den Burda-Medien Bunte und Focus Online. Beide Parteien haben sich ohne Gütetermin außergerichtlich geeinigt und über die Höhe der Entschädigung Stillschweigen vereinbart. Kachelmann forderte damals von beiden Medien zusammen eine Million Euro.

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