Billigmarke
Telekom-Tochter Congstar geht fremd

Die Billigtochter der Deutschen Telekom, Congstar, emanzipiert sich von ihrer Mutter. "Wir werden künftig per Ausschreibung entscheiden, von welchem Anbieter wir das Netz nutzen", sagte Congstar-Geschäftsführer Alexander Lautz am Rande einer Presseveranstaltung. Das bedeutet: Die Billigmarke der Bonner nutzt künftig auch Netze von fremden Anbietern, wenn diese preiswerter sind. Schon laufen erste Verhandlungen.

KÖLN. Noch in diesem Jahr soll die erste Fremdkooperation starten, Vertragsverhandlungen mit einem Konkurrenten laufen bereits. Congstar besitzt diese Freiheiten bereits seit der Gründung vor einem Jahr, will sie nun aber erstmals nutzen. Diese Unabhängigkeit markiert einen grundlegenden Wandel im Telekom-Reich. Bisher hat der Bonner Riese immer darauf geachtet, dass die Konzerntöchter sämtliche Leistungen aus dem eigenen Haus beziehen. "Das ist ein entspannterer Zugang zu solchen Fragen, als wir bisher hatten", räumt ein Telekom-Sprecher ein.

Congstar will zunächst nur Festnetzdienste bei anderen Wettbewerbern einkaufen und im Mobilfunk der Konzernschwester T-Mobile treu bleiben. Hintergrund ist der starke Preiskampf auf dem DSL-Markt. Am Dienstag hat Lautz den Preis für einen Telefonanschluss gesenkt, der auf dem Internetprotokoll basiert. Diesen Tarif kann er nach eigenen Angaben nur wirtschaftlich anbieten, wenn er dafür auch Leitungen bei günstigeren Telekom-Wettbewerbern mietet.

Die Deutsche Telekom darf ihrer Tochter keine Vorzugskonditionen gewähren, sondern muss dieselben Preise berechnen, die sie auch konkurrierenden Anbietern ohne eigenes Netz gewährt, etwa United Internet.

Die Telekom lässt ihre Billigtochter Congstar beim Netzeinkauf gewähren, damit sie sich in dem Billigsegment etablieren kann. "Das zeigt, dass in Deutschland ein hervorragender Wettbewerb bei Vorleistungen herrscht", heißt es bei der Telekom.

Der Konzern hat seine Billigtochter vor einem Jahr mit dem Ziel gegründet, dort die besonders preisbewussten Kunden aufzufangen, die der Telekom sonst ganz den Rücken kehren würden. Als Marktführer liegt der Bonner Konzern mit seinen Preisen über denen der Wettbewerber. Das bereitet ihm vor allem im klassischen Telefongeschäft große Probleme. Im vergangenen Jahr haben 2,1 Mill. Kunden ihren Anschluss bei der Deutschen Telekom gekündigt. In diesem Jahr hat sich dieser Trend sogar noch beschleunigt.

Experten verwundert die jetzt publik gewordene Unabhängigkeit der Tochter aus Köln dennoch. "Das ist aus Sicht der Telekom klar kontraproduktiv", sagt Frank Rothauge von der Privatbank Sal. Oppenheim. Schließlich wolle die Telekom nicht nur Kunden auffangen, sondern auch freie Kapazitäten in ihrem Netz nutzen.

"Es muss das Ziel des Konzerns sein, die Netzauslastung so hoch wie möglich zu halten, um ihre Fixkosten reinzuholen", argumentiert der Analyst des Kölner Bankhauses. Die Margen im klassischen Wiederverkäufergeschäft, wie Congstar es betreibt, seien sehr gering, sagte er weiter. Sie würden der Telekom nicht viel nutzen bei dem Versuch, den Kundenexitus im Festnetz auszugleichen.

Sandra Louven
Sandra Louven
Handelsblatt / Korrespondentin in Madrid
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