Bitkom-Chef Kempf
„Führe vertrauliche Gespräche nicht mehr per Handy“

Die Empörung über den möglichen Lauschangriff auf das Handy der Kanzlerin ist groß. Dieter Kempf, Chef des IT-Branchenverbands Bitkom, spricht über Datensicherheit und erklärt, warum er keine Verschlüsselung benutzt.
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Handelsblatt Online: Benutzen Sie ein Handy mit Verschlüsselungsprogramm?

Dieter Kempf: Nein. Ich habe das mal gemacht, musste aber feststellen, dass 99 Prozent der Leute, mit denen ich telefoniere, kein Mobiltelefon mit Verschlüsselungstechnik haben. Dann macht es keinen Sinn, ein solches Handy einzusetzen. Die Konsequenz daraus ist, dass ich vertrauliche Gespräche nicht mehr per Handy führe.

Sind wir zu sorglos im Umgang mit Daten?

Es ist in vielen Fällen eine Mischung aus Sorglosigkeit und Bequemlichkeit.

Wird die aktuelle Debatte daran etwas ändern?

Die Halbwertszeit der Empörung ist nach meiner Erfahrung bei den IT-Nutzern nicht gerade lange. Nun mag die aktuelle Affäre die Sensibilität etwas steigern. Insgesamt haben es die meisten privaten Nutzer aber lieber preiswert und komfortabel – und dafür weniger sicher.

Und Unternehmen?

Da gibt es sicher eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Thema Datensicherheit. Einem Unternehmen, in dem heute noch sensible Daten per ungeschützter E-Mail versandt werden, ist kaum mehr zu helfen. In dieser Hinsicht hat sich viel verändert.

Gibt es absolute Datensicherheit?

Die gibt es nicht und man kann sie auch nicht per Gesetz erzwingen. Vieles wird sich von allein regulieren. Aber es wird immer Kräfte mit kriminellen oder geheimdienstlichen Interessen geben, die alles daran setzen, herauszufinden, was Unternehmen A und Unternehmen B miteinander kommunizieren oder was Person A mit Person B bespricht. Das ist ein ewiges Hase-und-Igel-Spiel.

In Berlin und Brüssel ist häufig zu hören, die Europäer seien zu abhängig von amerikanischen IT-Unternehmen. Sehen Sie das auch so?

Der Gedanke ist nachvollziehbar, aber man muss ihn relativieren. Zunächst einmal dominieren nicht allein US-Unternehmen den Markt. Der chinesische Netzwerkanbieter Huawei beispielsweise ist mittlerweile fast so groß wie das US-Unternehmen Cisco. Außerdem haben wir als Kunden mit dazu beigetragen, dass einige Unternehmen enorme Marktanteile halten. Der Grund dafür ist meist, dass wir mit den Produkten so zufrieden sind.

Viele Politiker hegen dennoch den Gedanken, es müsse ein europäisches Google geben. Was halten Sie davon?

Das ist illusorisch. Der Entwicklungsvorsprung der großen Player in der IT-Branche ist einfach zu groß. Stattdessen sollten wir versuchen bei den nächsten Technologiewellen vorne mitzuspielen.

Und beim Thema Datensicherheit?

Da gibt es gerade in Deutschland sehr leistungsfähige Anbieter. Und wir haben hierzulande drei Fraunhofer-Institute, die sich mit Kryptologie und Datensicherheit befassen. Aber da entsteht kein zweites Google. Das Thema Datensicherheit wird immer ein Nischenthema bleiben.

Klaus Stratmann berichtet als Korrespondent aus Berlin.
Klaus Stratmann
Handelsblatt / Korrespondent

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