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Blackberry 10: Effizient, sicher und keine Spaßbremse

Solide, aber langweilig: Blackberrys haben nicht den besten Ruf. Hersteller RIM will das ändern und stellt heute neue Geräte und ein rundum erneuertes Betriebssystem vor. Was die Software kann – ein erster Einblick.

Damit es für die neuen Blackberrys vom Start weg viele Apps gibt, werben RIM-Chef Thorsten Heins und sein Team um die Entwickler. Quelle: Reuters
Damit es für die neuen Blackberrys vom Start weg viele Apps gibt, werben RIM-Chef Thorsten Heins und sein Team um die Entwickler. Quelle: Reuters

DüsseldorfResearch in Motion hat ein Image-Problem. Seine Blackberry-Smartphones gelten als effiziente und sichere E-Mail-Maschinen im Berufsalltag – aber nicht als Lifestyle-Geräte für die Freizeit. Das will das kanadische Unternehmen, das sich in Blackberry umbenennt, ändern: Die Geräte der neuen Generation sollen die Arbeit erleichtern, aber auch Spaß machen.

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Das Modell Q10 hat wie die klassischen Blackberry-Geräte eine Tastatur, das zweite neue Smartphone Z10 stattdessen einen großen berührungsempfindlichen Bildschirm – bislang war so etwas bei RIM selten zu sehen. Im Mittelpunkt steht aber das neue Betriebssystem Blackberry 10. Was kann die Software? Die wichtigsten Funktionen im Überblick.

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Blackberrys sind als E-Mail-Maschinen bekannt geworden. Mit dem neuen Betriebssystem werden die Geräte zu multimedialen Alleskönnern: In der neuen Kommunikationszentrale – dem Blackberry Hub – sind auch Kurznachrichten, Facebook- oder LinkedIn-Meldungen, verpasste Anrufe und aktuelle Kalendereinträge zu sehen. Die Vision dahinter beschreibt RIM-Produktmanager Ulrich Brünger: „Wenn ich im Hub bin, verpasse ich nichts mehr.“ Öffnen lässt sich die Oberfläche mit einer einzigen Geste.

Schnell tippen auch ohne Tastatur

Das erste neue Gerät hat keine physikalische Tastatur – für RIM ein Kulturbruch, waren die kleinen schwarzen Tasten doch das Markenzeichen der Blackberrys. Doch das Unternehmen hat einige Features entwickelt, die das Tippen auf dem Touchscreen erleichtern sollen. Auf Grundlage von Texten wie alten E-Mails und Facebook-Nachrichten erstellt die Software ein persönliches Wörterbuch und kennt somit vom Start weg ungewöhnliche Namen oder Fachchinesisch – ohne dass Nutzer die Begriffe dem Lexikon mühsam beibringen müssen. Häufige Tippfehler korrigiert die Software automatisch.

Außerdem werden gleich diverse Begriffe vorgeschlagen, die der Nutzer möglicherweise eintippen will – und zwar intelligent angeordnet. Ein Beispiel: Wenn man „ha“ eingibt, taucht über dem Buchstaben „l“ der Vorschlag „Hallo“ auf, beim „u“ hingegen „Haus“. Bis zu zwei Drittel Tastaturanschläge soll das System nach Einschätzung von RIM einsparen können.

Der Abstieg von Blackberry

  • Ein unterschätzter Konkurrent

    Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

  • Erstes Blackberry ohne Tasten

    Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

  • Neues Betriebssystem

    RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

  • Ein Konkurrent fürs iPad?

    RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

  • Der Brain Drain beginnt

    RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

  • Serverausfall erschüttert Vertrauen

    Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

  • Probleme mit dem neuen System

    Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

  • Die Chefs treten ab

    Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

  • Neue Geräte, neues Glück?

    Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte. Doch der Absatz bleibt hinter den Erwartungen zurück, der Marktanteil fällt immer weiter.

  • Neuer Chef krempelt Blackberry um

    Im August 2013 macht Blackberry öffentlich, dass ein Sonderkomitee Optionen für die Zukunft des Unternehmens auslotet. Neben einer Partnerschaft ist auch ein Verkauf möglich. Die kanadische Finanzfirma Fairfax will den Hersteller übernehmen, am Ende stellt sie aber mit anderen Investoren eine Milliarde Dollar frisches Geld. Der deutsche Chef Thorsten Heins geht im November 2013, der frühere Symbian-Chef John Chen übernimmt.

Sicherheit und Spaß zugleich

Die alten Blackberrys sind zugleich geliebt und verhasst: Die System-Administratoren schwören auf die Geräte, weil diese ein hohes Maß an Sicherheit versprechen und sich passgenau in die Firmen-IT einbinden lassen. So mancher Nutzer beklagt aber, dass er mit seinem Handy nicht viel machen kann – außer E-Mails abrufen und telefonieren. Das iPhone und die vielen Androiden bieten bislang weitaus mehr Funktionen.

Blackberry 10 soll Sicherheit und Spaß zugleich bieten. „Es gibt zwei Bereiche, die bis auf die Betriebssystemsebene komplett voneinander getrennt sind“, erklärt RIM-Manager Brünger. Ist der Geschäftsmodus aktiviert, läuft die gesamte Kommunikation verschlüsselt über die Server der eigenen Firma. Hier regiert der Administrator: Er entscheidet, welche Anwendungen erlaubt sind; wenn ein Gerät verloren geht, kann er sämtliche Geschäftsdaten löschen. Die Einrichtung sei sehr einfach, sagt Brünger – für die IT-Abteilungen ein wichtiges Kriterium. Im privaten Bereich hat dagegen der Nutzer das Sagen.

 

Apps und Inhalte

Apps sind ein wichtiges Kaufargument – sie machen das Handy zur Wetterstation oder Spielkonsole, zum Navigationssystem oder Diktiergerät. Damit Nutzer der ersten Stunde einige Auswahl haben, wirbt RIM seit einigen Monaten um die Fachwelt. „Es gibt dezidierte Teams, die mit den wichtigsten App-Entwicklern in einem Land sprechen“, sagt Brünger. Mehr als 70.000 Apps sollen zum Start in der Blackberry World stehen – darunter Hits wie Skype, WhatsApp oder Angry Birds. Ob das reicht? Zum Vergleich: Im App-Store von Apple und der Android-Plattform Google Play finden sich jeweils mehr als 700.000 Anwendungen.

Apps sind ein wichtiges Kaufargument – für die neuen Blackberrys stehen zum Start rund 70.000 zur Verfügung. Quelle: Reuters
Apps sind ein wichtiges Kaufargument – für die neuen Blackberrys stehen zum Start rund 70.000 zur Verfügung. Quelle: Reuters

Es gehe aber nicht allein um die Masse, sagt Brünger: „Die Qualität muss stimmen. Wir wollen eine saubere Plattform haben.“ Deswegen überprüft RIM alle Anwendungen, bevor sie auf dem Marktplatz Blackberry World angeboten werden. Eine weitere Lücke will RIM bald schließen: Die Plattform soll künftig auch Musik und Videos im Angebot haben.

Fazit

Der erste Eindruck ist richtig gut: Das Betriebssystem Blackberry 10 ist wie sein Vorgänger ein effizienter und sicherer Kommunikator, aber keine Spaßbremse. Ob RIM mit seinen neuen Geräten Erfolg hat, hängt allerdings nicht allein davon ab. Das kanadische Unternehmen muss die Entwickler wieder für sich begeistern, damit sie Apps schreiben. Und es muss die Nutzer davon überzeugen, dass die neuen Blackberrys eine echte Alternative zu iPhone, Android oder Windows Phone sind.

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