Blackberry-Krise
Nicht jeder will ein iPhone

Keine Frage, der Blackberry-Hersteller RIM steckt in der Krise. Die Nachrufe kommen aber zu früh - denn der Konzern kann Arbeitssmartphones besser als Apple. EIN KOMMENTAR VON TILL HOPPE
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Ja, Research in Motion steckt in Schwierigkeiten. Der Blackberry-Hersteller hat derzeit keine technisch wirklich wettbewerbsfähigen Smartphones auf dem Markt, deshalb verwundert es auch nicht, dass die Käufer lieber zu Apples iPhone oder Samsung-Geräten mit Googles Android-Software greifen.

Die Quittung: Das Unternehmen musste gestern Abend einen Umsatzrückgang um zwölf Prozent zum Vorquartal verkünden und seine Gewinnprognose zusammenkürzen. So etwas tolerieren die Märkte nicht, der Aktienkurs brach nachbörslich um 16 Prozent ein. RIM ist damit an der Börse nur noch halb so viel wert wie zu Beginn des Jahres.

Es drängt sich geradezu auf, jetzt mit den Abgesängen auf den Konzern zu beginnen. Die Story ist ja auch zu schön: Erst Palm, jetzt RIM, wie die Smartphone-Pioniere zu Smartphone-Dinosauriern wurden.

Trotz allem: Für einen Abgesang auf das Unternehmen, das binnen weniger Jahre zum Managerliebling wurde, ist es noch deutlich zu früh. Der Konzern hat einiges in der Pipeline, für Ende August hat das Management eine ganze Reihe neuer Geräte mit überarbeiteter Hard- und Software angekündigt, Anfang 2012 soll dann eine ganz neue technische Plattform fertig sein.

Wenn die neuen Geräte sitzen, hat RIM eine Zukunft. Wenn nicht, blüht dem Konzern tatsächlich das Schicksal Palms, das inzwischen von Hewlett-Packard aufgekauft wurde. Eine weitere Chance gewährt der Smartphone-Markt nicht, dafür entwickelt er sich viel zu schnell.

Die Blackberry-Entwickler haben in der Vergangenheit bewiesen, dass sie ein besonderes Händchen für die Bedürfnisse der Manager, ihrer Hauptklientel, haben: Konzentration auf das Wesentliche, für die Arbeit Nützliche wie etwa sichere E-Mail- und Instant-Messaging-Kommunikation. Wer sein Handy vor allem für berufliche Zwecke nutzt, braucht keine riesige Auswahl an - vor allem zum Zeitvertreib nützlichen - Apps, wie sie Apple bietet.

Wenn es RIM gelingt, diese Kernkompetenz zu bewahren - und die Mängel bei der Bedienungsfreundlichkeit abzustellen - kann der Konzern in seiner Nische gedeihen. Nicht jeder Smartphone-Nutzer will ein iPhone.

Till Hoppe
Till Hoppe
Handelsblatt / Europa - Korrespondent in Brüssel

Kommentare zu " Blackberry-Krise: Nicht jeder will ein iPhone"

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  • Ich bezweifle, dass RIM besser Business kann als Apple oder Android-Handies. Letztendlich ist es einfache Bedienung und die Möglichkeit einer fast grenzenlosen Life-Work-Integration, die vor allem für Apple-Produkte sprechen. Dies ist besonders in den Top-Etagen (CEO und CEO-1) ganz klar zu erkennen. Und die Festlegung welche Produkte am Ende im Unternehmen zum Einsatz kommen, werden dort gemacht und nicht, wie viele glauben, in einer (technokratischen) IT-Abteilung.

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