Blackberry-Neustart: Neue Handys, neues System – neues Glück?

Blackberry-Neustart
Neue Handys, neues System – neues Glück?

Blackberry war Managers Liebling. Doch heute begeistern andere Smartphones die Nutzer. Hersteller RIM versucht nun ein Comeback – mit Geräten, die sicher sind, aber trotzdem Spaß machen. Allerdings sehr spät. Zu spät?
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New YorkDie Blackberry-Macher ließen keine Zweifel daran: Sie wollten alte Zöpfe abschneiden. Bevor Research in Motion (RIM) am Mittwoch in New York seine neuen Geräte enthüllte, ließ sich ein Fan die Haare absäbeln, die er sich während der langen Wartezeit hatte wachsen lassen. Anschließend entsorgte das Unternehmen auch noch den alten Namen: „Wir werden nun weltweit Blackberry sein. Eine homogene Marke“, sagte Firmenchef Thorsten Heins.

Neuer Name, neues Betriebssystem, neue Geräte: All das ist bitter nötig. Denn RIM, das jetzt Blackberry heißt, hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Boden verloren. Die Präsentation sei daher die „wichtigste Veranstaltung in der Firmengeschichte seit 1996“, stellte die „New York Times“ fest. Und so kamen hunderte Journalisten, Analysten und Fans zu den Events in New York, London, Toronto, Paris, Johannesburg und Dubai.

Die Lage ist schwierig. Die meisten Verbraucher haben ein iPhone und Android-Gerät in der Tasche. Auch immer mehr Firmen schwenken auf die nutzerfreundlichen Geräte um – die wichtigste Klientel des kanadischen Herstellers. Darauf reagiert er nun: Die neuen Geräte – das Q10 mit Tastatur, das Z10 mit Touchscreen – samt des neuen Betriebssystems Blackberry 10 sollen das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden, Sicherheit und Effizienz, aber auch Spaß und Lifestyle. Geht es nach den Reaktion aus der Fachwelt, ist das dem Unternehmen gelungen – allerdings sehr spät. Zu spät?

RIM hat einen bemerkenswerten Aufstieg, aber auch einen ebenso bemerkenswerten Abstieg hinter sich. Ende der 1990er Jahre schufen die Tüftler in Waterloo, Kanada, den Smartphone-Markt praktisch aus dem Nichts. Das war eine Überraschung, auch für sie selbst. Der Blackberry avancierte zu Managers und Beraters Liebling. Doch als die Firma erste zaghafte Versuche unternahm, auch die Privatnutzer für seine E-Mail-Maschinen zu gewinnen, schrieb ein Unternehmen die Spielregeln komplett um: Apple. Im Januar 2007 präsentierte Firmengründer Steve Jobs das iPhone – wie gewohnt mit großen Worten.

Die RIM-Chefs nahmen ihn zunächst nicht ernst – ein Smartphone ohne Tastatur? Doch im Vergleich zum Handschmeichler von Apple und den vielen Android-Smartphones wirkten die Blackberrys bald altbacken. RIM verlor gegen die mächtigen Konkurrenten den technologischen Anschluss. Und das Unternehmen erlaubte sich einige krasse Fehler – von einem viertätigen Serverausfall bis zu einem unausgereiften Tablet-Computer, der dem iPad nicht das Wasser reichen konnte.

Das machte sich mit den Jahren bemerkbar. Im Kampf um die Gunst der privaten Nutzer steht Blackberry schon seit längerem auf verlorenem Posten. Die Auswahl an günstigeren und besseren Alternativen ist riesig, von Billig-Smartphones mit Android, die kaum mehr als 150 Euro kosten, bis hin zu Spitzenmodellen wie iPhone, Galaxy S3 oder HTC One X. Nur in einigen Schwellenländern wie Indonesien begeistert die Marke Blackberry noch die Massen.

Und im so wichtigen Geschäft mit den Firmenkunden wird die Konkurrenz immer schärfer. Zwar wollen etliche Banken und Unternehmensberatungen nicht auf den hohen Sicherheitsstandard der Blackberrys verzichten – darüber wachen die IT-Administratoren streng. Doch immer öfter bestimmen Manager und Mitarbeiter, welche Handys die Firmen anschaffen. Teils dürfen sie sogar ihre eigenen Geräte mitbringen, was den Unternehmen Geld spart. „Bring your own device“, wird dieser Trend genannt: Bringe Dein eigenes Gerät mit. Meist halten iPhones und flotte Androiden Einzug in die Firmen, nicht Blackberrys.

So bröckelt der RIM-Absatz immer weiter, im dritten Quartal 2012 verkaufte das Unternehmen nur noch 8,9 Millionen Handys; das ist fast ein Drittel weniger als die 12,7 Millionen Geräte im Vorjahreszeitraum. Um den Negativtrend umzukehren, müsse RIM wieder die Verbraucher gewinnen, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner.

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Die Reaktion kommt spät

Kommentare zu "Neue Handys, neues System – neues Glück?"

Alle Kommentare
  • Habe noch nie verstanden warum die jungs bei rim nie den sprung in dieses jahrtausend machen konnten... ich für meinen teil habe exakt darauf gewartet was sie jetzt scheinbar geschaffen haben und werde bei veröffentlichung zuschlagen wenn es das hält was es verspricht!!! :-D endlich eine alternative zu äpfeln und robotern für alle die sich nicht an ein system fesseln wollen...

  • Ach du grüne Neue, ist die Erwähnung eines Uralt-Primitiv-Handys, daß es seit Ewigkeiten nicht mehr zu kaufen gibt und bei der Generation Smartphone (ich erwähne jetzt mit Absicht nicht die amerikanische Firma mit dem Fallobst im Logo, denn das könnte ja Werbung sein :-) Oder gelten bei dieser Kult-Ikone andere Regeln?) völlig uncool ist, schon Werbung??? Ich faß es nicht...

  • Nutze BB seit knapp 10 Jahren, qualitaetsmaessig das beste Haendy insbesondere mit QWERTY Tastatur. Wenn jetzt Android apps laufen und Maps funktionieren kauf ich auch privat wieder einen (beruflich ohnehin)

  • "Wenn mir jemand nachweist, dass der schwarze Vogel, der deutsch gemanaged wird, auch mindestens 7 Jahre beschwerdelos läuft, zahle ich dafür auch eine vierstellige Summe."
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    Ich benutze ein uraltes (...) Handy von 2005. Hat mal 8 € inkl. 5 € Guthaben gekostet, hat sogar den Sturz in eine Pfütze weggesteckt und funktioniert tadellos. Der Akku schafft immer noch über 1 Woche... :-)
    Ergo: Was soll ich mit einem neuen Gerät, solange das alte 100%ig funktioniert?
    Beitrag von der Redaktion editiert. Bitte achten Sie auf unsere Netiquette: „Kommentare sind keine Werbeflächen“ http://www.handelsblatt.com/netiquette

  • Ich halte mich für smart ohne Smartphone: Zwei Gründe, weshalb ich davon bisher nicht wissen wollte: Intimität (privacy) und Sicherheit. Warum soll ich an einem Gerät keinen Gefallen finden, dass, dabei spielt der Preis fast keine Rolle, meine Daten für sich behält und mir dennoch die schöne, neue Welt erschliesst? Ich sag´s Ihnen: Die amerikanische Qualitätsphilosophie. Wenn mir jemand nachweist, dass der schwarze Vogel, der deutsch gemanaged wird, auch mindestens 7 Jahre beschwerdelos läuft, zahle ich dafür auch eine vierstellige Summe.

  • "Blackberry 10 sollen das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden, Sicherheit und Effizienz, aber auch Spaß und Lifestyle. Geht es nach den Reaktion aus der Fachwelt, ist das dem Unternehmen gelungen – allerdings sehr spät. Zu spät?"
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    Was soll der Quatsch mit "Spaß und Lifestyle"? Das überläßt man doch besser dem angebissenen Apfel. Das Ding ist ein Arbeitsgerät. Punkt. Ende.

  • Das Problem für RIM ist, das Smartphones heute mit einer ganzen Infrastruktur daherkommen. Dadurch steigt die Wechselhürde permanent. Insbesondere iPhone und Windows Phone Nutzern dürfte ein Wechsel daher schwer fallen. Android Nutzer haben sich zwar in der Regel nicht ganz so tief eingenistet, zumal ein Großteil der Google-Infrastruktur Systemunabhängig ist, leicht wird es aber auch hier nicht.

    Wenn BlackBerry 10 aber das liefert was es verspricht sollte man zumindest den Exodus stoppen können und die starke Präsenz im Business Bereich ist ein Pfund mit dem man wuchern kann. Ob es allerdings reicht um im harten Smartphonegeschäft zu überleben bleibt abzuwarten.

  • Outing....Blackberry Fan!

    Understated Leute mit dem Hang zur echten Qualität sollten das neue Blackberry unterstützen und kaufen!

    Blackberry hat es verdient!


  • Ich denke die Marke Blackberry polarisiert nach wie vor und ein starker Geschäftskundenbereich wird das Unternehmen helfen, dass das neue OS Blackberry 10 erfolgreich sein wird.

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