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Blackberry-Neustart: Neue Handys, neues System – neues Glück?

Blackberry war Managers Liebling. Doch heute begeistern andere Smartphones die Nutzer. Hersteller RIM versucht nun ein Comeback – mit Geräten, die sicher sind, aber trotzdem Spaß machen. Allerdings sehr spät. Zu spät?

New YorkDie Blackberry-Macher ließen keine Zweifel daran: Sie wollten alte Zöpfe abschneiden. Bevor Research in Motion (RIM) am Mittwoch in New York seine neuen Geräte enthüllte, ließ sich ein Fan die Haare absäbeln, die er sich während der langen Wartezeit hatte wachsen lassen. Anschließend entsorgte das Unternehmen auch noch den alten Namen: „Wir werden nun weltweit Blackberry sein. Eine homogene Marke“, sagte Firmenchef Thorsten Heins.

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Neuer Name, neues Betriebssystem, neue Geräte: All das ist bitter nötig. Denn RIM, das jetzt Blackberry heißt, hat in den vergangenen Jahren immer mehr an Boden verloren. Die Präsentation sei daher die „wichtigste Veranstaltung in der Firmengeschichte seit 1996“, stellte die „New York Times“ fest. Und so kamen hunderte Journalisten, Analysten und Fans zu den Events in New York, London, Toronto, Paris, Johannesburg und Dubai.

Der Abstieg von Blackberry

  • Ein unterschätzter Konkurrent

    Apple stellt im Januar 2007 das iPhone vor. Während Steve Jobs gewohnt großspurig von einer Revolution spricht, gibt sich Blackberry-Hersteller RIM konziliant: Nicht jeder könne auf Glas tippen, das Design der Blackberry-Geräte sei daher überlegen. Im neuen Segment der Smartphones ist RIM jedenfalls eine Bank.

  • Erstes Blackberry ohne Tasten

    Gänzlich unbeeindruckt ist RIM aber nicht: Einige Monate nach dem iPhone-Start bringt das kanadische Unternehmen sein erstes Gerät mit Touchscreen heraus, das Blackberry Storm. Es soll die RIM-Smartphones auch unter normalen Verbrauchern zum Must have zu machen. Das Gerät ist pannenanfällig und bekommt allenfalls durchwachsene Rezensionen. Trotzdem steigert RIM seinen Marktanteil weiter.

  • Neues Betriebssystem

    RIM übernimmt im April 2010 die Software-Schmiede QNX, deren Betriebssystem später die veraltete Blackberry-Software ersetzen und Smartphones, Tablets, aber auch Systeme wie Autoelektronik antreiben soll. Zu diesem Zeitpunkt steht Apple bereits kurz vor der Einführung des iPhone 4. RIM ist technologisch ins Hintertreffen geraten.

  • Ein Konkurrent fürs iPad?

    RIM äußert sich öffentlich zwar skeptisch über Tablet-Computer, arbeitet aber selbst an einem solchen Gerät. Im April 2011 kommt das Playbook heraus. Es hat bereits das neue Betriebssystem QNX an Bord, enttäuscht aber trotzdem die Fachwelt, nicht zuletzt weil anfangs Programme für E-Mail, Kalender und Adressbuch fehlen. Der Absatz verfehlt die Erwartungen, bis der Preis deutlich sinkt.

  • Der Brain Drain beginnt

    RIM kündigt im Juli 2011 an, 2000 Mitarbeiter zu entlassen – offiziell, um die „Kosten zu optimieren“. In den Vorjahren war die Belegschaft rasant gewachsen. Die Moral leidet unter den Einschnitten, viele Talente und auch etliche Führungskräfte verlassen von sich aus das Unternehmen im kanadischen Waterloo nahe der US-Grenze.

  • Serverausfall erschüttert Vertrauen

    Im Oktober 2011 fallen die Server von RIM vier Tage lang aus, weltweit haben Nutzer Probleme, auf ihre Mails und Nachrichten zuzugreifen. Die Panne trifft RIM ins Mark: Sicherheit und Zuverlässigkeit sind bisher ein Markenzeichen der kanadischen Firma. Die schlechte Krisenkommunikation sorgt für zusätzlichen Frust.

  • Probleme mit dem neuen System

    Auch das noch: RIM darf sein neues Betriebssystem aus markenrechtlichen Gründen nicht BBX nennen. Der neue Name lautet Blackberry 10, oder BB 10, wie RIM im Dezember 2011 erklärt. Zudem verschiebt die Firma den Start auf Ende 2012.

  • Die Chefs treten ab

    Der Druck wird zu groß – die langjährigen Firmenchefs Mike Lazaridis und Jim Balsilie treten im Januar 2012 zurück, bleiben aber im Verwaltungsrat. Der bisherige Vorstand Thorsten Heins, 54, übernimmt.

  • Neue Geräte, neues Glück?

    Nach mehreren Verzögerungen präsentiert RIM im Januar 2013 das neue Betriebssystem Blackberry 10 und sechs neue Smartphones. Sie sollen nicht nur Managern die Arbeit erleichtern, sondern auch Spaß machen – so wie das iPhone oder die zahlreichen Android-Geräte.

  • Käufer gesucht – frisches Geld bekommen?

    Im August 2013 macht Blackberry öffentlich, dass ein Sonderkomitee Optionen für die Zukunft des Unternehmens auslotet. Neben einer Partnerschaft ist auch ein Verkauf möglich – Blackberry schafft es nicht mehr aus eigener Kraft. Im September erhält die kanadische Finanzfirma den grundsätzlichen Zuschlag mit einem Gebot über 4,7 Milliarden Dollar, doch Anfang November wird der Verkauf abgesagt. Fairfax und andere Investoren wollen dem Unternehmen stattdessen eine Milliarde Dollar frisches Geld geben. Der deutsche Chef Thorsten Heins soll abtreten, wenn das Geld eingegangen ist.

Die Lage ist schwierig. Die meisten Verbraucher haben ein iPhone und Android-Gerät in der Tasche. Auch immer mehr Firmen schwenken auf die nutzerfreundlichen Geräte um – die wichtigste Klientel des kanadischen Herstellers. Darauf reagiert er nun: Die neuen Geräte – das Q10 mit Tastatur, das Z10 mit Touchscreen – samt des neuen Betriebssystems Blackberry 10 sollen das Beste aus beiden Welten miteinander verbinden, Sicherheit und Effizienz, aber auch Spaß und Lifestyle. Geht es nach den Reaktion aus der Fachwelt, ist das dem Unternehmen gelungen – allerdings sehr spät. Zu spät?

RIM hat einen bemerkenswerten Aufstieg, aber auch einen ebenso bemerkenswerten Abstieg hinter sich. Ende der 1990er Jahre schufen die Tüftler in Waterloo, Kanada, den Smartphone-Markt praktisch aus dem Nichts. Das war eine Überraschung, auch für sie selbst. Der Blackberry avancierte zu Managers und Beraters Liebling. Doch als die Firma erste zaghafte Versuche unternahm, auch die Privatnutzer für seine E-Mail-Maschinen zu gewinnen, schrieb ein Unternehmen die Spielregeln komplett um: Apple. Im Januar 2007 präsentierte Firmengründer Steve Jobs das iPhone – wie gewohnt mit großen Worten.

Da ist es: RIM-Chef Thorsten Heins mit einem der neuen Blackberrys. Quelle: dapd
Da ist es: RIM-Chef Thorsten Heins mit einem der neuen Blackberrys. Quelle: dapd

Die RIM-Chefs nahmen ihn zunächst nicht ernst – ein Smartphone ohne Tastatur? Doch im Vergleich zum Handschmeichler von Apple und den vielen Android-Smartphones wirkten die Blackberrys bald altbacken. RIM verlor gegen die mächtigen Konkurrenten den technologischen Anschluss. Und das Unternehmen erlaubte sich einige krasse Fehler – von einem viertätigen Serverausfall bis zu einem unausgereiften Tablet-Computer, der dem iPad nicht das Wasser reichen konnte.

Das machte sich mit den Jahren bemerkbar. Im Kampf um die Gunst der privaten Nutzer steht Blackberry schon seit längerem auf verlorenem Posten. Die Auswahl an günstigeren und besseren Alternativen ist riesig, von Billig-Smartphones mit Android, die kaum mehr als 150 Euro kosten, bis hin zu Spitzenmodellen wie iPhone, Galaxy S3 oder HTC One X. Nur in einigen Schwellenländern wie Indonesien begeistert die Marke Blackberry noch die Massen.

Und im so wichtigen Geschäft mit den Firmenkunden wird die Konkurrenz immer schärfer. Zwar wollen etliche Banken und Unternehmensberatungen nicht auf den hohen Sicherheitsstandard der Blackberrys verzichten – darüber wachen die IT-Administratoren streng. Doch immer öfter bestimmen Manager und Mitarbeiter, welche Handys die Firmen anschaffen. Teils dürfen sie sogar ihre eigenen Geräte mitbringen, was den Unternehmen Geld spart. „Bring your own device“, wird dieser Trend genannt: Bringe Dein eigenes Gerät mit. Meist halten iPhones und flotte Androiden Einzug in die Firmen, nicht Blackberrys.

Blackberry 10 Effizient, sicher und keine Spaßbremse

Blackberry-Hersteller RIM hat ein rundum erneuertes Betriebssystem entwickelt.

So bröckelt der RIM-Absatz immer weiter, im dritten Quartal 2012 verkaufte das Unternehmen nur noch 8,9 Millionen Handys; das ist fast ein Drittel weniger als die 12,7 Millionen Geräte im Vorjahreszeitraum. Um den Negativtrend umzukehren, müsse RIM wieder die Verbraucher gewinnen, sagt Annette Zimmermann, Analystin beim Marktforscher Gartner.

  • 31.01.2013, 11:56 UhrErwartungsvoll

    Habe noch nie verstanden warum die jungs bei rim nie den sprung in dieses jahrtausend machen konnten... ich für meinen teil habe exakt darauf gewartet was sie jetzt scheinbar geschaffen haben und werde bei veröffentlichung zuschlagen wenn es das hält was es verspricht!!! :-D endlich eine alternative zu äpfeln und robotern für alle die sich nicht an ein system fesseln wollen...

  • 31.01.2013, 11:22 UhrWolfsfreund

    Ach du grüne Neue, ist die Erwähnung eines Uralt-Primitiv-Handys, daß es seit Ewigkeiten nicht mehr zu kaufen gibt und bei der Generation Smartphone (ich erwähne jetzt mit Absicht nicht die amerikanische Firma mit dem Fallobst im Logo, denn das könnte ja Werbung sein :-) Oder gelten bei dieser Kult-Ikone andere Regeln?) völlig uncool ist, schon Werbung??? Ich faß es nicht...

  • 31.01.2013, 09:18 UhrOfelas

    Nutze BB seit knapp 10 Jahren, qualitaetsmaessig das beste Haendy insbesondere mit QWERTY Tastatur. Wenn jetzt Android apps laufen und Maps funktionieren kauf ich auch privat wieder einen (beruflich ohnehin)

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