Blackberry-Streit
RIM kommt Saudi-Arabien entgegen

Der Blackberry-Hersteller Research in Motion lenkt im Streit um die Datenkontrolle bei dem Smartphone offenbar ein. Um ein Verbot des Blackberry-Nachrichtendienstes zu vermeiden, habe das Unternehmen zugestimmt, saudi-arabischen Behörden die Codes für die Telefone von Kunden zu übermitteln, sagte ein Branchenvertreter der Nachrichtenagentur Reuters.
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HB RIAD. Die Idee, bei den einheimischen Telekommunikationsunternehmen Server zu installieren, habe sich als nicht praktikabel erwiesen. RIM wollte sich zunächst nicht dazu äußern.

Die Aufsicht und die drei einheimischen Telekommunikationsunternehmen hatten den Einsatz der Server geprüft, um die Blackberry-Problematik zu lösen. Anders als die übrigen Handy-Firmen lässt RIM seine Datenströme nicht über die Server eines lokalen Telefonanbieters laufen, sondern über eigene in Kanada und Großbritannien. Mit etwa 700.000 Kunden ist Saudi-Arabien RIMs größter Markt im Nahen Osten.

Saudi-Arabien und andere Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate und Indien machen ihre Kritik an Sicherheitsbedenken fest. Demnach könnten Terroristen die Technik zur Vorbereitung von Anschlägen nutzen.

In den arabischen Staaten regt sich inzwischen aber auf Seiten von Bürger- und Menschenrechtlern Widerstand gegen den staatlichen Zugriff auf das Kommunikationsmittel: "Der Blackberry hat viele wachgerüttelt", sagte Anwalt und Menschrechtler Abdel Hamid aus den Vereinigten Arabischen Emiraten. "Das Gerät hat uns viele neue Leute zugeführt, die wir vorher einfach nicht erreicht haben. Nicht alle nutzen das Internet, aber alle haben ein Telefon."

Auch der Blogger Ahmed Mansur hält das Smartphone für seine Arbeit für unverzichtbar: "Als der Blackberry eingeführt wurde, bekam ich Kurznachrichten voller Kritik an der Regierung von Leuten, die ich nie zuvor als aktiv erlebt habe. Ganz normale Leute haben damit angefangen, über Tabus in diesem Staat zu diskutieren", sagte er.

"Das lässt sich nicht so einfach abschalten", betonte Hamid. Sollten die Aktivisten nicht wie bisher ihre Smartphones nutzen können, werde das Katz- und Maus-Spiel mit den Behörden wieder aufwändiger, meinte er. Viele Bürgerrechtler kündigten an, dann nach neuen Wegen zu suchen, um aktiv zu bleiben. Das konservative islamische Königreich - mit etwa 700.000 Kunden RIMs größter Markt im Nahen Osten - hatte zuletzt für Montag mit der Sperrung des Messengers gedroht. Die Vereinigten Arabischen Emirate wollen den Blackberry ab 11. Oktober ganz vom Internet abhängen und Messenger, E-Mail- sowie Web-Zugang sperren.

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