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14.05.2008 
US-Finanzinvestor lobt Telekom-Chef für Konzernumbau

Blackstone stützt Obermann

von Sven Afhüppe und Sandra Louven

Großaktionär Blackstone hat sich kurz vor der Hauptversammlung der Deutschen Telekom erstmals öffentlich zu seinem Investment geäußert - und Vorstandschef René Obermann trotz der schlechten Kursentwicklung der T-Aktie den Rücken gestärkt. Der sieht sich zugleich wachsendem Druck aus dem Finanzministerium ausgesetzt, in Europa zu expandieren. Berlin hat sich auch schon auf einen namhaften Lieblingskandidaten festgelegt.

Unterstützung vom Großaktionär: Der Blackstone-Manager im Aufsichtsrat lobt die Arbeit von Telekom-Chef Rene Obermann.Lupe

Unterstützung vom Großaktionär: Der Blackstone-Manager im Aufsichtsrat lobt die Arbeit von Telekom-Chef Rene Obermann.

BERLIN/DÜSSELDORF. "Obermann richtet die Telekom gerade komplett neu aus, und wir sind mit seiner Arbeit extrem zufrieden", sagt Blackstone-Manager Lawrence Guffey dem Handelsblatt kurz vor der Telekom-Hauptversammlung am Donnerstag. "Er ist einer der besten Vorstandschefs, die wir in unseren 50 Portfoliofirmen haben." Guffey sitzt für Blackstone im Telekom-Aufsichtsrat. Obermann habe bislang konsequent seine Gewinnprognosen eingehalten und den Kundenservice verbessert - beides sei bei der Telekom früher nicht der Fall gewesen.

Mit diesen Aussagen äußerte sich Blackstone, nach dem Bund größter Einzelaktionär bei dem Bonner Konzern, erstmals öffentlich zu seinem Telekom-Investment. Und das in einer Phase, in der Obermann bei anderen Investoren wegen des schlechten Aktienkurses und fehlender Visionen zunehmend unter Druck gerät. Auch der Bund stellte sich als Großaktionär vor der mit Spannung erwarteten Hauptversammlung, bei der Aktionäre Kritik an der Arbeit des Managements üben dürften, noch einmal ausdrücklich hinter den Vorstandschef - allerdings nicht, ohne strategische Empfehlungen für Obermann auszusprechen.

Blackstone hatte im April vor zwei Jahren für 2,7 Mrd. Euro 4,5 Prozent der T-Aktien gekauft - zu einem Kurs von 14 Euro. Derzeit steht das Papier bei 11,66 Euro und ist für die Private-Equity-Gesellschaft immer noch ein Verlustgeschäft. Nur die üppigen Dividenden der Telekom sorgen dafür, dass sich der Finanzinvestor allmählich einer schwarzen Null nähert. Ende der Woche schüttet die Telekom für 2007 eine Dividende von 78 Cent je Aktie aus - das entspricht dem Sechsfachen des Nettogewinns. Diese Rekorddividende mit eingerechnet, ist Blackstone mit seinen T-Aktien dann nur noch mit rund 160 Mill. Euro im Minus. "Natürlich wäre uns ein höherer Kurs lieber", räumt Guffey ein. "Aber als wir bei der Telekom eingestiegen sind, war uns klar, dass es ein langer Weg werden würde. Wir bleiben langfristig bei der Telekom investiert." An den Märkten wird sogar spekuliert, Blackstone wolle weitere Telekom-Anteile hinzukaufen. Guffey wollte sich dazu nicht äußern.

Auch der Bund als Haupteigentümer der Telekom steht hinter dem Telekom-Chef. "Obermann hat unser vollstes Vertrauen", heißt es in der Spitze des Finanzministeriums.

Tatsächlich hat Obermann seit seinem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren einiges verändert: Er kappte die Personalkosten, verbesserte den Kundenservice und kaufte im Ausland in kleinen Schritten zu. Gleichwohl gelang es ihm nicht, den Kurs der T-Aktie bisher nachhaltig nach oben zu treiben. Gestern gab die Aktie zeitweise noch einmal um 2,3 Prozent nach, als bekannt wurde, dass der Bund eine neue Wandelanleihe begibt (siehe: "Zweiter Versuch").

Lesen Sie weiter auf Seite 2: Was die Investoren Obermann vorwerfen

Viele Investoren werfen Obermann vor, dass er es nicht geschafft hat, dem Konzern eine Wachstumsstrategie aufzuzeigen.

Selbst die Regierung verstärkt trotz des Lobs für die Arbeit des Vorstandsvorsitzenden inzwischen den Druck. So fordert das Finanzministerium den Telekom-Chef auf, noch in diesem Jahr einen ausländischen Konkurrenten zu übernehmen oder mit einem gleichwertigen Partner zu fusionieren.

Berlin hat sich auch schon auf einen Lieblingskandidaten festgelegt: France Télécom. "Das wäre der ideale Partner in Europa", heißt es im Finanzministerium. Wenn es damit nicht klappen sollte, müsse Obermann einen anderen europäischen Telekomanbieter ins Visier nehmen: "Auf jeden Fall muss verhindert werden, dass sich der europäische Telekommarkt konsolidiert und die Deutsche Telekom nicht dabei ist."

Das Drängen aus Berlin kommt nicht von ungefähr - die Wettbewerber sind bereits aktiv. So ist die spanische Telefónica bei Telecom Italia eingestiegen. Und vor vier Wochen kündigte France Télécom Interesse an der finnisch-schwedischen Telia Sonera an.


Zweiter Versuch: KFW will T-Aktien loswerden

Privatisierung:
Noch halten Bund und staatliche Förderbank KfW 31,7 Prozent der T-Aktien. Doch sie wollen Anteile abstoßen. Gestern kündigte die KfW eine Umtauschanleihe mit einem Volumen von bis zu 3,3 Mrd. Euro an. Damit könnte sich der Staat von rund 200 Mill. T-Aktien oder einem Anteil von etwa fünf Prozent trennen. Nach der Laufzeit von fünf Jahren und einem Monat würde sich eine Rückzahlung in Aktien ab einem Kurs von 14,70 bis 15,30 Euro für Anleger rechnen. Die Konditionen dafür stehen noch nicht endgültig fest.

Schlechter Tausch:
Schon einmal, im Jahr 2003, hat es die KfW mit einer Umtauschanleihe über fünf Milliarden Euro versucht - mit wenig Erfolg. Wenn die Anleihe im August fällig wird, dürfte kaum ein Anleger von seinem Recht Gebrauch machen, das eingesetzte Kapital in Telekom-Aktien zu tauschen. Der Kurs der T-Aktie hat sich zu schwach entwickelt

Ein Tausch würde sich erst ab einem Kurs von 17,53 Euro lohnen. Nach Ansicht von Experten wird die KfW die Anleihe nahezu voll zurückzahlen müssen.

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