Blendle startet in Deutschland
Die Zeitungshoffnung aus den Niederlanden

Diesen Montag startet das Online-Portal Blendle in Deutschland. Usern können dort einzelne Zeitungs- und Zeitschriftenartikel von zahlreichen Verlagen kaufen. Auch das Handelsblatt ist zum Start dabei.

HamburgDen ersten deutschen Medienpreis hat Marten Blankestijn schon sicher: Am 1. Oktober wird der Gründer der Online-Plattform Blendle, die es Nutzern erlaubt, einzelne Zeitungs- und Zeitschriftenartikel zu kaufen, in Hamburg den Scoop Award 2015 erhalten. Mit diesem Preis zeichnen die Initiative Next Media Hamburg und die Nachrichtenagentur dpa „besondere Leistungen an der Schnittstelle zwischen journalistischen Inhalten und Technologie“ aus.

Schon vor dem Start des Zeitungs- und Zeitschriftenportals in Deutschland an diesem Montag waren die Erwartungen hoch. Kann es Blendle gelingen, junge Zielgruppen zurückzugewinnen, die den Blättern zuletzt den Rücken gekehrt hatten? Die Bilanz im heimischen niederländischen Markt kann sich sehen lassen. Dort kommt Blendle auf 400.000 Nutzer. Zwei Drittel von ihnen sind jünger als 35.

Diese Zahlen haben auch deutsche Verlage beeindruckt: Von den hiesigen Branchengrößen ist einzig die Hamburger Bauer Media („Bravo“, „TV Movie“) nicht auf Blendle. Zuletzt konnte Blankestijn Burda („Focus“, „Bunte“), Condé Nast („Vogue“, „GQ“) und die Verlagsgruppe Handelsblatt überzeugen, mitzumachen. In Deutschland wird Blendle nun mit über 100 Titeln starten. Zum Vergleich: In den Niederlanden waren Blendle es nur zehn Zeitungen und zehn Zeitschriften.

Dennoch fehlt in Deutschland manch namhaftes Blatt: Burda ist nur mit „Focus“ und „Fit for Fun“ vertreten. Auch Axel Springers „Bild“ findet man nicht. Dabei halten die Deutschen zusammen mit der „New York Times“ 23 Prozent der Blendle-Anteile. Strategie der Bezahlangebote von Bild.de sei es „statt einzelner Artikel ein Gesamtangebot zu verkaufen“, sagt eine Unternehmenssprecherin zur Begründung. Zuvor hatte bereits der Beta-Test von Blendle ergeben, dass deutsche Leser des Angebots sich vor allem für lange Texte und Qualitätsjournalismus interessieren.

Die meisten auf Blendle erhältlichen Artikel kosten Cent-Beträge. Leser, die mit einem gekauften Text unzufrieden sind, bekommen ihr Geld zurück.

Wie Blendle-Gründer Blankestijn dem Handelsblatt sagte, beschäftigt Blendle in Deutschland acht seiner insgesamt 65 Mitarbeiter. Sie haben ihren Sitz in Berlin. Die meisten von ihnen arbeiten für die Redaktion des täglich erscheinenden Newsletters des Dienstes. Bekannte Publizisten werden deutschen Blendle-Nutzern bestimmte Artikel empfehlen. Zu ihnen zählen beispielsweise die Chefredakteurin der „Wirtschaftswoche“ Miriam Meckel und der Digital-Chef des britischen „Guardian“ Wolfgang Blau.

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Italiener holen sich oft Geld zurück, Schweden fast nie

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