Board lehnt Microsoft-Übernahmeofferte ab
Yahoo pokert um höheres Angebot

Nach mehrtägigen intensiven Beratungen hat der Verwaltungsrat des größten Internet-Portals Yahoo Inc. beschlossen, das 44 Mrd. Dollar schwere Übernahmeangebot des Softwareriesen Microsoft Corp. abzulehnen. Wie es heißt, will das Yahoo-Aufsichtsgremium am Montag in einem Schreiben an Microsoft-Chef Steve Ballmer seine Entscheidung offiziell mitteilen und begründen.

SAN FRANCISCO. Das zehnköpfige Board, so heißt es von Insidern, habe alle Handlungsalternativen erwogen und sei zu dem Schluss gekommen, dass das Microsoft-Angebot von ursprünglich 31 Dollar pro Aktie nicht den Wert des Unternehmens, sondern mehr den jüngsten Verfall der Yahoo-Aktie reflektiere. Angeblich fordert Yahoo mindestens 40 Dollar pro Anteil, insgesamt 12 Mrd. Dollar mehr als ursprünglich geboten.

Analysten halten die Ablehnung des ersten Angebotes für ein taktisches Manöver. Der ursprüngliche, eine Woche alte Preis von 31 Dollar in bar und Aktien lag seinerzeit um 62 Prozent über dem Yahoo-Kurs. Seit Bekanntgabe der Offerte verlor die Microsoft-Aktie jedoch zwölf Prozent, während das Yahoo-Papier um zehn auf 29,20 Dollar kletterte. Obwohl es dem Yahoo-Board nicht gelang, einen anderen Übernehmer mit einem höheren Gebot aufzutreiben, ist es nach Meinung von Analysten verpflichtet, das Maximum für die Aktionäre heraus zu holen. Überdies hätte Microsoft schon einmal, vor etwa einem Jahr, stillschweigend das Terrain für eine Yahoo-Übernahme sondiert und sei damals bereit gewesen, 40 Dollar pro Aktie zu zahlen.

Seiher hat jedoch das einst dominierende Internet-Portal auf dem wirtschaftlich wichtigsten Gebiet der Internet-Suche und der damit verbundenen Werbung stetig Boden an Google verloren. Die Hoffnungen, die sich mit der Rückkehr von Mitgründer Jerry Yang an die Spitze verbanden, der Mitte vergangenen Jahres CEO Terry Semel ablöste, haben sich bislang nicht erfüllt. Yang gilt als Technologie-Guru, aber als schwacher Manager. Yahoos Aktie sackte in den vergangenen Monaten um 40 Prozent auf unter 20 Dollar und schmolz den Marktwert des Un-ternehmens um insgesamt 20 Mrd. Dollar ab.

Mit einer pauschalen Ablehnung des Microsoft-Angebotes unterlaufen die Yahoo-Aufseher die Gefahr von verärgerten Aktionären. Die strategischen Alternativen sind dünn gesät. Ein anderer Übernehmer hat sich nicht gemeldet, die Bewahrung der Unabhängigkeit unter dem bisherigen Management würde den Aktienkurs wieder in den Keller sausen lassen und eine enge Kooperation mit Google bei der Internet-Suche und der damit verbundenen Werbung dürfte auf den Widerstand der Kartellwächter stoßen. Immerhin hat Google in diesem Geschäft einen deutlich höheren Marktanteil als Yahoo und Microsoft zusammen.

Für Microsoft sind die Alternativen bei einer Ablehnung ihres Angebotes ebenfalls nicht appetitlich. Der Konzern kann sich nicht lautlos zurückziehen. Dazu ist das Internet für die weitere Geschäftsentwicklung zu wichtig und dazu ist auch das Ego von Ballmer zu stark in eine erfolgreiche Übernahme investiert. Die Aufstockung des Preises, der bereits als saftig gilt, dürfte den Microsoft-Kurs weiter drücken und die Gefahr von Aktionärsklagen heraufbeschwören. Der Softwarekonzern könnte den Eignern am Yahoo-Management vorbei ein Kaufangebot machen und dann bei der nächsten Hauptversammlung des Internet-Portals versuchen, den Verwaltungsrat abzulösen. Der neue Rat könnte dann die Schutzvorschriften in der Satzung gegen eine Übernahme entfernen.

Dies wäre jedoch nach Ansicht von Experten ein langwieriger Weg, auf dem sich Microsoft auf jedem Schritt gegen den massiven Widerstand von Google durchsetzen müsste. Google antichambriert bei Gesetzgebern und Kartellwächtern bereits mit der Behauptung, dass der Zusam-menschluss von Microsoft und Yahoo wettbewerbsschädigend für das Internet wäre. Überdies liefe der Softwarekonzern die Gefahr, dass Yahoo bei einem langen Übernahmekrieg personell ausblutet.

Das „Wall Street Journal“ berichtete am Sonntag unter Berufung auf eine eingeweihte Person, das Yahoo-Direktorium lehne das Microsoft-Angebot über 31 Dollar je Aktie ab, weil es nicht die Risiken einkalkuliere, dass eine Übernahme am Widerstand der Kartellbehörden scheitern könnte. Es sei unwahrscheinlich, dass Yahoo die Annahme einer Offerte unter 40 Dollar je Anteilsschein in Erwägung ziehe. Bei einem Preis von 40 Dollar je Papier hätte das je zur Hälfte aus einer Barzahlung und aus Aktien bestehende Angebot ein Gesamtvolumen von 51,1 Milliarden Dollar. Eine Yahoo-Sprecherin sagte, das Führungsgremium des Unternehmens bewerte derzeit das Microsoft-Angebot im Hinblick auf sämtliche strategische Alternativen. Einzelheiten nannte sie nicht. Microsoft wollte sich nicht zu dem jüngsten Bericht äußern.

Quelle: Handelsblatt
Jens Eckhardt
Handelsblatt / Korrespondent
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