Börsenbetrug: Falschmeldung über Google-Zukauf sorgt für Wirbel

Börsenbetrug
Falschmeldung über Google-Zukauf sorgt für Wirbel

„Pump and dump“ heißt die Methode: Unbekannte verbreiteten, dass Google für viel Geld eine kleine Firma kauft. Darauf schoss deren Aktienkurs in die Höhe. Die Geschichte einer Fälschung.
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DüsseldorfGroß kauft Klein – das klingt plausibel. Doch die am Montag verbreitete Nachricht, dass der Internet-Riese Google den wenig bekannten Drahtlosfunkanbieter ICOA für satte 400 Millionen Dollar übernimmt, war falsch. Zahlreiche US-Medien griffen die gefälschte Pressemitteilung auf, ohne sie vorher zu überprüfen. Den unbekannten Drahtziehern könnte die mediale Aufmerksamkeit ein Vermögen eingebracht haben.

Der angebliche Kaufpreis ist astronomisch: Der Betrag ist rund 470 Mal so hoch wie der aktuelle Börsenwert von ICOA, das derzeit mit etwa 850.000 Dollar bewertet wird. ICOA betreibt WLAN-Netze an öffentlichen Orten wie Flughäfen und Restaurants – nichts, was eine spektakuläre Übernahme rechtfertigen würde. Auch wenn Google kürzlich unter die Internet-Provider gegangen ist und in der amerikanischen Stadt Kansas City ein schnelles Glasfaser-Netz eingerichtet hat.

Dennoch gaben die renommierte Nachrichtenagentur Associated Press und etliche Blogs die falsche Information weiter, ohne bei den beteiligten Firmen nachzufragen. Google und ICOA dementierten umgehend, doch in der Zwischenzeit schoss der ICAO-Kurs in die Höhe: Der Pennystock verfünffachte kurzeitig seinen Wert auf 0,0005 Dollar. Es ist zu vermuten, dass die Urheber der Meldung den Kurs hochtreiben wollten, um einen Gewinn einzustreichen. „Pump and dump“ wird diese betrügerische Methode in den USA genannt.

Ausgangspunkt der Ente war die Website PR Web, über die Firmen ihre Pressemitteilungen im Internet verbreiten können. Diese würden überprüft, beteuerte die Betreiberfirma Vocus nach dem Lapsus in einer Mitteilung – doch trotz aller Sicherheitsmaßnahmen könne es zu Identitätsdiebstahl kommen. Was genau das heißt, verschwieg die Firma.

Allerdings berichten US-Medien, dass die Sicherheitsvorkehrungen des Anbieters sich leicht austricksen lassen. Im Gegensatz zu Portalen wie PR Newswire und Businesswire gebe es praktisch keine Barrieren, sagte etwa ein PR-Profi dem IT-Portal „The Verge“.

ICOA-Chef George Strouthopoulos stellte gar fest, dass weder die simple Gmail-Adresse (die ganz und gar nicht nach einer Firma im Wert von 400 Millionen Dollar aussieht) noch die falsche Telefonnummer in der gefälschten Mitteilung den Argwohn der PR-Web-Mitarbeiter erregt hatten. Das berichtete das Magazin „MIT Technology Review“. Ein Anruf hätte womöglich genügt, um die Fälschung zu entlarven.

Die US-Börsenaufsicht SEC stoppte den Handel mit dem ICOA-Papier und untersucht die Angelegenheit jetzt.

Mit Informationen von Reuters

 

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