Börsengänge bei Internet-Startups
Venture Fonds gehen auf Schnäppchenjagd

Die jüngste Kapitalspritze über 22 Mio. Dollar für das Online-Netzwerk LinkedIn.com unterstreicht nach Meinung von Branchenexperten die kurzfristig negativen Aussichten für Börsengänge bei Internet-Startups. Sie eröffnet aber auch neue Chancen für Investoren. Unternehmen, die zuvor glaubten kein Kapital mehr aufnehmen zu müssen, stünden jetzt wieder für Investments offen. Aber nur die besten Startups werden profitieren.

DÜSSELDORF. Ende vergangener Woche hatte das Busines-Netzwerk LinkedIn frisches Kapital von einer Reihe alter und neuer Investoren bekommen. Dabei hatte das Unternehmen erst im Juni eine Finanzrunde über 53 Mio. Dollar angekündigt. Zu den neuen Investoren gehören nun SAP und das Finanzinstitut Goldman Sachs. Letzteres ist ein Zeichen dafür, dass sich LinkedIn auf einen Börsengag vorzubereiten beginnt. LinkedIn ist ein Soziales Netzwerk aus dem kalifornischen Mountain View für Geschäftsleute und Unternehmen. Es erzielt Umsätze mit Werbung oder kostenpflichtigen Zusatz- und Premiumdiensten. Es hat nach eigenen Angaben rund 30 Mio. Nutzer. Größter Konkurrent ist das vor allem in Deutschland starke Netzwerk Xing.

"Die Finanzrunde ist ein Signal, dass gut aufgestellte Unternehmen weiter Kapital bekommen", analysiert Maximilian Niederhofer von der Londoner VC-Gesellschaft Atlas Ventures im Gespräch mit dem Handelsblatt. Er schränkt aber gleichzeitig ein: "Es zeigt zugleich, dass sich der geplante Börsengang in 2009 wohl noch verschieben dürfte." Das größte Problem der Venture-Capital-Branche ist derzeit der zusammengebrochene Markt für Börsengänge. Ganze sechs Neuemissionen fanden 2008 den Weg an die US-High-Tech-Börse Nasdaq. Gleichzeitig aber, so die Unternehmensberatung PriceWaterhouseCoopers, wird die Liste der Kandidaten immer länger. Bis Jahresmitte hatte schon 42 Unternehmen die Unterlagen für einen IPO-Antrag ("S1-Files") abgegeben. Zum Vergleich: Noch 2003 lag die Zahl der Börsengänge noch doppelt so hoch wie die der Neuanmeldungen.

"Weil die Unternehmen jetzt länger durchhalten müssen", so Niederhofer, "brauchen sie zusätzliches Geld." Die VC-Unternehmen bekämen dadurch wieder Chancen. Allerdings seien die Auswahlkriterien deutlich schärfer geworden. "Wer als Web-Unternehmen schon erkennbare Umsätze nachweisen kann, ist jetzt klar im Vorteil", nennt Niederhofer ein Beispiel.

Wer keine neuen Geldgeber findet, wird noch schärfer sparen und Personal abbauen müssen als ohnehin schon. Alleine aus den Reihen des kalifornischen VC-Unternehmens Sequoia mussten nach Informationen des Branchendienstes Techcrunch in der vergangenen Woche drei junge Unternehmen (Meraki, Mahalo, Imeem) Personalabbau verkünden. Von den etablierten und börsennotierten Web-Unternehmen aus den Anfangstagen des Internets traf es Yahoo mit knapp 1400 Mitarbeitern besonders hart.

Handelsblatt-Korrespondent Axel Postinett
Axel Postinett
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