Börsengang am Jahresende
AOL erfindet sich nochmal neu

Sein Plan klingt verwegen: AOL-Chef Tim Armstrong plant den Einstieg in den werbefinanzierte Online-Journalismus. Damit will der Internetkonzern, den mancher schon auf dem Dotcom-Friedhof wähnte, auch europäische Zeitungsverleger herausfordern. Scheitert Armstrong, steht AOL demnächst ohne Geschäftsmodell da.

KÖLN. Durch den Einstieg ins Geschäft mit journalistischen Inhalten will AOL-Chef Armstrong seinem Unternehmen kurz vor dem für Jahresende geplanten Börsengang einen neuen Dreh geben.

"Das Inhaltegeschäft kann sehr erfolgreich sein", behauptete Armstrong jetzt in Köln. Dabei setzt er auf eine Strategie, wie sie mancher Autohersteller fährt: "AOL als Dachmarke ist wichtig. Doch andere Einzelmarken sollen spezifische Zielgruppen ansprechen. Etwas ähnliches macht auch Disney", erklärt Armstrong. Derzeit beschäftigt AOL in den USA 500 fest angestellte Journalisten und 2 000 freie Mitarbeiter.

Sie produzieren nicht nur Inhalte für die Mutterseite, sondern führen auch Blogs. 27 der 100 meistverlinkten Weblogs außerhalb Asiens gehören bereits zum AOL-Reich. "Wir haben einen technischen Vorsprung", sagt Armstrong über die Infrastruktur im Hintergrund, die den jeweiligen Besuchern einer Seite möglichst genau auf sie passende Werbung zeigen soll. Mit dem Angebot könnte AOL besser aufgestellt sein als Konkurrenten aus dem klassischen Verlagsgeschäft. Denn die Tochter des US-Unterhaltungskonzerns Time Warner verfügt sowohl über die Technik, die Anzeigen platziert, als auch über einen eigenen Anzeigenvertrieb. Klassische Verlage dagegen kaufen einzelne dieser Bereiche bei Dienstleistern.

Armstrong, der Anfang des Jahres von Google zu AOL kam, reagiert damit auf einen generellen Trend im Internet. "Das Internet wird immer fragmentierter", sagte er. Viele Leser wollen immer speziellere Inhalte. Diese zersplitterten Interessen will Armstrong nicht nur mit thematischen, sondern auch mit örtlichen Spezialangeboten bedienen: "Lokaljournalismus ist sehr mächtig. Die Frage ist, wie man daraus ein Geschäftsmodell macht." In zehn US-Städten hat AOL bereits sämtliche kommunalen Dienste ins Netz gebracht und beschäftigt Lokalredaktionen.

Damit will Armstrong auch in Europa die Zeitungsverleger herausfordern. Allerdings sagte Armstrong: "Wir wissen, wie einflussreich in Deutschland die Lokalmedien sind." Dennoch denkt der AOL-Boss über Zukäufe in Deutschland nach. "Wir können aber auch mit anderen Partnern kooperieren", sagte Armstrong. Dann würde AOL seine Reichweite und Technik nutzen, um Inhalte zu verbreiten.

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