Bonner Konzern gibt sich kompromissbereit
Konkurrenz kritisiert Telekom-Liefersperre

Lange Zeit war es gängige Praxis: Konkurrenzunternehmen konnten Telefonanschlüsse von der Telekom einkaufen und diese an die eigenen Endkunden weiterverkaufen. Die Telekom hat diese Möglichkeit jetzt eingestellt, was für die Initiative Europäischer Netzbetreiber (IEN) einen eklatanten Marktmissbrauch darstellt.

HB DÜSSELDORF. Zwischen der Deutschen Telekom und einigen ihrer Konkurrenten ist ein neuer Streit entbrannt. Unternehmen wie MCI, Colt Telecom und BT, die sich in der Initiative Europäischer Netzbetreiber (IEN) zusammengeschlossen haben, kritisieren, dass sie ein für ihr Geschäftsmodell wichtiges Produkt bei dem Ex-Monopolisten nicht mehr beziehen können: Sie erhalten keine kompletten Telefonanschlüsse mehr, die sie dann an die eigenen Endkunden weiterverkaufen können.

Lange Zeit sei das noch gängige Praxis gewesen. Dass die Telekom jetzt davon abweiche, sei ein eklatanter Marktmissbrauch, heißt es in einem Schreiben der IEN an die Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post. Die Unternehmen fürchten negative Konsequenzen, da sie Großkunden nicht mehr mit den gewünschten Produkten beliefern könnten.

Die Telekom sieht das „missbräuchliche Verhalten“ dagegen bei MCI und den anderen Anbietern, wie gestern aus Konzernkreisen verlautete. Die Unternehmen hätten ein Produkt, das eigentlich für den Endkunden gedacht sei, eingekauft und weitervermarktet. Das verstoße gegen das Telekommunikationsgesetz. Man sei aber erst jetzt per Zufall auf diese Praxis gestoßen und habe das in der Vergangenheit aus Unwissenheit zugelassen.

Mit einem Kompromiss will die Telekom diesen Streit jetzt aber beenden: „Wir werden die laufenden Projekte abwickeln“, hieß es in Konzernkreisen, „was bestellt wurde, wird jetzt auch geliefert.“ Parallel dazu werde die Telekom so schnell wie möglich ein neues Angebot für die Konkurrenten entwickeln, die Endkundenanschlüsse weiterverkaufen wollen – ein Angebot, das nicht im Widerspruch zum Telekommunikationsgesetz stehe.

Das läuft voraussichtlich darauf hinaus, dass die Konkurrenten einen analogen oder ISDN-Telefonanschluss nur in Kombination mit Gesprächskapazitäten im Telekom-Netz einkaufen können – gebündeltes Resale heißt das im Branchenjargon. Das wird nach Einschätzung von Analysten mit höheren Kosten verbunden sein als der Kauf eines Anschlusses allein.

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