Bonner Konzern wächst zunehmend im Ausland
Kerngeschäft Festnetz war gestern

Die Deutsche Telekom steht vor einer Zäsur. Der Mobilfunk wird dank milliardenschwerer Zukäufe in absehbarer Zeit zum umsatzstärksten Geschäftsfeld aufsteigen. Das traditionelle Geschäft mit dem Festnetz wird so nur noch zweitgrößte Säule im Bonner Konzern sein.

HB BONN. Mit den Übernahmen im Ausland macht sich die Deutsche Telekom auch zunehmend unabhängiger vom hart umkämpften Wettbewerb auf dem Heimatmarkt. Bereits im vergangenen Geschäftsjahr nahm der rosa Riese fast 40 % der Erlöse im Ausland ein, Tendenz steigend. Gerade in Osteuropa und in den USA sind hohe Wachstumsraten möglich.

Telekom-Chef Kai-Uwe Ricke zückt für den Ausbau von T-Mobile das dicke Scheckheft. Die Übernahme des österreichischen Mobilfunkers Telering soll die Telekom dem Vernehmen nach stolze 1,3 Mrd. € gekostet haben. Das ist der dritte Zukauf in Milliardenhöhe seit dem Abgang von Ron Sommer Mitte 2002 und der zweite unter der Regie von Ricke. Die Telekom stockte im Herbst 2002 ihre Anteile am niederländischen Mobilfunker Ben auf und erwarb im Mai 2004 Mobilfunknetze in den USA. Mit der rechtlich umstrittenen Komplettübernahme des polnischen Mobilfunkers PTC liegt ein weiterer Milliardenzukauf der Deutschen Telekom noch auf Eis.

Neuen Spielraum für Einkäufe hat der Konzern mit dem Abtragen seines riesigen Schuldenberges um rund ein Drittel gewonnen. Anfang 2003 beliefen sich die Nettofinanzverbindlichkeiten noch auf gut 64 Mrd. €. Sie waren damit größer als der Jahresumsatz. Bis Ende März 2005 wurden sie zwar um mehr als 20 Mrd. € deutlich reduziert. Der Schuldenberg maß am Ende des ersten Quartals aber noch beachtliche 42,6 Mrd. €. Ricke beteuert deshalb in den vergangenen Monaten stets, dass der Konzern den mehrjährigen Sparkurs jetzt nicht aufgebe und nicht aus dem Vollen schöpfe.

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